Die mutmaßliche Messerstecherin vor Gericht

von
11. September 2008, 11:19 Uhr

Rostock - Schwarze Kleidung, weiße Handtasche, einen beschützenden, jungen Mann an der Seite: So hat Nicole L. gestern um 9.30 Uhr den Saal 211 des Landgerichtes Rostock betreten. Ihr Ziel: die Anklagebank. Die 18-Jährige muss sich wegen versuchten Mordes verantworten.

In der Nacht vom 1. zum 2. März 2008 hatte sie in Lütten Klein auf den damals 21-jährigen Hannes D. eingestochen. Der Student überlebte die neun Zentimeter lange Messerklinge. Sie traf genau sein Muskelfleisch zwischen Niere, Lunge und Wirbelsäule. Die Wunde wurde genäht, zwei Wochen später konnte Hannes D. wieder Fußball spielen.

Weil er genau das gerne macht, hatte Lorenz Caffier ihn und seine beiden Freunde als Zeichen der Anerkennung zu einem Hansa-Spiel eingeladen. Der Innenminister wollte honorieren, dass Hannes D. sowie Robert B. und Fabrice B. die Randale der Angeklagten Nicole L. und ihrer Mitstreiter in der Straßenbahn nicht akzeptierten und eingriffen. Erst dadurch war Nicole L. auf Hannes D., den sie erst angriff, als eigentlich schon alles vorbei war, aufmerksam geworden.

Das Hansa-Spiel trug zur Ablenkung bei und auch die seit der Attacke vergangene Zeit. Gestern mussten sich die Opfer – Fabrice B. erlitt ein Schädel-Hirntrauma, Robert B. verlor einen Vorderzahn – doch noch einmal mit der Schreckensnacht auseinandersetzen. Hautnah sogar, denn die Angeklagte musste auf dem Weg in den Gerichtssaal an den drei jungen Männern vorbei. Als sie später die dunkle Holztür für eine Pause wieder passierte, hatte sie Tränen in den Augen. Sonja Dilling, Sprecherin des Landgerichts, geht davon aus, dass die insgesamt vier angesetzten Verhandlungstermine ausreichen.
Wird Nicole L. am letzten Termin, dem 22. September, verurteilt, verlässt sie den Gerichtssaal mit maximal zehn Jahren Freiheitsstrafe. Mitverhandelt wird auch eine Schlägerei, in die Nicole L. 2007 verwickelt gewesen sein soll. Hier lautet die Anklage auf gefährliche Körperverletzung.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen