Die Pistole lag noch unter dem Kopfkissen

Schuhe und Kleidung vergisst der Gast auch gerne im Zimmer.
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Schuhe und Kleidung vergisst der Gast auch gerne im Zimmer.

Vor der Abreise lag das Buch neben dem Hotelbett - dort liegt es immer noch. Das merken die meisten Heimkehrer allerdings erst beim Auspacken des Urlaubskoffers. Vergessliche Hotelgäste bescherten den Zimmermädchen in Güstrow bereits skurille Fundstücke - einmal sogar eine Waffe.

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16. Mai 2009, 12:29 Uhr

Güstrow | Zinaida Faller ist seit vielen Jahren Hausdame im "Weinberg Hotel" in Güstrow. Vergessliche Gäste seien keine Seltenheit, Ladegeräte, Schlafanzüge, Zahnbürste und Bücher die üblichen Hinterlassenschaften. Hotelinhaber André Spichalski staunte jedoch nicht schlecht, als die Hausdame einmal eine Pistole unter dem Kopfkissen fand. "Das war schon skurill", erzählt er. "Die zwei Herren kamen kurz darauf in ihrem schwarzen Mercedes zurück und wollten ihre Waffe wieder haben." Das sei allerdings schon über zehn Jahre her, an Details könne er sich gar nicht weiter erinnern. Wichtige Sachen vermissen die Gäste scheinbar schnell, neulich habe ein Mitglied einer Busreisegeselschaft sein Gebiss vergessen. "Nach 25 Kilometern musste der Bus umkehren", erzählt Spichalski lachend. Fundstücke werden im "Weinberg Hotel" ein Jahr aufbewahrt und dem Gast auf Wunsch zugeschickt.

Ähnlich wird im "Gästehaus am Schlosspark" mit den Überbleibseln umgegangen. "Zwei Jahre bewahren wir sie auf", so Geschäftsführer Olav Paarmann. Letztes Jahr quartierten sich zwei Tschechen im Hotel ein, die mehrere Tankstellen in der Region ausraubten - wie sich später herausstellte. "Die haben doch glatt Kabelbinder und einen Plan mit den Banken in Bad Oldesloe auf dem Zimmer vergessen. Immerhin haben sie ordentlich bezahlt", erzählt er schmunzelnd. In erster Linie blieben aber Handy-Ladegeräte, Kleidung und Bücher liegen. Das bestätigt auch Nils Appel, Geschäftsführer des "Hotel Altstadt". Er blättert in einem Buch mit der Aufschrift "Fundsachen". Darin ist aufgelistet, "wer was wann in welchem Zimmer vergessen hat". Die Hinterlassenschaften werden nur auf Verlangen des Gastes zugesandt - eine Frage der Diskretion. Schließlich wüsste man nicht, ob der Gast mit seinem Ehepartner im Hotel war. "Wird ein Fundstück unaufgefordert zurückgeschickt, könnte schnell der Hausfrieden schief hängen." Fünf Jahre bleiben die Fundstücke hier in Verwahrung, bevor sie entsorgt werden. Appel tippt auf eine Stelle im Buch, datiert am 6. Juli 2008. "Da hat tatsächlich jemand seinen Nachttopf vergessen." Das Kind konnte nur auf selbigem sein Geschäft erledigen, erinnert er sich. Das Fundstück wurde umgehend zurückgeschickt, wie der Paketschein in dem Buch beweist. Auch der goldene Ehering, der dem Zimmermädchen vor kurzem in die Hände fiel.

Das Klischee vom Hotelgast, der Handtücher mitgehen lässt, ist übrigens nur "ein Klischee". André Spichalski ist allerdings ein Rätsel, warum "einige Gäste vor der Abreise unser Toilettenpapier in ihren Koffer packen."

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