Archäologische Funde in Laage : "Die Slawen waren auch schon hier"

Grabungsassistent Reiner Konczak kratzt an einer Kellerwand des  1759 abgebrannten Rathauses in Laage. Regina Mai
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Grabungsassistent Reiner Konczak kratzt an einer Kellerwand des 1759 abgebrannten Rathauses in Laage. Regina Mai

Vorsichtig, aber nicht zögerlich hantiert Grabungsassistent Reiner Konczak mit dem Kratzer. Schnell wird ein rötlich-brauner Lehm, mit dem die Steine verstrichen sind, sichtbar. Ein Feuer muss sie rötlich gefärbt haben.

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26. November 2010, 08:25 Uhr

Laage | Vorsichtig, aber nicht zögerlich hantiert Grabungsassistent Reiner Konczak mit dem Kratzer. Schnell wird ein rötlich-brauner Lehm, mit dem die Steine verstrichen sind, sichtbar. Ein Feuer muss sie rötlich gefärbt haben. Reiner Konczak hockt vor dem Laager Rathaus in einer Grube. Überrascht ist Konczak, dass man in den Resten eines Vorgängerbaus des heutigen Rathauses, das dem Stadtbrand von 1759 zum Opfer gefallen sein dürfte, jetzt auch noch Teile eines Kellers gefunden hat.

Wenige Meter daneben weist er auf eine deutlich erkennbare Brandschicht. Darunter kommen wiederum Steine zum Vorschein. Das könnte ein weiterer Vorgängerbau sein, meint der Grabungs assistent vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege und nimmt an, dass hier Relikte aus der Zeit Anfang bis Mitte des 17. Jahrhunderts zum Vorschein kommen.

Immer wieder finden die Ausgräber kleine Münzen. Konczak datiert sie auf den ersten Blick auf die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts. Es sei typisches Kollektegeld für den Opferstock, vielleicht vergleichbar mit einem heutigen 20 Cent-Stück.

Noch nicht geklärt hat Reiner Konczak die Herkunft eines Pilgerzeichens, das aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts stammen könnte. 69 solcher Pilgerzeichen sind aus Ausgrabungen in Mecklenburg-Vorpommern bekannt. Konczak hat recherchiert und verglichen. Das Fundstück ist nicht dabei. Er wird weiter forschen. "Ein solches Zeichen wurde oft als Beleg mit nach Hause gebracht, wie man heute Souvenirs aus dem Urlaub mitbringt", erklärt der Gragungsassistent. Vielleicht hatte ein Laager eine Pilgerstätte in Frankreich, England oder im Rhein-Main-Gebiet besucht.

"Die Slawen waren auch schon hier", führt Konczak fort. In Grubenresten habe man Keramikscherben gefunden, die er um 1200 datiert. "Das ist ein erster Nachweis dafür, dass sich die Slawen im Altstadtgebiet aufgehalten haben", betont Konczak. Bekannt sei bisher nur die Anwesenheit von Slawen auf dem Burgwall in der Nähe des heutigen Bahnhofs. Zwischen Altstadt und Burgwall möchte der Grabungsassisten aber trennen.

"Was das ist, wissen wir noch nicht", sagt Konczak und schaut auf eine gerundete Steinmauer, die vielleicht noch zwei Meter tief in die Erde reichen könnte. "Vielleicht war es ein kleiner Marktkeller, ein Brunnen oder eine Ofenanlage", rätselt der Grabungs assistent. Neben Brandschutt habe man reichlich Kachelbruch gefunden. Das könnte auf eine Ofenanlage auf dem Marktplatz hinweisen.

Reiner Konczak rechnet damit, dass man noch eine Woche benötige, um die Grabungen abzuschließen. Ob danach die Sanierung des Laager Marktes in diesem Jahr noch fortgeführt werden kann, hängt allein vom Wetter ab.

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