Modell eines Kleinwasserkraftwerkes wird in Warnow gelassen : Die Kraft der Warnow in der Steckdose

Während der Versuche in Warnemünde finden die Forscher ideale Bedingungen. Matthias Knüppel
Während der Versuche in Warnemünde finden die Forscher ideale Bedingungen. Matthias Knüppel

Mit einem schwimmenden Kraftwerk wollen Rostocker Wissenschaftler jetzt Wasserkraft in saubere Energie umwandeln. Ein Modell eines Kleinwasserkraftwerkes wird in der Warnow zu Wasser gelassen.

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01. Februar 2011, 11:20 Uhr

Mit einem schwimmenden Kraftwerk wollen Rostocker Wissenschaftler jetzt ungenutzte Wasserkraft in saubere Energie umwandeln. "Die Versuche an der Warnow durchzuführen, freut uns als Rostocker Ingenieure", sagt Dr. Frank Weichbrodt, Projektbeteiligter von der Universität Rostock. Ein Modell eines Kleinwasserkraftwerkes wird jetzt in der Warnow zu Wasser gelassen.

Die unspektakulär anmutende Anlage wird per Tieflader zur Warnow transportiert. Ein Kran soll den blauen, zirca zweieinhalb mal acht Meter großen Stahlkasten auf der Warnow platzieren. Das schwimmende Kraftwerk wird anschließend an Schwergewichtsankern gesichert. Das simple Schaufelrad erinnert an historische Zeichnungen. Doch die neue Anlage vereinigt alte Details mit modernem Wissen. Gelbe Messmarken an der Außenhaut geben Auskunft über die Schwimmlage.

"Studenten der Universität Rostock werden den Versuch dokumentieren und das Kraftwerk beaufsichtigen", sagt Dr. Frank Weichbrodt. Der Versuch soll die Wirksamkeit des Kleinwasserkraftwerkes nachweisen. Die Einflüsse der Anlage auf das Gewässer mit seiner Tier- und Pflanzenwelt werden im Winter sehr klein gehalten. Das Hochwasser bietet optimale Strömungsverhältnisse. Der Vorteil der frei schwimmenden Anlage ist die Durchlässigkeit für Fische. Das fordern europäische und deutsche Wassergesetze. Der Forschungsauftrag zur Untersuchung von Kleinwasserkraftanlagen für Fließgewässer ist durch die EU gefördert. Die Universität Rostock ist mit verschiedenen Fachgebieten beteiligt. Der Bau wird von der Firma Horst Ruhnke Stahlbau aus Karow ausgeführt. Zehn weitere Partner sind an dem europaweiten Projekt beteiligt, darunter die Universitäten in Southampton, Lissabon und Sofia, die jeweils andere Ansätze erforschen.

Chancen der Energienutzung von Fließgewässern durch Kleinwasserkraftwerke ergeben sich für Deutschland mit einer Dezentralisierung der Stromversorgung. Auf 500 Megawatt schätzen Forscher die ungenutzten Ressourcen in Deutschland. Die beständige Stromabgabe der Wasserkraft ist ein großer Vorteil gegenüber Solar- und Windenergie. Nach Angaben des Bundesministeriums für Umwelt liegt der Gesamtanteil der Stromgewinnung durch Wasserkraft in Deutschland bei 3,5 Prozent. Der Anteil an den erneuerbaren Energien in Deutschland beträgt 23,6 Prozent. Kleinwasserkraftwerke sind meist in der Hand von Handwerksbetrieben und Privatpersonen. Ihr Anteil am Gesamtaufkommen der Wasserkraft beträgt zurzeit zehn Prozent.

Die technisch einfache Konstruktion soll den Nachbau in Entwicklungsländern ermöglichen. Die dort ansässigen Handwerksbetriebe werden hierdurch gestärkt, die erneuerbaren Energien sollen vor Ort genutzt werden. "Am 21. Februar wird das Kleinwasserkraftwerk bei Sternberg ins Wasser gesetzt", sagt Weichbrodt. Im Internet: www.hylow.eu

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