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Parchimer fliegen zu einem Hilfseinsatz nach Nepal : Die Spannung wächst - Nepal ruft

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In der kommenden Woche werden in Parchim Koffer gepackt. Für mehr als drei Wochen, da heißt es genau zu überlegen, was reinkommt. Doch eine Urlaubsreise wird das ganz und gar nicht.

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erstellt am 30.Apr.2011 | 12:15 Uhr

Parchim | In der kommenden Woche werden in Parchim Koffer gepackt. Für mehr als drei Wochen, da heißt es genau zu überlegen, was reinkommt. Doch eine Urlaubsreise wird das ganz und gar nicht. Dr. Rüdiger Wenzel, Chefarzt der Chirurgie und Ärztlicher Direktor in der Asklepios Klinik, Anästhesist Ralph Michael Ecks, Anästhesie-Schwester Anika Staack und Physiotherapeutin Steffi Miatke, alle aus Parchim, fliegen am Freitag zu einem Hilfseinsatz nach Nepal, auf das Dach der Welt. Das Krankenhaus in Amppipal liegt abgeschieden in den Bergen auf etwa 3000 Meter Höhe. Es wird von der gemeinnützigen Hilfsorganisation Nepalmed betreut, für die sich Wenzel seit 2002 einsetzt.

Der Chefarzt kennt das Hospital von vorherigen Einsätzen, doch zum ersten Mal übernimmt er dort die medizinische Leitung. Der Parchimer vertritt den deutschen Arzt Dr. Wolfhard Starke. Der Unfallchirurg, der mit 59 Jahren in Pension, aber nicht in den Ruhestand ging, lenkt seit 2001 die Geschicke des Bergkrankenhauses. Im Mai geht er auf eine Pilgerreise nach Tibet. Die Ruhe dazu findet der engagierte Mediziner nur deshalb, weil er die Einrichtung bei seiner Abwesenheit in guten Händen weiß.

Nach dem ersten Eindruck: Auf dem Absatz kehrt und weg

Rüdiger Wenzel hat Vorstellungen, was auf ihn und seine Parchimer Mannschaft zukommt, die Spannung wird aber auch bei ihm von Tag zu Tag größer. Denn Ungewissheit bleibe, die Umstellung bei Arbeitsbedingungen und Patienten sei gravierend. Was Erstere betrifft, denke der Neuankömmling nach dem ersten Eindruck, "auf dem Absatz kehrt und weg". Doch nach wenigen Tagen stelle sich Faszination ein. "Da steckt Sucht potenzial drin", sagt der Chefarzt.

Für Ralph Michael Ecks geht es zum ersten Mal beruflich ins Ausland. "Ganz hintendrin" habe Nepal nach Erzählungen des Chefarztes und einem Vortrag von Dr. Starke in Parchim "schon länger im Kopf herumgegeistert". Er steige allerdings "sehr ungern" in ein Flugzeug, gesteht Ecks. Selbst im Urlaub nehme er dieses Verkehrsmittel nur, wenn es gar nicht anders gehe. Bei der Anfrage von Rüdiger Wenzel gab es für ihn aber kein Zaudern mehr, erklärt der Anästhesie-Arzt. Er habe das mit der Familie - Ehefrau, zwei erwachsene Kinder und vier Enkel - besprochen und zugesagt. Für Mai war eigentlich ein Ostseeurlaub gebucht; den trete seine Frau nun mit Tochter und drei Enkeln an. "Und meine Flugangst kann ich noch überwinden", fügt der 62-Jährige an.

Anästhesie verbinde sich umfänglich mit Technik - die es im Amppipal-Hospital nicht gäbe. Ralph Michael Ecks, seit 1974 Arzt in der Parchimer Klinik, habe erfahren, dass ihn in Nepal ein Niveau wie in den 1970er-Jahren hier zu Lande erwarte. Ähnlich den Schwarz-Weiß-Bildern in der Fotografie. "Dort müssen wir vieles mit fünf Sinnen, mit den eigenen Augen und Ohren machen. Hier bekommen wir Blutdruck, Sauerstoffsättigung und EKG automatisch auf die Monitore", nennt der Anästhesist einen deutlichen Unterschied. Operationen werden aber nicht die Hauptsache sein, sondern die Basisversorgung. Dabei seien auch die Medikamente ganz andere. Jetzt käme es auf das Grundwissen des Berufs und jede Menge Erfahrung an. Die kann Anästhesie-Schwester Anika Staack mit ihren

25 Jahren noch nicht haben. Doch sie gehe unbekümmert an die "reizvolle Aufgabe" und freue sich auf den Einsatz. "Ich wollte immer mal im Ausland arbeiten. Man bekommt eine andere Sicht und kann nur dazulernen. Als ich hörte, dass unser Chefarzt die Leitung übernimmt, habe ich ihn gefragt, ob ich auch gebraucht werde", erzählt die Krankenschwester, die für den Hilfseinsatz wie Ralph Michael Ecks Urlaub nimmt.

Gleich bis September nächsten Jahres bleibt Physiotherapeutin Steffi Miatke in Nepal, bis Mitte März im Amppipal-Krankenhaus. Sie arbeitete schon einmal 2005 für vier Wochen in Nepals Hauptstadt Kathmandu mit behinderten Kindern, die sich allein überlassen bleiben, wenn die Eltern zur Arbeit sind. Eine private Organisation sorgt sich um sie. "Die Eltern sind hilflos. Ich habe schreckliche Geschichten erfahren. Kinder wurden tagsüber angebunden oder eingesperrt", erzählt die 31-Jährige. Es gäbe keine staatliche Organisation, die sich darum kümmert, ergänzt Rüdiger Wenzel.

Auch die Arbeit als Physiotherapeutin unterscheide sich in vielem. So stünden keine Kabinen zur Verfügung, die ganze Familie sei dabei. "Ich therapiere in großer Runde", weiß die junge Frau. Die
Familienangehörigen müssen die Patienten auch versorgen und schlafen mit in deren Zimmern auf dem Fußboden. Kommenden Freitag geht es los, am 29. Mai ist für die beiden Ärzte und die Krankenschwester der Rückflug - das Gepäck sicher randvoll mit neuen Eindrücken.

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