Die Rentnerrepublik

Rentnerrepublik Deutschland? „Die Älteren werden immer mehr, und alle Parteien nehmen überproportional Rücksicht auf sie“, schlägt Altbundespräsident Roman Herzog Alarm. Der 74-Jährige befürchtet, dass „die Älteren die Jüngeren ausplündern“. Hintergrund ist der Streit um die geplante – außerplanmäßige – Rentenerhöhung in diesem Jahr. Hintergründe von Rasmus Buchsteiner zur Debatte um Generationengerechtigkeit.

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12. April 2008, 02:33 Uhr

Wie ist die Altersverteilung in Deutschland?
2030, so die Prognose des Statischen Bundesamtes, werden in Deutschland noch etwa 77 Millionen Menschen wohnen – 6,4 Prozent weniger als noch 2005. Zudem wird die Bevölkerung immer älter. „Die Altersgruppe der 65-Jährigen und Älteren wird...um rund 40 Prozent von knapp 16 Millionen im Jahr 2005 auf über 22 Millionen Personen im Jahr 2030 ansteigen“, sagen die Statistiker voraus. Der Bevölkerungsrückgang wird sich voraussichtlich am stärksten bei den unter 20-Jährigen zeigen: Statt 16,5 Millionen Menschen heute werden nur noch 12,7 Millionen jünger als 20 Jahre sein.


Wie viel Einfluss haben Ältere inzwischen in der Politik?
Ihr Einfluss dürfte so groß sein wie nie zuvor. Mehr als 20 Millionen Rentner sind auch mehr als zwanzig Millionen Wähler, erinnert Walter Hirrlinger, Präsident des Sozialverbandes VdK, die Politik immer wieder. Allein der VdK hat 1,4 Millionen Mitglieder. „Damit sind wir größer als die Parteien und wir wachsen täglich“, gibt sich Hirrlinger selbstbewusst. „Die Alten spüren zunehmend ihre Stärke. Und das Wissen um ihre Stärke macht sie selbstbewusster“, meint auch Otto Wulff, Chef der Senioren-Union und CDU-Bundesvorstandsmitglied.

Wie werden die Älteren

von heute belastet? Die Renten bleiben bereits seit Jahren hinter der Inflationsentwicklung zurück – zum ersten Juli 2007 gab es erstmals nach drei Nullrunden wieder ein Plus von 0,54 Prozent. Den Riesterfaktor will die Bundesregierung im Zuge der geplanten Rentenerhöhung nur für zwei Jahre aussetzen – später soll er jedoch wieder in Kraft gesetzt werden. Den Beitrag zur Pflegeversicherung müssen Rentner – anders als Arbeitnehmer – in voller Höhe bezahlen. Zudem steigt der steuerpflichtige Anteil der Rente jährlich um zwei Prozent. Dem gegenüber stehen beachtliche Ausgaben aus dem Bundesetat: Der Bundeszuschuss zur Rentenversicherung betrug 2007 knapp 68 Milliarden Euro. Hinzu kommen Milliardenausgaben von Bund, Ländern und Kommunen für pensionierte Beamten.

Was kommt auf die Jüngeren von heute zu?
Sie müssen länger arbeiten – jeder, der 1964 oder danach geboren ist, bis 67. Die Jüngeren von heute müssen sich darauf einstellen, dass die gesetzliche Rente ihren Lebensstandard bei Weitem nicht sichern wird. Zusätzliche Absicherung fürs Alter wird daher immer wichtiger. Das gesetzliche Rentenniveau – also das Verhältnis der Rente eines Durchschnittsverdieners zum durchschnittlichen Nettoverdienst aller Beschäftigten – soll nach den Plänen der Bundesregierung bis 2020 nicht unter 46 Prozent des durchschnittlichen Nettolohns fallen, bis 2030 nicht unter 43 Prozent. Außerdem steigt die Rentenbesteuerung – bei Rentenbeginn 2040 muss die Rente zu 100 Prozent versteuert werden. Befürchtet werden außerdem Beitragssteigerungen aufgrund der demografischen Entwicklung.

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