Paula macht Milchfans in Plauerhagen glücklich : Die Quotenqueen aus dem Kuhstall

Milchkuh Paula
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Milchkuh Paula

Sie ist die Quotenqueen im Plauerhägener Kuhstall: Paula hat die 100000-Liter Milchmarke geknackt. Zur Belohnung gibt’s ein Fotoshooting zwischen Stall und Kuhfladen.

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27. November 2012, 10:03 Uhr

Neidisch blöken die Schwarzbunten hinterm Gatter. Aus weißen Iglus recken die Jungen ihre Köpfe. Stolz marschiert Paula an ihnen vorbei. Sie genießt ihren Auftritt, dreht und wendet sich. Die behäbige Dame soll für ein Foto posieren, doch Paula ziert sich, tänzelt zwischen Kuhfladen umher. Mit beiden Händen stemmt sich Hans-Heinrich Pietsch gegen die Flanke der Kuh und rückt sie ins rechte Licht. Ein Foto für das Rinderfachmagazin muss sein, schließlich ist Paula mit einer Milchleistung von 100 000 Litern der Star der Agrarvereinigung MiFeMa eG in Plauerhagen. Den großen Auftritt hat sich die Diva aus dem Kuhstall verdient, denn sie macht 1500 Milchtrinker glücklich: Deren Jahresbedarf hat die elfjährige Superkuh angesichts des durchschnittlichen jährlichen Milchkonsum eines Bundesbürgers (67,4 Kilogramm) in ihrem Leben bereits gedeckt. Dafür nimmt die Rinderdame einiges auf sich. Zweimal täglich muss Paula ins Melkkarussell. Nicht ohne Folgen: "In dem Alter hängt das Euter schon tiefer, aber sie ist noch fit", sagt Hans-Heinrich Pietsch und lacht. Auf seine Paula ist er stolz. Sie ist erst die zweite 100 000-Liter-Kuh in seinem Stall. Doch der Abteilungsleiter für Rinderproduktion hofft auf Nachahmer. "Anwärter sind da, aber auf den letzten Drücker verabschiedet sich doch noch die ein oder andere Kuh", sagt Pietsch. Hans-Heinrich Pietsch ist Herr über 1060 Rinder - darunter 500 Milchkühe samt Nachzucht. Seit 1970 ist er der Abteilungsleiter der Rinderproduktion im Plauerhägener Betrieb. Damit seine Tiere Topleistung bringen, legt Pietsch Wert auf Tiergesundheit und eine gute Reproduktionsrate. "Seit 1990 haben wir kein Tier zugekauft. Alles aus eigner Reproduktion", sagt Pietsch stolz.

Seit mehr als vier Jahrzehnten begleitet das Blöken der Rinder den Alltag von Hans-Heinrich Pietsch. Doch kommenden Sommer ist Schluss mit Muh. Die Rente ruft. Sylvia Raulin wird Pietschs Posten übernehmen. "Mit mir hören auch weitere Mitarbeiter auf. Wir stehen vor einem Generationswechsel", sagt Pietsch. Den Kühen sagt er Ade - ganz ohne Wehmut. "Mit ihnen habe ich mein Leben lang genug zu tun gehabt. Ich hab ein großes Grundstück und Viehzeug. Damit hab ich erstmal genug zu tun", sagt er. Nach mehr als 40 Jahren in der Rinderproduktion sei ein Alltag ohne Kühe zwar ungewohnt, der Abschied falle dennoch nicht schwer. "Es war ja nicht immer so idyllisch wie jetzt. Eine Kuh will 365 Tage im Jahr gemolken werden. Das immer hinzukriegen, ist nicht selbstverständlich - gerade in Bezug auf die Arbeitskräfte", sagt Pietsch. "Aber wir haben es immer hingekriegt." Mittlerweile kümmern sich 32 Beschäftigte um das Vieh der Agrarvereinigung.

Auf Hans-Heinrich Pietsch wartet der Ruhestand, auf den Betrieb die nächsten großen Projekte. "Wir haben vor, einen neuen Reproduktionsbereich zu bauen und den Bestand um 100 Kühe zu erweitern", sagt Pietsch. Tiefliegeboxen sollen den Kühen größtmöglichen Komfort bieten, sagt Pietsch. "Wir wollen schließlich langlebige Kühe aufziehen." Um Hochleistung zu bringen, soll das Vieh schon von Geburt an gut versorgt werden. Wo jetzt noch Strohballen lagern und ein alter Stall steht, soll bald der Nachwuchs aufgezogen werden. Ein Kälberdorf ist in Planung. "Das Projekt steht, aber das BImSch-Verfahren dauert noch an", sagt Pietsch.

Ob er noch Chef der Rinderproduktion sein wird, wenn die Baupläne Realität werden, weiß Hans-Heinrich Pietsch nicht. Schließlich dauern Genehmigungsverfahren und bis zu seiner Rente sind es nur noch wenige Monate. Das vorzeitige Abschiedsgeschenk aber, das hat Pietsch jetzt schon: Superkuh Paula krönt seinen jahrzehntelangen Einsatz mit 100 000 Litern Milch und - dank Zuspruch vom Chef - dem perfekten Posing für’s Erinnerungsfoto.

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