Die Wahrheit über Abgas und Rauch

Ob Feinstaub- oder Atemgasuntersuchung: Das mobile Massenspektrometer von Professor Ralf Zimmermann gibt Aufschluss über die chemischen Verbindungen. Foto: Georg Scharnweber
Ob Feinstaub- oder Atemgasuntersuchung: Das mobile Massenspektrometer von Professor Ralf Zimmermann gibt Aufschluss über die chemischen Verbindungen. Foto: Georg Scharnweber

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15. August 2008, 09:36 Uhr

Rostock - Aus Rostock könnten zukünftig wichtige Anstöße aus der Analytischen Chemie im Hinblick auf wirtschaftliche, gesundheitliche und umweltpolitische Fragen kommen. Das Zentrum für Massenspektrometrie, das von der Mathematisch-Naturwissenschaft- lichen Fakultät der Universität Rostock und dem Helmholtz-Zentrum in München betrieben wird, beschreitet neue Wege. Einer der Köpfe, die hinter der Idee stecken, ist Ralf Zimmermann, Professor für Analytische Chemie an der Rostocker Universität.

Elemente können sicherer aufgeschlüsselt werden

„Wir haben eine Methode entwickelt, mit der die genaue Zusammensetzung von allen möglichen Gasen aufgeschlüsselt werden kann und das direkt nach dem Einlassen der Probe in das spezielle Massenspektrometer“, sagt Zimmermann, der außerdem eine Arbeitsgruppe am Helmholtz-Zentrum München leitet.

Das bedeutet, die mobilen Massenspektrometer können beispielsweise am Kamin eines Kraftwerkes angebracht werden und auf dem Bildschirm erscheint sofort die chemische Zusammensetzung des Abgases. Das Besondere daran: Die einzelnen Moleküle werden über die so genannte Photoionisierung, also mit Hilfe von Licht, elektrisch aufgeladen. „Das ermöglicht uns präzisere Messergebnisse und eine sichere Identifizierung der Verbindungen“, so Zimmermann.

In Zusammenarbeit mit dem Münchener Helmholtz-Zentrum hat der Chemiker mit seinem Arbeitskreis seit seinem Antritt in Rostock Drittmittel von mehr als 500 000 Euro eingeworben. Eines von zehn Projekten, die damit finanziert werden, läuft derzeit in Kooperation mit der Firma Sasol aus Südafrika, wo das Unternehmen unter anderem aus Kohle Kraftstoff herstellt. „Mit Hilfe unserer Anlagen untersuchen wir das produzierte Benzin und tragen somit zur Verbesserung der Effizienz und der CO2 –Bilanz des Verfahrens bei“, so Zimmermann. Eine zukunftsweisende Methode.

Wichtiger Beitrag bei Diabeteserkrankungen

Einen wichtigen Beitrag könnte das Verfahren auch im Gesundheitsbereich leisten. Zum Beispiel bei der Frage, ob Indikatoren für Krankheiten wie Diabetes im Atemgas von Patienten nachgewiesen werden können. Zimmermann betont vor allem den interdisziplinären und -fakultären Aspekt an der Universität Rostock: „Wir arbeiten mit Agrarwissenschaftlern, Medizinern, dem Proteom-Zentrum und den Ingenieuren zusammen.“ Ein wichtiger Aspekt, der auch dazu beitrug, dass Zimmermann sich für Rostock entschied.

Denn hier „wird Wert darauf gelegt, dass verschiedene Fachbereiche zusammenarbeiten“, so der Chemiker. Seit April pendelt er in der Woche zwischen München und Rostock. Eine Belastung, die er gerne auf sich nimmt. „Ich bin sehr optimistisch und hoffe, dass wir gute Ergebnisse erzielen.“ Schon jetzt gebe es zwei Unternehmen, die sich an einer geplanten Ausgründung aus seiner Arbeitsgruppe in Mecklenburg-Vorpommern beteiligen wollen. „Die grundlegenden Patente aus unseren Forschungen sollen dann an die neu gegründeten Firmen übergehen“, sagt Zimmermann. Noch hat er allerdings mit der Baustelle zu kämpfen, auf der sich sein Arbeitsbereich im Institut für Chemie in Rostock befindet. „Dadurch verzögert sich so manches Projekt, das ist ärgerlich.“

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