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Studie: Märkte sind als Labyrinth konzipiert : Die Ikea-Falle

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Ikea-Warenhäuser sollen absichtlich wie Labyrinthe konzipiert sein. Das Ziel sei, dass die Kunden sich im Warenhaus verlieren und in der Verwirrung weitaus mehr einkaufen, als zu Beginn ihrer Ikeareise geplant.

svz.de von
erstellt am 25.Jan.2011 | 09:17 Uhr

Stockholm | Es ist später Samstagnachmittag: Der 35-jährige Robert Mellström hat es endlich vom Ikea Markt in einem Vorort von Stockholm nach in Kungsholmen geschafft, schwerst beladen. "Eigentlich wollte ich nur einen neuen Teppich kaufen. Aber bei Ikea lässt man immer 5000 Kronen, mindestens. Man fährt selten hin, und dann hat man mit den riesen Einkaufswagen stets das Gefühl noch nicht genug gekauft zu haben, um sie zu füllen. Man kommt aus dem Irrgarten einfach nicht mehr raus", sagt er.

Was Mellström beschreibt, kritisiert der britische Professor Alan Penn vom University College London. Der Architektur- und Stadtplanungsprofessor hat eine Ikea Studie angefertigt. Demnach sollen die Ikea-Warenhäuser absichtlich wie Labyrinthe konzipiert worden sein. Laut Penn, war das Ziel der Architekten, dass sich Kunden im Warenhaus verlieren und in der Verwirrung weitaus mehr einkaufen, als zu Beginn ihrer Ikeareise eingeplant. Kunden würden zu "Impulskäufen gezwungen".

Die größte schwedische Boulevardzeitung "Aftonbladet" machte das Thema groß auf. "Bei Ikea gehst Du in ein Labyrinth. Das ist der Trick", warnt die Zeitung und Professor Penn erklärt ihn: "Der Trick ist, dass der Kunde auf eine Weise durch das Warenhaus geführt wird, die das zurückgehen erschwert. Wenn man etwas sieht, stopft man es in den Einkaufswagen, weil man später nicht mehr an den gleichen Ort zurück komme", sagt Penn. Der Unterschied zu anderen Warenhäusern sei, dass man dort stets wüsste, wo man reingekommen ist, und wo man auch wieder rauskommt. Der Ikea-Effekt werde zusätzlich durch die Abseitslage der Warenhäuser flankiert, im Sinne von: "Die Chance Nutzen, wo man schon mal da ist", meint Professor Penn und geht zum Direktangriff auf den Schwedischen Möbeldiscounter los. Die durch Ikea irrenden Kunden seien Masochisten, Menschen, die Freude am sich selbst plagen hätten. Man fühle sich stets unzureichend in dem riesen Möbelhaus und versuche dies durch noch mehr Schmerz in Form von weiteren, oft nutzlosen Impulseinkäufen überzukompensieren.

Und trotzdem: die "Ikea-Masochisten" werden immer mehr. Trotz angeblicher Listigkeit und vor allem der Wirtschaftskrise, stieg der ausgewiesene Gewinn der GmbH Ikea 2010 weiter um 6,1 Prozent auf 25,4 Mrd. Kronen (2,8 Mrd. Euro) an.

Bei Ikea Schweden dementiert man aufs Heftigste die Kritik der Verbrauchermanipulation aus London. Hinter dem Warenhausbau stecke keine Irrgartenlist, beteuert PR-Chefin Ivana Flygare. "Unser Gedanke mit dem langen Kaufhausweg ist, dass man sich von der Einrichtung inspirieren lässt und etwas Erlebnis erhält."


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