Die Küste hängt die Berge ab

Leuchtturmobjekt „Weiße Wiek“: Das nationale Ferienresort der Tui-Gruppe auf der Halbinsel Tarnewitz  verfügt über ein 4-Sterne Superior Iberotel mit 191 Zimmern, ein Dorfhotel mit 21 Häusern und 191 Apartments und 290 Schiffs-Liegeplätze. Foto: Hentschel
Leuchtturmobjekt „Weiße Wiek“: Das nationale Ferienresort der Tui-Gruppe auf der Halbinsel Tarnewitz verfügt über ein 4-Sterne Superior Iberotel mit 191 Zimmern, ein Dorfhotel mit 21 Häusern und 191 Apartments und 290 Schiffs-Liegeplätze. Foto: Hentschel

Die Ostseeküste ist der Gewinner des Strukturwandels im deutschen Inlandstourismus. Während sich noch vor zehn Jahren Bayern, der Schwarzwald, die Nordsee und die Ostsee mit ziemlich genau je einem Viertel den Markt teilten, zog die Ostsee mit 38 Prozent der Übernachtungen in den vier Top-Regionen davon. Verlierer: Bayern. Der Berg- und Alpentourismus verliert an Attraktivität zum Aktiv- und Wellnessurlaub im Norden.

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22. September 2008, 07:48 Uhr

Hannover/Schwerin - Rund zwei Drittel der Übernachtungen an der Ostseeküste werden dabei in MV gebucht, so eine Studie zu den „Entwicklungstrends für Hotelimmobilien in Deutschland“, die gestern im Vorfeld der Immobilenmesse Expo Real in München von der „Deutsche Hypo“, eine Tochter der Nord/LB, vorgelegt wurde.

Als Erfolgsfaktoren werden
 der Naturreichtum und nur wenige Eingriffe in die Küstenlandschaft durch Bettenburgen,
  die frühzeitige Orientierung auf den Wellness- und Gesundheitstourismus,
 und Landestourismuskonzepte zur Harmonisierung der Interessen der einzelnen Regionen genannt.
Seit 1993 hat sich die Zahl der Übernachtungen in Beherbergungsunternehmen von 7,6 Millionen auf 23 Millionen im Jahr 2007 mehr als verdreifacht. Die Zahl der durch das Beherbergungsgewerbe angebotenen Betten ist in demselben Zeitraum um mehr als das Zweifache auf über 175 000 gestiegen. Der Schönheitsfehler: Von den Übernachtungen entfallen vier Fünftel auf die Ostseeküste. Im Binnenland werden als relevante Reisegebiete die Mecklenburgische Schweiz und die Seenplatte sowie Westmecklenburg aufgeführt, wobei Letzteres im Vergleich zu den anderen Reiseregionen im Land deutlich zurückfällt und einen Anteil von lediglich 5 Prozent an den Übernachtungen erreicht.
Top-Regionen an der Ostseeküste wurden laut Studie:
  Kühlungsborn als größtes Ostseebad mit der längsten deutschen Ostsee-Strandpromenade (3,2 Kilometer). Mit einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von 5,4 Tagen in den 82 Beherbergungsbetrieben mit mehr als 8 000 Betten hatte das Bad 2007 eine Bettenauslastung von 47,5 Prozent;
 das Ostseebad Heringsdorf, seit 2006 Gemeinde der „Drei Kaiserbäder“ Heringsdorf, Bansin und Ahlbeck. Im Jahr 2007 wurde eine Aufenthaltsdauer von 5,11 Tagen verzeichnet. Die Bettenauslastung lag bei 41,9 Prozent in 190 Hotels und Pensionen mit 14 000 Betten;
  das Ostseebad Warnemünde mit einer Aufenthaltsdauer von 3,1 Tagen in 67 Betrieben mit 6153 Betten und einer Bettenauslastung von 37,2 Prozent.

Problematisch für die weitere Entwicklung in der Urlaubsregion Ostseeküste insbesondere in Konkurrenz zu Schleswig-Holstein und in wachsender Konkurrenz zu Polen ist trotz der Investitionen der vergangenen 18 Jahre die noch immer mangelhafte Infrastrukturausstattung. Dies bezieht sich auf die Anbindung der Ferienorte an das deutsche Eisenbahnnetz. Daneben fehlen Einkaufsmöglichkeiten für gehobene Konsumartikel, sodass ein „Urlaubsshopping“ kaum möglich ist.

Schließlich wird von den Gästen häufiger die Qualität der Leistungen und die Serviceorientierung des Personals bemängelt. Gerade bei der Qualität sind es oft die Drei-Sterne-Hotels, die den erwarteten Standard nicht bieten.

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