Die weiße Massai in der Stadthalle

Afrikanischer Abend in der Parchimer Stadthalle: Die „weiße Massai“ Corinne Hofmann weilte in Parchim, um aus ihrem wechselvollen Leben zu berichten. Sie faszinierte das Publikum mit ihrer charmanten Art und sie regte ihre Zuhörer zum Nachdenken an.

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31. März 2008, 04:15 Uhr

Dichtes Gedränge bereits im Foyer der Parchimer Stadthalle. Eine lange Menschenschlange hatte sich vor dem Tisch gebildet, an dem Corinne Hofmann saß und geduldig Bücher signierte. Diese Schlange riss bis 19.30 Uhr, dem eigentlichen Beginn des Vortragsabends, auch nicht mehr ab. Für jeden ihrer Leserinnen und Leser nahm sich die Autorin Zeit, hatte sie ein persönliches Wort parat, auch Gespräche kamen zu Stande. „Die Menschen kommen zum Teil von weit her, geben Geld aus, um meine Bücher zu kaufen und um mich zu sehen, dann nehme ich mir auch die Zeit für sie“, erklärt Corinne Hofmann. „Außerdem interessiert es mich sehr, was sie zu sagen haben.“

Eine sympathische, attraktive Erscheinung ist sie, „Die weiße Massai“, die vier Jahre lang mit ihrem Mann, dem Massai-Krieger Lketinga, im kenianischen Busch lebte, liebte, arbeitete und auch ihre Tochter Napirai dort zur Welt brachte. Was bewegt sie nun dazu, durch die Lande zu reisen, Lesetouren zu machen und aus ihrem Leben zu erzählen? „Ich möchte die Menschen erreichen und ich weiß inzwischen, dass meine Geschichte vielen Mut macht daran zu glauben, dass es immer irgendwie weiter geht.“ Viele Menschen an so einem Abend glücklich zu machen und gleichzeitig ein Feedback von ihnen zu bekommen, ist eine weitere Motivation der Corinne Hofmann und sie lacht, wenn sie darüber spricht.

Die eine Sekunde, die das Leben völlig verändertÜberhaupt lacht sie viel, trägt ihren Humor mit hinein in den Lese – und Erzählabend, der vor ausverkauftem Haus stattfindet. Drei Bücher hat sie mittlerweile verfasst und alle berichten über ihre Zeit in Afrika und die Zeit danach. „Könnten Sie sich vorstellen, von heute auf morgen Ihr Leben um 180 Grad zu ändern?“, fragt sie mit charmantem Schweizer Akzent gleich zu Beginn und erzählt von der einen Sekunde, die ihr Leben so völlig verändert hat. Eine Veränderung, die bis heute andauert, wie sie sagt. Corinne Hofmann, Tochter einer französischen Mutter und eines deutschen Vaters, schlägt den Bogen weit, beginnt mit Erzählungen und Bildern aus ihrer Kinder- und Jugendzeit, der Berufsfindung , ihrer Zeit in Kenia bis in die Gegenwart. Zwischendurch liest sie immer wieder ein paar kleine Passagen aus ihren Büchern und zeigt Fotos, die bildhaft ihre Erlebnisse in Kenia dokumentieren. Humorvoll, niemals melodramatisch, berichtet sie über ihre Leben mit dem Massai-Krieger Lketinga und seinem Stamm, das in den vier Jahren auch von vielen Entbehrungen und Krankheiten gezeichnet war. Und sie erzählt von ihrer Liebe zu dem afrikanischen Land, ihrer Verehrung für „Mama“, wie sie ihre Schwiegermutter auch heute noch liebevoll nennt und dem Respekt, den das Leben dieses kleinen Volkes verdient.

Es ist ein Leben, das Corinne Hofmann und ihre kleine Tochter jedoch nicht mehr weiter führen konnten. Und so kehren sie nach vier Jahren Afrika zurück in die Schweiz und beginnen auch dort wieder ein völlig neues Leben, in einer fremd gewordenen Zivilisation. Als sie nach weiteren fünf Jahren beschließt, ihre Geschichte aufzuschreiben, ahnt Corinne Hofmann noch nicht, dass ihr Buch „Die weiße Massai“ ein Bestseller wird, der weltweit in dreißig Sprachen übersetzt und 2005 sogar verfilmt wird. Der Besuch einer Talkshow von Alfred Biolek zum Thema „Die große Liebe“ war nach ihren Angaben der große Durchbruch. „Lketinga war meine große Liebe, der ich folgen musste und ich bereue bis heute nicht, diesen Schritt damals getan zu haben“, versichert sie immer wieder. Und sie kehrt zurück nach Barsaloi, jenen Ort, der soviel Bedeutung in ihrem Leben hat. Es wird ein emotionales Wiedersehen mit Mama, Lketinga, James und all den anderen, nach vierzehn Jahren.

Mehr in der Gegenwart leben und das Leben genießenMit einem kleinen Filmausschnitt aus der DVD von dem großen Wiedersehen, ihr Erlösanteil aus dem Verkauf fließt übrigens in Hilfsprojekte der Region, beschließt Corinne Hofmann ihre Erzählungen und fordert ihr Publikum im Anschluß dazu auf, Fragen zu stellen. Das lässt sich auch nicht lange bitten und fragt zu Themen wie Analphabetismus, Traditionen, neuen Lieben. Auch die Stichworte Aids und Beschneidung werden nicht tabuisiert. Corinne Hofmann antwortet ausführlich und gibt den Zuhörern am Ende noch eines ihrer Credos mit auf den Weg. „Leben Sie einfach mehr in der Gegenwart und versuchen Sie ihr jetziges Leben zu genießen“, sagt sie, bevor sie sich dann endgültig von der Bühne der Stadthalle verabschiedet. Applaus begleitet sie auf dem Weg ins Foyer, wo sie sich erneut an den Tisch setzt, Bücher signiert und Gespräche führt. Denn die Menschenschlange dort ist bereits schon wieder sehr lang.

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