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Bildungssystem im Fokus : Die Mängel - die Wünsche

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Knapp jeder fünfte 15-Jährige in Deutschland hat erhebliche Probleme beim Lesen, in Mathematik und in Naturwissenschaften. Dies geht aus dem Fortschrittsbericht der EU-Kommission hervor.

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erstellt am 20.Apr.2011 | 10:56 Uhr

Knapp jeder fünfte 15-Jährige in Deutschland hat erhebliche Probleme beim Lesen, in Mathematik und in Naturwissenschaften. Dies geht aus dem Fortschrittsbericht der EU-Kommission zur allgemeinen und beruflichen Bildung hervor, der gestern vorgestellt wurde. Demnach bleibt Deutschland bei wichtigen Zielen deutlich hinter den gesteckten Zielen zurück.

Elf Prozent der Jugendlichen verlassen die Schule ohne Abschluss. Mindestens 85 Prozent der 22-Jährigen sollen über einen Abschluss der Sekundarstufe II (Gymnasium oder Berufsschule) verfügen. In Deutschland sind es 74 Prozent. Das ist sogar noch weniger als im EU-Durchschnitt, wo immerhin 78,5 Prozent der jungen Menschen mit einem soliden Zeugnis ihr Berufsleben beginnen können. Das Defizit setzt sich auch beim lebenslangen Lernen fort: Laut EU sollten 12,5 Prozent der Erwachsenen an solchen Weiterbildungsprogrammen beteiligt werden. Im Schnitt aller 27 Mitglieder sind es neun Prozent, die Bundesrepublik liegt mit 7,8 Prozent noch darunter.

Insgesamt sei das "Bildungsniveau in Europa erheblich gestiegen", so die EU-Kommissarin für Bildung, Androulla Vassiliou, gestern. "Dennoch zeigen die Zahlen, dass wir mehr Anstrengungen seitens der Mitgliedstaaten" brauchen. Brüssel hat in der Bildungspolitik nichts zu sagen.

Andere Länder haben Deutschland inzwischen überholt. So können in Finnland nur 8,1 Prozent der 15-Jährigen nicht lesen, in den Niederlanden sind es 14,3 Prozent. Bei den Schulabbrechern führt Polen mit einer Quote von nur 5,3 Prozent. In der Slowakei können 93,3 Prozent der 22-Jährigen einen Sekundarstufe-II-Abschluss vorlegen. In Irland haben 49 Prozent der 30- bis 34-Jährigen einen Hochschulabschluss (Deutschland 29,4). Die Lehrer in Deutschland fordern mehrheitlich die Abschaffung des Bildungsföderalismus. 61 Prozent der Pädagogen sprachen sich in einer gestern veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Allensbach im Auftrag der Vodafone Stiftung dafür aus, die Zuständigkeit für die Bildungspolitik von den Ländern auf den Bund zu übertragen. Insbesondere die Lehrer in Ostdeutschland stehen der dezentralen Bildungspolitik skeptisch gegenüber. 83 Prozent fordern, dass der Bund sich der Bildungspolitik annehmen soll. Nur 12 Prozent wollen die Hoheit dafür bei den Landesregierungen belassen.

Zudem wollen fast drei Viertel der Lehrer, dass es in ganz Deutschland einheitliche Abschlussprüfungen an den Schulen gibt. Nur 17 Prozent sprachen sich dagegen aus. Rund zwei Drittel sprachen sich für mehr Gestaltungsmöglichkeiten etwa bei der Lehrplangestaltung und der Einstellung neuer Lehrer aus.

Allensbach-Geschäftsführerin Renate Köcher erklärte die Entwicklung mit der steigenden Mobilität der Bevölkerung. "Die Menschen möchten bei einem Umzug nicht in eine völlig andere Bildungswelt kommen."

Obwohl über die Hälfte der Lehrer glaubt, dass ihr Beruf in den letzten Jahren schwieriger geworden ist, würden sich 76 Prozent wieder dafür entscheiden. Für 87 Prozent gehört auch das Lehren von Werten wie Pünktlichkeit oder Höflichkeit zu ihren Aufgaben. Allerdings glauben nur 37 Prozent, dass ihnen das auch gelingt, in Hauptschulen sind es sogar nur 17 Prozent.

Mehr als drei Viertel der Lehrer sind der Meinung, dass Eltern oftmals mit der Erziehung überfordert sind.

Für die Studie hatte das Allensbach-Institut 536 repräsentativ ausgewählte Lehrer befragt.

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