Die Stadt wird wachsen

Strittige Prognosen für Rostocks Zukunft: Nach der aktuellen Bertelsmann Studie schrumpft die Bevölkerung in der Hansestadt, doch Dr. Rembrandt Scholz vom Demographiezentrum sagt Wachstum voraus. Beide Szenarien sind denkbar. Scholzes ist realitätsnäher.

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17. Dezember 2008, 08:00 Uhr

Rostock - Mehr Lehrstellen und Jobs, weniger Abwanderung: So düster sind die Aussichten für Rostock gar nicht. Dr. Rembrandt Scholz vom hiesigen Max-Planck-Institut für demographische Forschung sagt der Hansestadt ab 2015 sogar Bevölkerungswachstum voraus. Bis zu sechs Prozent fürs Jahr 2030 im Vergleich zu heute seien denkbar. Unter Vorbehalt: „Dazu müssen alle von mir einbezogenen Faktoren auch halbwegs eintreffen“, sagt er. Genaue Zahlen mag er nicht nennen. In der demographischen Forschung rechnen Wissenschaftler Puffer mit ein, die Schwankungen, die beispielsweise eine Finanzkrise auslösen kann, auffangen.

Andere Prognose, neue Ergebnisse
Was seine Erhebung so besonders macht, ist das engmaschige Raster. So betrachtet Scholz nicht das ganze Land und bricht seine Ergebnisse auf Kommunen runter. Andersherum: Er untersucht die einzelnen Städte und Landstriche. Diese summiert er für MV. „Die aufwendige Variante hat dann auch zu anderen Ergebnissen geführt“, erörtert er. Sagt die Bertelsmann Studie nur für Bad Doberan wachsende Bevölkerung voraus, kann Scholz diese Prognose auch für Rostock und Greifswald treffen. Demnach schrumpft in den kommenden Jahren zwar die Bewohnerzahl, aber in wenigen Jahren ist mit einem Anstieg zu rechnen. „Das liegt an der Industrie. Beide Städte haben das vielversprechendste Wachstumspotenzial in der Wirtschaft“, sagt der Gelehrte. Das ziehe Menschen an und biete auch Jugendlichen Chancen für die Zukunft. „Viele gehen für die Ausbildung in andere Länder“, sagt er. Dazu könnten sich künftig weniger Schulabsolventen entscheiden, wenn sie vor ihrer Haustür eine Ausbildung garantiert fänden. „Und bei guter Wirtschaft kommen viele nach ihrer Ausbildung zurück, um in der Heimat zu arbeiten“, erklärt Scholz einen seiner Ansätze.

Ein anderer bezieht sich auf die Älteren der Gesellschaft. Das sei einer der sichersten Faktoren, auf die sich der Rostocker Experte bezieht. „Alte Menschen ziehen nicht mehr so oft um“, sagt er. Bis 2030 könne er dort ziemlich sichere Prognosen wagen. „Weil es die Leute ja auch schon gibt. Sie leben schon hier“, stellt er weiter fest.

Trotz der Positivmeldungen bleibt eines, wie es ist: Beide Studien – Bertelsmann und Scholzes – malen eine düstere Zukunft für MV. Das ohnehin schon relativ dünn besiedelte Flächenland verliert künftig noch mehr Bewohner.

Der feine Unterschied:
Im Gegensatz zu anderen relevanten Bevölkerungsprognosen verankert Dr. Rembrandt Scholz seine Ergebnisse vor allem in der Entwicklung der älteren Bevölkerungsschicht. Diese unterliegt weniger Wanderungsbewegungen als sie junger Menschen. Außerdem untermauert ein kleinmaschiges Raster Scholzes Untersuchung. So hat der Experte ortsbezogene Besonderheiten berücksichtigt und kann dort spezifischere Aussagen treffen als andere Erhebungen.

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