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Gutscheine sind eine emotionale Bankrotterklärung : Die Kunst des Schenkens

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Champagner für den trockenen Alkoholiker, drei Kilo Pralinen für die Freundin auf Diät? Bei Geschenken kann eine Menge schieflaufen, gerade an Weihnachten. Warum das so ist, hat der Soziologe Holger Schwaiger erforscht.

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erstellt am 23.Dez.2011 | 02:56 Uhr

Champagner für den trockenen Alkoholiker, drei Kilo Pralinen für die Freundin auf Diät? Bei Geschenken kann eine Menge schieflaufen, gerade an Weihnachten. Warum das so ist, hat der Erlanger Soziologe Holger Schwaiger erforscht. "Geschenke sind eine Form von Kommunikation", sagt er im Gespräch mit Ulrike von Leszczynski. Wer sich keine Gedanken mache, könne andere Menschen verletzen.

Was sind für Sie die sieben Todsünden des Schenkens?

Es gibt für mich nur eine Todsünde - und zwar nichts zu schenken. Schenken bedeutet Kommunikation. Damit ist auch das Henne-Ei-Problem gelöst, wer der erste Schenker war, der das Pendel von Geben, Nehmen und Erwidern angestoßen hat. Der Mensch muss in allen sozialen Beziehungen und Umständen kommunizieren, ob nun mit Worten oder anders. Er kann es sich schlichtweg nicht leisten, auf Schenk-Kommunikation zu verzichten. Wer nichts schenkt, verweigert Kommunikation.

Es kann aber doch eine Menge schiefgehen beim Schenken.

Absolut. Wie das Sprechen kann auch Schenk-Kommunikation mächtig danebengehen. Es gibt große Enttäuschungen, wenn sich der Schenkende wenig oder gar keinen Kopf über seine Gabe gemacht hat und einfach irgendetwas unter den Weihnachtsbaum legt. Im Kern sagt das aus: Du bist es mir nicht wert, dass ich mir über dich auch nur einen Gedanken mache. Der tiefe Sinn des Schenkens ist aber, soziale Bindungen zu stärken. Wer dabei unachtsam ist, missachtet das. Dabei ist Schenken erheblich leichter als das Miteinanderreden.

Wieso denn das?

In einer Kommunikationssituation, etwa einer lebhaften Diskussion, in der das schnelle Wort zählt, müssen wir blitzschnell reagieren. Sonst reißt die Kommunikation ab. Beim Schenken zu Weihnachten hingegen kennen wir alle das Datum 24.12. Da kann man sich ganz in Ruhe drauf vorbereiten und auf die Situation einstellen. Das ist richtig bequem.

Und wie schenkt man richtig?

Es geht darum, die Vorlieben und Wünsche eines anderen Menschen herauszufinden. Das ist nicht wirklich schwer. Wir geben ständig Signale von uns, was uns gefällt und was nicht. Man muss nur zusehen oder zuhören und sich das merken. Wenn sich eine solche Andeutung später in einem Geschenk materialisiert, läuft es perfekt.

Was halten Sie von Geschenk-Gutscheinen oder Geldgeschenken?

Für mich ist das eine emotionale Ban krotterklärung. Der Sinn des Schenkens wird dabei völlig ausgehebelt.

Es gibt aber auch Verabredungen, sich nichts zu schenken.

Das klappt meistens nicht. Wir sehen uns Weihnachten in der Zwangslage, etwas zu schenken. Weil das alle machen. Manche bauen finanzielle Limits ein, um die ökonomische Komponente da rauszunehmen. Wir können uns darauf besinnen, was der eigentliche Wert ist: Ich schenke etwas Kleines, aber das von Herzen - also von emotionaler Größe. Unsere Redewendungen sagen, dass wir auch Zeit oder Gehör schenken können. Aber das wird nicht so sehr als Geschenk wahrgenommen. Mit Geschenken ist heute eher ein Nutzwert verbunden.

Gibt es überhaupt uneigennützige Geschenke?

Die sozialromantische Vorstellung des Schenkens aus reiner Freigebigkeit ohne das Erhoffen einer Gegengabe - das war und ist reine Illusion. Wie bei jeder Kommunikation wollen wir natürlich etwas zurück. Wenn ich ein Geschenk verweigere oder Enttäuschung zeige, breche ich die Kommunikation ab. Wir erwarten mindestens Dank, gern Freude und am liebsten ein bisschen Überraschung.

Das klingt nach hoher Schauspielkunst.

Ja, das gehört zu den Ambivalenzen des modernen Schenkens. Kein Mensch ist wirklich überrascht, wenn er am 24. Dezember von jemandem ein Geschenk bekommt. Da ist schon das Prinzip einer kollektiven Heuchelei zu erkennen. Aber das gehört eben dazu.

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