Die letzte Konsumgenossenschaft

Zwanzig Jahre nach dem Mauerfall existiert nur noch eine Konsumgenossenschaft im Land. Das Geschäft floriert. Die Bilanz: Keine maroden und insolventen Kaufhäuser, sondern solide Ausschüttungen an die Anteilseigner – und das seit Jahren.

von
05. Juli 2009, 07:37 Uhr

Hagenow - Viele Ostdeutsche können sich an den einst in fast jedem größeren Dorf stehenden Konsum erinnern. Und kennen die Anekdoten, wie mit der Familie zusammen Lebensmittelmarken geklebt wurden, um einige Ostmark wieder zurückzubekommen. Dann kam die Wende.

Zwanzig Jahre danach existiert nur noch eine Konsumgenossenschaft im Land, mit Sitz in Hagenow. Die steht allerdings ausgesprochen gut da: Die sechs Kaufhäuser, vier Getränkefach- und 13 Lebensmittelmärkte schreiben schwarze Zahlen, den knapp 10 000 Anteilseignern wird seit zwölf Jahren jährlich eine Dividende von fünf Prozent ausgeschüttet.

Höchstwahrscheinlich auch zu diesem Jahresende, wie die Geschäftsführerin Christa Paetow prognostiziert. Das Erfolgskonzept: Die Läden seien mitten im Ort und daher für die Bewohner gut erreichbar. Außerdem sind sie klein und überschaubar – die Textil-Kaufhäuser seien nicht größer als 800 Quadratmeter.

Der Kampf um die Getränke ist ein schwieriger„Natürlich haben wir unsere Strukturen angepasst“, erklärt Christa Paetow, „von den damals 1000 Mitarbeitern arbeiten nur noch 200 Menschen bei uns.“ Aufgegeben habe man nach der Wende die Produktionssektoren Bäckerei, Fleischerei und die Getränkeherstellung, in der einst das „Selters“-Wasser, die Karena-Brause und Vita-Cola produziert wurden. Dennoch: „Von den derzeit 200 Beschäftigten arbeiten viele Mitarbeiter schon seit 30, 40 Jahren bei uns“, erklärt die Geschäftsführerin.

So auch Klaus Haverland. Er begann im September 1966 eine Ausbildung in der Hagenower Konsumgenossenschaft zum Konditor. Nun, viele Jahre später, leitet er den Fachgroßhandel für Getränke in der Konsumgenossenschaft. „Der Getränkegroßhandel erwirtschaftet 25 Prozent des Gesamtumsatzes der Genossenschaft und ist damit die größte Sparte im Unternehmen“, erklärt er und nennt ein weiteres Erfolgskonzept: „Wir machen nur kleine Schritte. Große Investitionen können wir uns leider nicht leisten.“ Dafür setze man auf Beständigkeit.

Dennoch bedauert er, dass in den 1990er-Jahren nicht genügend Investitionskapital für den Bau neuer Kaufhallen zur Verfügung stand. „Hätten wir mehr eigene Märkte, in denen wir unsere Waren verkaufen können, wären wir unabhängiger von den Kunden, die wir beliefern.“ Denn der Kampf um die Getränke, den Klaus Haverland täglich führt, sei schwierig: „Das Geschäft um den Getränkehandel ist sehr hart geworden“, sagt er. „Zumal die wenigen Discounter-Ketten beispielsweise 58 Prozent des gesamten umgesetzten Mineralwassers verkaufen“, ergänzt Haverland.

Derzeit beliefere der Getränkegroßhandel der Konsumgenossenschaft 17 Märkte, Tankstellen und Gastronomen im Umkreis von 80 Kilometern um Hagenow. „Jede Vertragskündigung mit einem Kunden schmerzt gewaltig“, sagt er.

Eine andere schwierige Aufgabe seien indirekte Preissteigerungen: „Nun bahnt sich wieder eine Preiserhöhung an“, moniert er und verweist auf die so genannten Mogelverpackungen – die neue Verpackungsverordnung der Europäischen Union. Der 59-jährige Haverland mahnt: „Der Kunde muss aufpassen, was er in den Einkaufskorb legt und auf Netto-Füllmenge und Preis achten.“ Der Großhändler merke bereits an den veränderten Artikelnummern der Produkte, die seine Regale allmählich erreichen, dass sich weniger Inhalt in den Verpackungen befinde, der Preis hingegen aber derselbe sei. „Ich hoffe, dass unsere Kunden uns auch weiterhin treu bleiben.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen