zur Navigation springen

Aus Güstrows Geschichte : Die Sensation kam aus der Leitung

vom

Wenn sich Gisela Scherer und Christa Lämmel in diesen Tagen zu einem Schwatz verabreden, erinnern sie sich auch an ein Ereignis: Seit dem 23. Juni 1963 wohnt die heute die 82-jährige Gisela Scherer in ihrer Wohnung.

svz.de von
erstellt am 16.Jul.2013 | 10:50 Uhr

Wenn sich Gisela Scherer und Christa Lämmel in diesen Tagen zu einem kleinen Schwatz verabreden, erinnern sie sich auch an ein Ereignis, das nun 50 Jahre zurückliegt. "Am 23. Juni 1963 bin ich mit meinem Mann und unseren vier Kindern in eine Drei-Raum-Wohnung in der Straße der DSF in Güstrow gezogen. Dort lebe ich noch heute", sagt die 82-Jährige. Als letzte Mieterin im Aufgang bezog Christa Lämmel damals wenig später ihre Parterrewohnung. Auch die 88-Jährige hat ihrem Zuhause die Treue gehalten.

An den Umzug können sich beide Frauen auch deshalb noch so gut erinnern, weil es ein einschneidendes Erlebnis in ihrem Leben war. "Plötzlich hatten wir warmes Wasser aus der Leitung, brauchten keine Kachelöfen mehr zu heizen, hatten ein Bad. Vor allem aber hatten wir endlich eine eigene Wohnung", sagt Gisela Scherer.

Von Anfang an verstanden sich die acht Parteien im Aufgang

Davor hatten sie sich das Zuhause mit einer anderen Familie in einer allerdings geräumigen 4-Raum-Wohnung teilen müssen. Und Christa Lämmel, die als Zahnärztin arbeitete, war 1955 nach Güstrow gekommen und lebte acht Jahre lang in einem Zimmer zur Untermiete. "Als ich in die DSF zog, war mein Sohn schon drei Jahre alt", erinnert sie sich. Was machte es da schon, dass es beim Einzug keine Straßen und Wege gab, weder Baum noch Strauch gepflanzt waren, dafür Berge von Kies und Aushub die Gegend zierten. Block für Block mit Fernheizungswohnungen wuchsen im ersten Bauabschnitt der Südstadt und mit ihnen wuchsen auch Hausgemeinschaften. "Viele Leute, die damals hierher zogen, wohnen heute noch hier. Wir sind zusammen alt geworden", sagt Gisela Scherer und fügt mit einem Schmunzeln an: "Oder jung geblieben."

Von Anfang an verstanden sich die acht Parteien im Aufgang. "Wir haben keine Hausgemeinschafts-Feste gefeiert, aber zu runden Geburtstagen, Jugendweihen oder Hochzeiten gesammelt. Vor allem aber haben wir immer einander geholfen", erinnert sie sich. So, wenn mal abends auf Kinder im Aufgang aufgepasst oder für eine kranke Nachbarin gekocht werden musste. Oder wenn Hilfe beim Freiräumen von Zimmern nötig war. Denn irgendwann stellte sich heraus, dass der Estrich in den Wohnungen zu krümeln begann. Raum für Raum musste da für die Reparatur freigezogen werden. "Das war ein Riesenaufwand, wir waren ständig nur am Räumen", erinnert sich Gisela Scherer.

Als die Wohnungsgesellschaft Güstrow (WGG) Mitte der 1990er-Jahre die Blöcke sanierte und modernisierte, hatten beide Damen schon das Rentenalter erreicht. Bei laufendem Wohnbetrieb wurden das Dach neu gedeckt, Leitungen und Heizkörper erneuert, neue Fenster und Türen eingebaut und viel für die Wärmedämmung getan. Und zum Schluss kam ein Balkon vor jede Wohnung.

Es sei eine schöne Gegend in der Südstadt zum Wohnen, bestätigen beide Frauen unisono. Vor allem aber wegen der guten Nachbarschaften. Mit einigen ehemaligen Mietern, die in andere Städte verzogen sind, hält Gisela Scherer noch immer telefonischen Kontakt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen