zur Navigation springen
Übersicht

12. Dezember 2017 | 05:43 Uhr

Die Meinung der Anderen

vom

svz.de von
erstellt am 21.Mai.2010 | 08:47 Uhr

"Die Betten waren sehr alt und abgenutzt, vom Kopfkissen bekam ich Hautausschlag": Wer so eine Bewertung im Internet liest, wird sich zweimal überlegen, ob er das Hotel bucht. Doch was taugen Bewertungen im Internet wirklich? Können Verbraucher dort auf ausgewogene Kritik und berechtigtes Lob hoffen - oder schreiben in der Mehrzahl doch nur die ewigen Nörgler oder Marketingstrategen, die ziemlich plumpe Positiv-PR streuen?

Die Stiftung Warentest hat Hotelbewertungsportale und Bewertungen auf Buchungsseiten unter die Lupe genommen - und festgestellt, dass sich die meisten Anbieter von Falschbewertungen täuschen lassen. Einzig die Seite www.hotelkritiken.de, wo alle Einträge gegengelesen werden, erhielt die Note "gut" für das Herausfiltern manipulierter Texte. Dafür ist aber die Hotelauswahl mit knapp 7000 dort gering.

Testsieger mit der Gesamtnote "gut" wurde www.holidaycheck.de. Die Seite bietet Bewertungen von gut 82 000 Hotels und filtert fingierte Bewertungen mittels einer automatischen Vorprüfung und einem Team von Gegenlesern "befriedigend" heraus. Dem Rezensenten können Leser Fragen schicken, der Hotelier kann jede Bewertung kommentieren. Das Portal www.tripadvisor.de (Gesamtnote "befriedigend") hat mit gut 450 000 Bewertungen zwar ein riesiges Portfolio von Hotels, tut den Testern zufolge aber "zu wenig, um Manipulationen auszusortieren".

Auch deshalb sehen Verbraucherschützer Internet-Bewertungen eher kritisch. "Verbraucher sollten sich nicht primär darauf verlassen", sagt Georg Tryba von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Unabhängig von etwaigen Fälschungen, sollten Leser auch im Hinterkopf haben, dass die Einträge "sehr subjektiv" seien.

Das Gewicht unbemerkter Fälschungen oder unsachlicher Kommentare vergrößert sich, wenn insgesamt nur wenige Bewertungen vorliegen. Um die Basis für ihre Beurteilung zu vergrößern, sollten Reisende deshalb die Bewertungen auf unterschiedlichen Portalen vergleichen.

Auch wer Bewertungen nur als einen Baustein seiner Planung betrachtet, kann aus ihnen Nutzen ziehen: "Ich kann bestimmte Dinge entdecken, die mir wichtig sind, die aber in den Hotelbeschreibungen nicht erwähnt werden", erklärt Tryba. Als hilfreich können sich Fotos oder Videos entpuppen, die Urlauber auf Portalen eingestellt haben. Unter anderem Holidaycheck, Tripadvisor, Trivago und Zoover erlauben dies. Viele Portale bieten gleichzeitig einen Preisvergleich an.

Auch viele Buchungsportale haben längst eine Bewertungsfunktion in ihr Angebot integriert. Wer glaubt, dass Bewertungen bei Hotelbrokern vielleicht weniger manipulationsanfällig sind, irrt aber: Der Stiftung Warentest gelang es bei allen getesteten Seiten, eine Bewertung abzugeben, ohne das Hotel besucht zu haben. Inzwischen gibt es auch Metasuchmaschinen wie www.trustyou.com, die versuchen, die Ergebnisse mehrerer Bewertungs- und Buchungsportale zusammenzufassen.

Auch Hoteliers und Reiseveranstalter schauen sich regelmäßig auf den Portalen um. Denn: "Bei guten Noten können die Buchungszahlen für ein Hotel nach oben gehen, während bei schlechten Urteilen Verluste drohen", schreiben die Warentester. Mängel werden im besten Fall abgearbeitet, im schlimmsten Fall wechseln Hotels ihren Namen. Dass nur Frustrierte in die Tastatur greifen, um ein Hotel "an den Pranger zu stellen", stimmt aber offenbar nicht. Laut Stiftung Warentest liegt die Weiterempfehlungsquote oft bei 80 Prozent und höher.

Hintergrund: Recht auf Reisen

„Zug zum Flug“: Veranstalter haften nicht für Verspätungen der Bahn, wenn Pauschalreisende mit einem „Zug zum Flug“-Ticket ihren Flieger verpassen. Das gilt zumindest, wenn darauf hingewiesen wurde, dass die Bahnfahrt lediglich als Kooperation erfolgt und der Reisende selbst für die rechtzeitige Anreise zum Flughafen verantwortlich ist. Das hat das Landgericht Hannover (Az.: 4 S 21/09) entschieden. In dem Fall hatte ein Tourist das kostenlose „Zug zum Flug“-Angebot seines Reiseveranstalters genutzt, um mit der Bahn über Hannover zum Frankfurter Flughafen zu fahren. Wegen einer Zugverspätung verpasste er seinen Anschluss in Hannover und deshalb auch den Flieger in Frankfurt. Dafür wollte der Mann den Veranstalter verantwortlich machen.

Verspätetes Gepäck: Alles Leugnen hilft nichts: Wenn eine Fluggesellschaft einräumt, dass sie Gepäck falsch transportiert und zu spät abgeliefert hat, kann ein Reiseveranstalter das nicht bestreiten. Er muss Pauschalreisenden wegen dieses Mangels dann einen Teil des Reisepreises erstatten. Das hat das Landgericht Frankfurt entschieden (Az.: 2-24 S 15/09), berichtet die Deutsche Gesellschaft für Reiserecht in der Zeitschrift „ReiseRecht aktuell“. Die Koffer von Fuerteventura-Reisenden waren falsch weitergeleitet worden und dann mit zwei und vier Tagen Verspätung eingetroffen. Die Fluggesellschaft entschuldigte sich dafür und überwies auch eine Erstattungssumme für Noteinkäufe. Trotzdem bestritt der Reiseveranstalter, dass das Gepäck nicht in der gleichen Maschine wie die Reisenden befördert wurde. Dieses pauschale Bestreiten sei jedoch unerheblich, urteilte das Gericht. Für die Tage ohne Gepäck durften die Urlauber den Reisepreis um 35 Prozent mindern.

Fehlender Balkon: Fehlt einem Hotelzimmer der mitgebuchte Balkon, darf ein Pauschalurlauber nicht einfach ausziehen und sich ein anderes Hotel suchen. Es liegt dann zwar ein Reisemangel vor, aber kein so schwerer, dass der Reisevertrag deswegen auf Kosten des Veranstalters gekündigt werden darf. Das hat das Landgericht Frankfurt/Main entschieden (Az.: 2-24 S140/09). Das Fehlen des Balkons rechtfertige lediglich eine Minderung des Reisepreises um 20 Prozent. Erst bei einem erheblichen Mangel, den die Gerichte üblicherweise an der 50-Prozent-Grenze ansiedeln, habe der Reisende das Recht, sich ein anderes Hotel zu suchen und die Kosten dafür auf den Veranstalter abzuwälzen. Die abgewiesene Klägerin hatte das Hotel gewechselt und damit den Reisevertrag gekündigt, nachdem ihr im ursprünglichen Haus kein Zimmer mit Balkon angeboten werden konnte.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen