Ein Stadtteil in der Eisfalle: Gartenstadt : Die Winterdienst-Verweigerer

Keine Gehwege und Straßen nicht beräumt: In der Neuen Gartenstadt ist es zu Fuß und mit dem Auto äußerst schwer, voranzukommen.
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Keine Gehwege und Straßen nicht beräumt: In der Neuen Gartenstadt ist es zu Fuß und mit dem Auto äußerst schwer, voranzukommen.

Rund 2300 Einwohner zählt die Neue Gartenstadt bereits, das Gebiet wächst. Wer jedoch gegenwärtig durch das Areal muss, braucht viel Geschick und Kraft. Denn die Straßen sind so gut wie nicht geräumt.

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29. Dezember 2010, 08:12 Uhr

Schneeberge türmen sich, darunter lauern glitschige Eisflächen. Behinderte sind mit ihrem Rollstuhl im Stadtteil gefangen, Senioren, die auf einen Rollator angewiesen sind, ebenfalls. "Mit dem Kinderwagen komme ich nicht mehr zur Straßenbahn", sagt Anwohner Dr. Wolfgang Leist. Und dabei sind die Gartenstädter selbst schuld an dem Dilemma.

Denn der Winterdienst der Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen Schwerin (SDS) muss lediglich die Verbindung von der Straßenbahnhaltestelle Gartenstadt bis ins Wohngebiet reinigen - was allerdings auch kaum erfolgt. Wer von der Haltestelle die Ludwigsluster Chaussee queren will, muss noch sehr gut zu Fuß unterwegs sein. Schnee ist nicht geräumt, gestreut ist ebenfalls nicht. Das gleiche Bild auf den ersten Metern der Straße der Neuen Gartenstadt. Bis zum Beginn der Spielstraßen-Zone müsste auch hier die SDS putzen. Es sieht aus, als wäre der Winterdienst seit Tagen nicht hier gewesen. Danach jedoch sind die Grundstückseigentümer gefordert. Sie müssen laut Satzung - weil es sich um Spielstraßen ohne Gehwege handelt - die Straßen bis zur Hälfte von Schnee und Eis befreien und den Schnee auf dem eigenen Grundstück lagern. Ob Brink, Langer Berg, Am Blumenbrink oder Buchholzallee - überall das gleiche Bild: Schnee über Schnee und kaum eine freie Passage.

"Manche beräumen ihr Grundstück, damit sie mit dem Auto wegkommen, und schieben den Schnee auf die Straße", beklagt Dr. Leist, der für die Unabhängigen Bürger im Ortsbeirat Gartenstadt/Ostorf arbeitet. Inzwischen ist es selbst mit dem Auto schwierig, in der Neuen Gartenstadt voranzukommen. "Besonders die Ausfahrt ist ein Problem, da es in der Mitte der Ludwigsluster Chaussee abschüssig ist", erklärt der Familienvater. "Hier ist eindeutig der Winterdienst der Stadt gefordert." Das gleiche Problem stellt sich Passanten im Übrigen bei der neu eingerichteten Fußgängerquerung über die Ludwigsluster Chaussee zum Netto-Markt. Auch hier ist nichts beräumt.

Ein weiteres Problem ist der Durchgangsverkehr durch die Neue Gartenstadt. Von der Hagenower Straße kürzen viele über die Straße Langer Berg zur Ludwigsluster Chaussee ab. Dr. Leist: "Es wäre viel geholfen, wenn die SDS diesen Bereich bereinigen würde." Der Wunsch wird wohl kaum erfüllt werden, weil genau dieser Durchgangsverkehr bei der Konzeption der Neuen Gartenstadt ausgeschlossen werden sollte. Doch laut Dr. Leist schrecken offensichtlich nicht einmal die widrigen Straßenverhältnisse die Autofahrer ab.

Das Grundproblem verursachen allerdings nicht die SDS, sondern die Anwohner selbst. Sie kommen ihrer Räumpflicht nicht nach. Der Kommunale Ordnungsdienst könnte hier nahezu jeden Eigentümer ermahnen - wenn er denn einmal in die Neue Gartenstadt käme… Anwohner Leist vermutet, dass viele Grundstückseigner gar nicht wissen, dass sie Schnee schieben müssen. "Die Info-Broschüre der SDS kam bei uns jedenfalls gar nicht an…"

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