Die Königin des Kondoms

Monika Krause-Fuchs war gerade 21, als sie – frisch verheiratet – nach Kuba kam. Rund 30 Jahre später ist die Mecklenburgerin die Aufklärerin der kubanischen Nation. Die Kubaner bezeichneten sie auch als „Königin des Kondoms“. Jetzt erscheint ihr Buch und ein Kinofilm über ihr Leben.

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20. Mai 2008, 06:47 Uhr

Schwaan/Glücksburg - Der Titel des Buches, „Machismo ist noch lange nicht tot“, ist aktueller denn je. Denn die sexuelle Aufklärung in Kuba mache eher Rückschritte als Fortschritte – trotz der Arbeit von Monika Krause-Fuchs. Sie verließ Kuba vor 18 Jahren, nach fast drei Jahrzehnten; ihr Ex-Mann lebt noch dort. 1961 lernt die Lateinamerikanistik-Studentin den Schiffskapitän kennen, heiratet ihn und geht mit in seine Heimat, nach Havanna. Die gebürtige Schwaanerin beendet ihr Lateinamerika-Studium, arbeitet als Dolmetscherin, ist später für internationale Beziehungen verantwortlich.

„Ich wollte nicht, hatte keine Ahnung davon“
Dann der Auftrag von Vilma Espins, der Frau des heutigen kubanischen Staatschefs Raul Castro: Die Deutsche soll ein nationales Sexualerziehungsprogramm erstellen.

„Ich wollte das nicht, ich hatte keine Ahnung davon“, sagt Monika Krause-Fuchs. In Kuba gab es in den 70er-Jahren überhaupt keine Familienplanung. „Eine Frau musste jede Schwangerschaft akzeptieren, das hieß quasi: jedes Jahr ein Kind. Hinzu kamen Männer, die ihre Potenz unter Beweis stellten, in dem sie Kinder zeugten. Frauen hatten Männern zur Verfügung zu stehen. Lustvolle Sexualität gab es für sie nicht“, erzählt Monika Krause-Fuchs. Illegale Schwangerschaftsabbrüche habe es gegeben – mit vielen Todesfällen. „Frauen hatten keine Ahnung, was mit ihren Körpern, ihren Hormonen passiert“, sagt Krause-Fuchs. Die Folge: etliche Teenager-Schwangerschaften. Was das Land brauchte, waren nicht nur Verhütungsmittel, sondern Aufklärung.

Monika Krause-Fuchs holte Experten aus dem Ausland nach Kuba, ließ einheimische Sexualerzieher ausbilden, Bücher auflegen, drehte Filme, organisierte Info-Veranstaltungen und machte Radiosendungen. Sie wird Direktorin des 1976 gegründeten Zentrums für Sexualerziehung in Kuba. Das leitet heute die Tochter von Staatschef Raul Castro.

Das Buch „Mann und Frau intim“ von Siegfried Schnabel – ein Klassiker in der DDR – ließ Monika Krause-Fuchs ins Spanische übersetzen. Immer wieder tritt die Mecklenburgerin in Funk und Fernsehen selbst als Sexualaufklärerin auf. „In Kuba war ich bekannt wie ein bunter Hund“, erzählt sie. Nicht alle Kubaner waren dankbar. „Die Sexbesessene“ nannten die Einheimischen sie oder auch die „Kondomkönigin“ – eigentlich als Schimpfwort gedacht. „Ich habe es für mich umgedreht und einen Ehrentitel draus gemacht“, sagt Monika Krause-Fuchs und lacht. Entstanden sei der Name nach einem Film über Verhütungsmittel.

1990 entschließt sie sich, Kuba zu verlassen – heimlich. Die Ehe mit ihren kubanischen Mann ging in die Brüche, die Söhne wollten nicht länger bleiben. Ein Jahr später beginnt Krause-Fuchs an ihrem Buch zu schreiben, doch der Verlag geht pleite. Erst jetzt, 15 Jahre nach dem ersten Manuskript, erscheint „Machismo ist noch lange nicht tot“ und hat doch nichts an Aktualität eingebüßt: Geld für weitere Aufklärungskampagnen fehlt.

Die 67-Jährige Rentnerin lebt heute in Glücksburg und ist ein zweites Mal verheiratet. Ein Schweizer Filmteam zeigt ihre Geschichte. Der Dokumentarfilm „Die Königin des Kondoms“ kommt Ende des Monats in die Schweizer Kinos.

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