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Wieder Abbruch auf Rügen : Die Steilküsten bröckeln

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Infolge des Tauwetters sind auf der Insel Rügen erneut drei Steilhänge ins Rutschen gekommen. An der Kreideküste nördlich von Sassnitz stürzten am Montag rund 1000 Kubikmeter Kreide in die Tiefe.

svz.de von
erstellt am 19.Jan.2011 | 11:15 Uhr

Dabei stürzten nach Angaben des Nationalparkamtes auch Bäume auf den Strand. Überall an der 13 Kilometer langen Kreideküste liege die vom Frost abgesprengte äußere Kreideschicht wie abgeblätterter Putz am Klifffuß, sagte Dezernatsleiter Michael Weigelt gestern. Hinzu kämen ungezählte kleine Abbrüche und Schlammflüsse. Menschen wurden nicht verletzt - ein Sassnitzer entkam allerdings nur knapp den herabstürzenden Massen. Der Kreideexperte Manfred Kutscher bezeichnete das Risiko weiterer Abbrüche als "hoch bis überhoch".

Zwei Hangabbrüche ereigneten sich am Montagabend bei Mukran sowie in Göhren. An der Steilküste bei Mukran brachen auf einer Länge von etwa 100 Metern mehrere Kubikmeter Erde und Geröll von einem 15 Meter hohen Küstenabschnitt ab, wie die Polizei mitteilte. Etwas später rutschte ein Hang in Göhren auf einer Länge von 6 Metern ab. Dadurch wurde die Zufahrt zu einem Hotel blockiert.

Nicht nur das natürliche Zusammenspiel von Frost, Tauwetter und Niederschlägen nagt an den Küsten. Auch der Massentourismus trägt nach Einschätzung von Experten zu den Abbrüchen an der Kreideküste bei. "Mehr als eine Million Besucher laufen jährlich über die Wege im Nationalpark Jasmund", sagte der frühere Aufbauleiter des Nationalparks, Manfred Kutscher. Mit jedem Schritt transportierten sie etwas Erde weg und verdichteten zugleich den Boden. Inzwischen seien auch illegale Trampelpfade in Richtung der Kliffkanten entstanden, in denen sich Rinnen bildeten, über die dann Wasser in den Hang sickere. Es fehlten Nationalparkwächter, die die Besucher umfassend informieren. Er forderte: "Das Land muss Geld in die Hand nehmen, um seinen Naturschatz zu erhalten." Das Nationalparkamt mahnte inzwischen zu besonderer Vorsicht bei Spaziergängen auf dem Kliff und am Strand direkt unterhalb der Steilküste. Wanderwege wurden nach Angaben des Amtes allerdings nicht gesperrt.

In Lohme, im Nordteil der Insel, brach 2005 ein zwei Fußballfelder großes Stück aus der Küste. In Göhren, wo es 2008 zu Abrutschungen kam, hatte ein Gutachten bereits vor einem Jahr Handlungsbedarf angemahnt. Als Grund für die Instabilität machte Gutachter Richard Ladwein die Ansammlung von Oberflächen- und Untergrundwasser aus. "Diese Probleme sind menschengemacht", sagte Kutscher. "Wenn das Wasser nicht mehr frei abfließen kann, sucht es sich seinen Weg."

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