Dioxin bedroht die Elbtalaue

Schlimmer kann es für die Schäfer am Deich kaum kommen: Jüngste Untersuchungen von Rostocker Wissenschaftlern belegen: Der Boden, Futtermittel und auch die Lebern von Schafen und Rindern sind teilweise extrem dioxinbelastet. In Gothmann liegt der Dioxinwert der Erde bei 1000 Nano-Gramm pro Kilo. Der Grenzwert liegt bei 40 Nanogramm.

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11. April 2008, 07:45 Uhr

Redefin - Eigentlich müssten die Boizenburger Schafe jetzt draußen am Deich sein. „Da oben wächst genau das Futter, das meine Schafe jetzt brauchen“, sagt der Schäfer. „Sie stehen kurz vor dem Lammen, da ist frisches Grün mit vielen Vitaminen wichtig.“ Doch die 500 Schafe stehen neben dem Stall, ernähren sich von altem Futtermittel aus dem vergangenen Jahr. Ihre Weide am Deich ist vom Landesamt für Landwirtschaft und Lebensmittelsicherheit als Risikogebiet eingestuft worden. Nachdem Wissenschaftler dort in Futtermittelproben überdurchschnittlich hohe Dioxinwerte festgestellt hatten, ist das Gelände für Schafe jetzt tabu. Stattdessen müssen die Schäfer jetzt mit Maschinen raus auf den Deich, dort Gras schleppen und schlegeln. Und das alles sechs Mal im Jahr, mit viel Aufwand und Technik.

Der Boizenburger ist nicht der einzige Tierhalter am Deich im Landkreis Ludwigslust, der von den Einschränkungen in der Bewirtschaftung betroffen ist. Fünf Schäfereien haben in den vergangenen Monaten vom Landwirtschaftsministerium Auflagen erhalten, sei es bei der Beweidung oder bei der Fleischverarbeitung.

Die neueste Risikoanalyse des Landwirtschaftsministerium schließt 37 Betriebe auf den Elbe- und Sudeflächen ein. „Davon hatten neun Betriebe vermutlich hoch belastetes Futter eingesetzt, so dass wir davon ausgehen, dass auch die Lebensmittel belastet werden könnten“, sagt Dr. Maria Dayen, Abteilungsleiterin für Verbraucherschutz beim Landwirtschaftsministerium. Bei Untersuchungen in diesen Betrieben seien schließlich erhöhte Dioxinwerte in den Schafslebern nachgewiesen worden, aber keine bedenklichen Werte im Fleisch. „Die Lebern müssen von den Schlachthöfen entsorgt werden“, sagt Maria Dayen und stellt klar, dass man mit absoluter Sicherheit dafür sorge, dass keine belasteten Lebensmittel in den Verkehr kommen. Gleichzeitig versuche man, den betroffenen Landwirten Wege aufzuzeigen, wie man mit der Situation umgehen könnte.

Die Zeit drängt. Die Wintervorräte für die Boizenburger Schafe sind fast erschöpft. Der Schäfer hofft auf Ausgleichsflächen im Umkreis von 50 Kilometern. „Entschädigung ist für mich ein Zauberwort“, sagt er. Ausgleichsflächen wären ihm ohnehin lieber als das Geld. „Geld ist wie ein Strohfeuer. Es wärmt zwar. Aber nicht lange.“ Schließlich will er seine Existenz sichern. Und die seiner Mitarbeiter auch.

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