Die Punks von Parchim - Scheune der „Alternativen Jugend“ bedroht

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19. August 2008, 08:52 Uhr

Parchim - Es riecht ein wenig nach Muff in der alten Baracke im Schwarzen Weg in Parchim. Rechts hinter der grauen Eingangstür steht ein Schlagzeug, abgedeckt mit einem geblümten Laken. Davor 1,39 Euro – leere Bierflaschen. „Wanne“ (32) schiebt die Tür auf zum Wohnzimmer in der Scheune. So nennen sie die Baracke. Die Punks von Parchim. Wanne ist ihr Vorsitzender. Denn sie haben sich organisiert vor zwei Jahren. Im Verein „Alternative Jugend Parchim“.

Im Wohnzimmer – mit Tresen, zwei alten Sofas und ebenso vielen alten Sesseln – sitzen um einen rechteckigen Tisch Sissy, Lene und André. Sidney, Monster und Bella – drei Hunde – liegen in der Ecke auf Matratzen.

Einstein, Wannes Hund, ist draußen. Ist einer mit ganz eigenem Kopf. Seit März vergangenen Jahres treffen sich die rund 20 Mitglieder des Vereins am Schwarzen Weg. Haben das Grundstück vom Eigentümer kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen, haben Strom verlegt, Wände gestrichen und mit Plakaten gepflastert.

Doch nun steht das Grundstück zum Verkauf. 60 000 Euro soll es kosten. Sie waren jahrelang auf der Suche nach einem Ort, an dem sie leben können, wie sie es für richtig halten. Wanne sagt das und fährt sich mit der rechten Handfläche über den kurzgeschorenen Hinterkopf. Das, was sie vom Leben wollen, unterscheidet sich wenig von dem, was junge Menschen ohne Irokesenschnitt wollen. Selbstbestimmt leben vor allem. Dass sie sich dafür auch „anpassen“ müssen, das ist ihnen klar.

Vor ein paar Jahren noch trafen sie sich auf dem Schuhmarkt. „Wir gehören zwar zum Stadtbild“, sagt Wanne. Aber so richtig gern gesehen waren sie dort nie. Und später in der Bunten Flora, einem Club im Illekrietweg, hätten sie sich auch nicht richtig wohl gefühlt, sagt Turnschuh.

Dreißig ist er. Hat als Koch, Gärtner, Maler und in der Hauswirtschaft gearbeitet. War heroinabhängig. Er ist clean. Seit sieben Jahren. Lene ist seinetwegen nach Parchim gezogen. Macht hier bis September ihr Freiwilliges Soziales Jahr.

Reden. Planen. Die eigene Zukunft? Wanne schüttelt den Kopf. Sein Traum, sich als Piercer selbstständig zu machen, ist geplatzt. Bis auf Ein-Euro-Jobs hat der gelernte Maler und Lackierer bisher auch keine Arbeit gefunden, sagt er. Aber er will nicht weg aus Parchim. Er bleibt, sagt er. Und geht eines Tages auch hier unter die Erde.

Bis dahin will er dem Nachwuchs, wie er ihn nennt, eine Anlaufstelle bieten. Dem Punker-Nachwuchs von Parchim. Rund 50 Leute zählen sie insgesamt, schätzt Wanne. Das allein wird nicht reichen, um das Geld für den Kauf des Grundstücks am Schwarzen Weg zusammenzubekommen. Sozialarbeiterin Angelika Tielert will bei der Suche nach einer neuen „Scheune“ helfen.

Auch Parchims Bürgermeister Bernd Rolly hat seine Unterstützung zugesagt. Doch die „Alternative Jugend“ würde am liebsten bleiben. Hier, wo im September ein „Konzi“ stattfinden soll. Wo zehn, zwölf Bands Punk und Ska nach Parchim bringen.

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