Auf in die Heimat : Die Ostdeutschen kommen zurück

Zwanzig Jahre nach der Wende kommen die Ostdeutschen zurück in ihre Heimat. Laut einer Studie ist jeder zweite Zuzügler in den Osten ein Rückkehrer. 2010 sind mehr als 40 000 Ostdeutsche zurück in ihre Heimat gegangen.

svz.de von
18. Juli 2012, 08:09 Uhr

Schwerin/Leipzig | Zwanzig Jahre nach der Wende kommen die Ostdeutschen zurück in ihre Heimat. Laut einer Studie des Leibniz Institut für Länderkunde in Leipzig ist inzwischen jeder zweite Zuzügler in den Osten ein Rückkehrer. Allein im Jahr 2010 sind mehr als 40 000 Ostdeutsche zurück in ihre frühere Heimat gegangen. "Viele Ostdeutsche sind der Arbeit wegen abgewandert, kommen nun aber der Familie und der Freunde wegen zurück", sagte der Leiter der Studie, Thilo Lang, der Wochenzeitung "Die Zeit".

Seit 1989 verließen 4,1 Millionen Menschen den Osten, nur 2,1 Millionen kamen aus den alten Ländern hierher. Im gleichen Zeitraum verließen nach Angaben des Statistischen Amtes 854 746 Mecklenburger und Vorpommern ihre Heimat - mehr als die Hälfte der heutigen Einwohnerzahl! 669 224 Bürger zogen zu - ein Verlust von 185 522 Einwohnern. Aber auch hier dreht sich der Trend. Zogen 2008 noch 10 612 Bürger mehr aus dem Land weg als zu, so waren es 2010 nur noch 3630 und im vergangenen Jahr 1694 Personen. Sachsen hatte 2011 als erstes Ost-Land ein Wanderungsplus.

Drei Viertel derer, die nach 1990 die neuen Länder verlassen haben, können sich laut Studie inzwischen vorstellen, wieder in den Osten zurückzuziehen. 43 Prozent von ihnen haben sogar schon konkrete Vorkehrungen für eine Rückkehr getroffen. Vor dem Hintergrund des drohenden Fachkräftemangels gehen die Ost-Länder aktiv auf Übergesiedelte zu, um ihnen eine Rückkehr in die alte Heimat schmackhaft zu machen. MV wirbt seit Jahren mit der Agentur "mv4you" um Rückkehrer. "Wir haben immer mehr ehemalige Mecklenburger und Vorpommern in unserer Datenbank", so Projektleiterin Solveig Streuer. Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) kennt diese Tendenz: "Das entspricht den Erfahrungen, die ich in meiner Bürgersprechstunde mache. Da bin ich mehrfach von jungen, gut ausgebildeten Leuten angesprochen worden, die gerne zurückwollen. Und ich freue mich darüber, dass die Chancen dafür besser geworden sind."

Laut der Studie kehren die meisten Heimkehrer dem Westen aber nicht aus Frust den Rücken. Sie wollen nach glücklichen Jahren in die Heimat zurück. 81 Prozent der noch im Westen Lebenden fühlen sich demnach in ihrer Gastregion akzeptiert. Jene, die bereits heimgekehrt sind, geben an, im Westen zufrieden gewesen zu sein - vor allem mit den Bildungsangeboten, dem Einkommen und den Karrieremöglichkeiten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen