Die Herausforderung

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06. August 2008, 10:31 Uhr

Eines kann man Harald Ringstorff nicht vorwerfen: Er ist keiner, der sich verbiegt. Er ist einer, der zu seinem Wort steht. Wenn er auch ein wenig knorrig sein mag, manche sagen stur, auf jeden Fall ist er zuverlässig. Das schätzen selbst politische Gegner an ihm. Intrigen hasst Ringstorff. Und doch gab es Zeiten Mitte der 90er, als er sie im eigenen Machtdrang nutzte. Wismars Bürgermeisterin, Rosemarie Wilcken (SPD), kann ein Lied davon singen. Nur eine Wahlperiode hielt es die Power-Frau als Ringstorff-Stellvertreterin im SPD-Landesvorsitz, danach hatte sie von Landespolitik die Nase voll. Ringstorff ließ es sie spüren, wenn sie öffentlich genannt wurde, als schon damals die Frage auftauchte: Wer wird es, wenn es Ringstorff nicht wird? Und die Frage tauchte oft auf.

Zum Beispiel 1996, als Ringstorff um der Macht willen mit der PDS liebäugelte, aber die Offerte von Links ausschlagen musste, weil SPD-Bundeschef Rudolf Scharping ihn nicht gewähren ließ. Schon damals wurde Ringstorffs Position in den eigenen Reihen infrage gestellt. 1998 dann, als er das Projekt Rot-Rot von Enttäuschungen getrieben ansteuerte, folgten ihm acht Abgeordnete der bundesweit ersten rot-roten Koalition bei der Wahl zum Ministerpräsidenten im Landtag nicht. Er erhielt nur 39 von möglichen 47 Stimmen. Eine Blamage, aber drei Stimmen mehr als er brauchte.
Doch das hielt – über acht Jahre. Ringstorff machte die PDS hoffähig.

Aber er hat sie auch entzaubert. Mancher PDS-Minister folgte ihm treuer als mancher eigene SPD-Genosse. Ein Helmut Holter (PDS) war Ringstorff manches Mal lieber als ein Gottfried Timm (SPD). Wenn heute am bundesdeutschen Politikhorizont über rot-rote Bündnisse heftigst gestritten wird, kann Ringstorff nur müde lächeln. Es kommt auf die Akteure an. Und im Übrigen hat Ringstorff die ungeliebte politische Berühmtheit der „Schweriner Verhältnisse“ damit bezahlt, dass er niemals eine politische Rolle über die Landesgrenzen hinaus spielte – es wohl aber auch nicht vermisste.

Mitunter kann auch ertragene Missachtung adeln. Das Gelingen des Experiments Rot-Rot war der Weg der SPD zur Macht in MV. Der Ministerpräsident wurde in diesen acht Jahren für seine Partei zum Garant der Macht und damit quasi unantastbar. Er fällte alle wichtigen Entscheidungen, die wichtigsten zum Personal sogar im Alleingang. Ein guter Freund wurde er dabei kaum jemandem. Aber dafür fand der zurückhaltende und zunächst medienscheue Politiker sogar Spaß an den Insignien der Macht. Das soll es geben. Doch nach dem Spaß kommt die Last.

Immer deutlicher die Rufe aus den eigenen Reihen nach neuen Köpfen. Die bevorstehende Kommunalwahl im Juni nächsten Jahres wird eine Herausforderung für die SPD im Land. Und die CDU stellt sich jetzt bereits für die Landtagswahl 2011 neu auf. Bei der letzten Landtagswahl hat die SPD trotz Ringstorff zehn Prozent Wählerstimmen verloren. Das ist die Herausforderung, die jetzt vor Erwin Sellering steht. Es geht um den Erhalt der Macht.

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