Perleberg: Norbert Schreib und sein Faible für Oldtimer : Die Schwiegermutter im Kofferraum

An einem Oldtimer wie dem Chrysler gibt es immer was zu schrauben.
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An einem Oldtimer wie dem Chrysler gibt es immer was zu schrauben.

"Man muss schon ein ganzes Stück verrückt sein", gesteht Norbert Schreib und deutet auf einen Chrysler, Baujahr 1930. Oldtimer sind Norbert Schreibs große Liebe, "nach meiner Frau", fügt er an.

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14. Mai 2011, 03:03 Uhr

"Man muss schon ein ganzes Stück verrückt sein", gesteht Norbert Schreib und deutet auf einen Chrysler, Baujahr 1930. Schmuck sieht er aus, allerdings eine Spritztour ist derzeit nicht drin. Die Lager der Federn waren mal aus Gummi und haben sich inzwischen in Wohlgefallen aufgelöst. Doch neue Gummiklötze sind bereits angefertigt und Lager auch.

Faible für alte Gefährte

Oldtimer sind Norbert Schreibs große Liebe, "nach meiner Frau", fügt er schmunzelnd an. Jene teilt diese Leidenschaft für historische Gefährte, muss sie wohl auch mit einem Mann an der Seite, der nun mal gerne schraubt und auf blitzendes Chrom steht. Nicht von ungefähr schenkte sie ihm zum 50. Geburtstag eine BMW R 66, Baujahr 1939. "Das war das schnellste Motorrad, das BMW vor dem Krieg Privatpersonen verkauft hat. Immerhin brachte es die Maschine auf 148 km/h." Der Stolz schwingt in jedem Wort mit. Um so schwerer fiel es Norbert Schreib, den historischen flotten Hirsch anderthalb Jahre in der Garage stehen zu sehen, ohne ihn fahren zu dürfen. "Erst zum Geburtstag, das war Bedingung", plaudert der Perleberger aus dem Nähkästchen. Zum 50. stand die BMW dann auch mit roter Schleife vor dem Saal.

Den Faible für alte Gefährte hat Schreib sprichwörtlich mit in die Wiege gelegt bekommen. "Mein Vater war selbstständiger Fuhrunternehmer und sein erstes Fahrzeug war ein alter Ford, den die Wehrmacht an der Elbe stehen gelassen hatte. An dem gab es immer was herum zu schrauben." Später war es ein Pkw Opel Super aus den 30er Jahren, dann die EMW, der Eisenacher Nachfolger der BMW.

Nach der Wende begann Norbert Schreib seinen Hang zu Eisenach und BMW selbst auszuleben. Er kaufte sich eine BMW, "wie ich sie gern als junger Mann gehabt hätte, mit Speichenrädern und ohne Scheibenbremse". Es folgte das Geburtstagsgeschenk und dann ein BMW Cabrio. Noch so einige historische Gefährte brachte er mit Hilfe seiner Freunde wieder zum Laufen, gab ihnen ihre alte Schönheit zurück. Das eine oder andere gute Stück steht derweil im Perleberger Oldtimermuseum, zumindest den Winter über.

Die erste Fahrt Bad Wilsnack - Wittenberge und zurück hat der Chrysler, den der gelernte Elektriker sich aus Bayern holte, bereits hinter sich. Doch dann gab es das Problem mit den Federn. "Die nächsten zwei Jahre geht es fortan nur um den Kirchturm, um nach und nach alle Altersschwächen zu beheben."

Behutsam muss dieser Oldtimer restauriert werden, nicht zuletzt ist das auch eine Frage des Geldes. Alle Chromteile sind inzwischen neu, ebenso die Räder. "Es war nicht leicht, eine Radspannerei zu finden", gesteht Norbert Schreib. Die originale Kühlerfigur hat er über ebay-Amerika ersteigert, und mit dem amerikanischen Chrysler-Klub steht er in E-Mail-Kontakt, wie auch mit einem Österreicher, der stolzer Besitzer des gleichen Chrysler-Typs ist. Nicht nur, dass das historische Auto ein absoluter Hingucker ist, es hat auch seine Besonderheiten. Der geöffnete Kofferraum wird zum Schwiegermuttersitz, bietet zwei Personen Platz. Allerdings sind sie Wind und Wetter ausgesetzt, "daher wohl auch Schwiegermuttersitz", so der Perleberger spitzbübisch.

Wenn er mit den anderen verrückten Schraubern auf Fahrt geht, sind oftmals auch die Frauen mit von der Partie. "Dann wird ein Auto rausgeholt, ansonsten ein Motorrad." Seinen Platz im Pkw hat auch Hündin Bonny und das standesgemäß gekleidet mit Autofahrerbrille.

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