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Annekathrin Bürger wird 75 : Die Traumfrau der DDR

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Sie begeisterte bei legendären Defa-Filmen, aber auch in Rollen nach der Wende: Annekathrin Bürger, Traumfrau des DDR-Films, wird heute 75.

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erstellt am 03.Apr.2012 | 10:12 Uhr

Berlin | Als die Berlinale vor einigen Jahren den Traumfrauen des Kinos der 50er- und 60er-Jahre huldigte, waren nur wenige Deutsche dabei. Eine von ihnen: Annekathrin Bürger. Sie gehört zu den populärsten und profiliertesten Schauspielerinnen der DDR und hat auch nach dem Fall der Mauer zahlreichen Filmen und Theaterinszenierungen dank ihrer Persönlichkeit und ihres Könnens zu Größe verholfen. Heute feiert die in Berlin lebende Schauspielerin ihren 75. Geburtstag.

Mit 19 Jahren kommt der frühe Ruhm durch die Hauptrolle in dem Defa-Spielfilm "Eine Berliner Romanze". Damit und mit der zwei Jahre später herausgekommenen Liebesgeschichte "Verwirrung der Liebe" erlangt die Tochter des zu seiner Zeit sehr bekannten Tiermalers und Pressezeichners Heinz Rammelt eine ungeheure Popularität in Ostdeutschland.

Obwohl sie bereits 1958 im Kinofilm "Tilman Riemenschneider" ihr außerordentliches Gespür für die Zeichnung differenzierter Charakterbilder beweist, bleibt Bürger zunächst auf den Typ des netten Mädchens von Nebenan festgelegt. Im TV-Vierteiler "Wolf unter Wölfen" nach dem Roman von Hans Fallada beeindruckt sie 1964 als Petra Ledig. "Das ist vielleicht die beste, in jedem Fall eine der besten Rollen, die ich je im Film gespielt habe."

Fortan begeistert sie immer wieder damit, dass sie den von ihr gespielten Figuren, selbst wenn die Geschichte nicht sehr in die Tiefe geht, auf packende Art eine Spur des Besonderen verleiht, indem sie deutlich, jedoch nie vordergründig, Ecken und Kanten der Figur aufscheinen lässt. Zahlreichen Defa-Erfolgen drückt sie damit ihren persönlichen Stempel auf und sorgt als einer der zugkräftigsten Kassenmagneten des DDR-Kinos für volle Säle. Vom Anfang ihrer Laufbahn an spielt sie auch am Theater. An der Berliner Volksbühne findet sie 1965 ihre künstlerische Heimat. Bis zu ihrer Pensionierung 2001 bleibt sie im Ensemble.

Privat und beruflich ist sie eng mit dem Schauspieler und Regisseur Rolf Römer verbunden, mit dem sie von 1966 bis zu seinem Tod im Jahr 2000 verheiratet ist. Römer schreibt für sie und inszeniert mit ihr einige Defa-Spielfilme, die durch eine für die DDR ungewöhnliche Weltoffenheit auffallen. Vor allem die Berlin-Komödie "Hostess", in der Bürger mit damals ungewohnter erotischer Freizügigkeit eine Ost-Berliner Stadtführerin spielt, wird ein enormer Publikumserfolg.

1976 treten Bürger und ihr Mann offen gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann aus der DDR auf. Ein Jahr später erwirkt das Paar sogar einen Termin bei Erich Honecker und protestiert im persönlichen Gespräch gegen die Unterdrückung von Kollegen, die in Folge ihres politischen Engagements schikaniert werden. Das geht im Land von Mund zu Mund, und das Publikum liebt sie nun umso mehr.

1978 spielt sie in der von Römer inszenierten Folge "Schuldig" der Krimiserie "Polizeiruf 110" mit einer Intensität das Porträt einer Trinkerin, dass einem als Zuschauer tatsächlich der Atem stockt. Der Film, der ungewöhnlich offen Missstände im sozialen Gefüge der DDR aufzeigt, darf bis zum Fall der Mauer nicht wiederholt werden.

Nach der Wende bekommt Bürger zahlreiche Angebote. Sie sagt dazu: "Erstmal sah es ganz gut aus. Es war ja auch irgendwie exotisch, uns Schauspieler aus dem Osten zu besetzen. Mit der Zeit ließ das Interesse jedoch nach." Auf den Sensationserfolg mit dem berührenden TV-Kammerspiel "Der Rest, der bleibt" (1991) von Regisseur Bodo Fürneisen folgen tatsächlich nur wenige vergleichbar anspruchsvolle Filme. Dem großen Publikum prägt sich Bürger zwischen 1999 und 2007 im Leipziger "Tatort" in der Rolle der couragierten Waschsalon- und Kneipenchefin Frederike ein.

Derzeit ist Bürger bei Lesungen und Diskussionen zu ihrer zusammen mit Autorin Kerstin Decker veröffentlichten Autobiographie "Der Rest, der bleibt" zu erleben. Und sie tritt immer wieder an verschiedenen Bühnen des Landes mit ihrem Lyrik- und Chansonprogramm "Liebe ist das schönste Gift" auf. "Ich habe Freude am Leben. Und ich finde es schön, wenn ich diese Freude durch meine Arbeit immer wieder mit anderen Menschen teilen kann."

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