Die ewige Baustelle

Die Baugenehmigung für das Millionen-Projekt auf dem Glatten Aal steht auf der Kippe. Die Stadt Rostock verweist auf fehlende Unterlagen. Derweil wird immer mehr Kritik am Investor laut. Der wollte ursprünglich Ende des Jahres Eröffnung feiern. Jetzt ist nicht einmal an Baustart zu denken.

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03. September 2008, 07:10 Uhr

Eine Augenweide ist es nicht. Seit einem halben Jahr liegen die steinigen Überreste des ehemaligen Katalyse-Instituts mitten in Rostock herum. Dabei wollte Investor Jürgen Klechowitz auf dem Filetstück Glatter Aal eine moderne Markthalle mit Hotel, Casino, Stadthäusern und einer mehrgeschossigen Tiefgarage bauen. Für nicht weniger als 70 Millionen Euro.

Doch zwei Jahre nachdem die ersten Pläne zu dem Großprojekt vorgestellt wurden, ist noch immer nicht an den ersten Spatenstich zu denken. „Wir können derzeit keine Baugenehmigung erteilen“, sagt Bauamtsleiterin Indes Gründel. Sie verweist auf „wesentliche Unterlagen“, die noch fehlen.

Bauausschuss kritisiert zögerlichen Investor
Investor Klechowitz kann die Aufregung nicht nachvollziehen. Für ihn ist es „ein ganz normaler Vorgang“. Die entsprechenden Genehmigungen würden derzeit eingeholt beziehungsweise erarbeitet. Es geht unter anderem um Schallgutachten, Brandschutz, Statik, Verkehrsexpertise. „Es ist doch klar, das eine Baugenehmigung für ein Projekt dieser Größe nicht von einem Tag auf den anderen erteilt wird“, beschwichtigt der Investor. Am 8. Juli ist der Antrag von der Klechowitz GmbH eingereicht worden.

Viel später als geplant. Und deshalb hat auch der städtische Bauausschuss eine andere Lesart der Vorgänge auf dem Glatten Aal. „Das Bauamt hat alles dafür unternommen, dass es weiter gehen kann“, betont der Vorsitzende, Frank Giesen (CDU). Die Verzögerungen seien dem Investor anzukreiden. Ursprünglich sollten schon im Frühjahr 2007 die Bagger anrollen, dann sind der August 2007 und schließlich der August 2008 als Termine für den Baustart gesteckt worden. Alle Fristen sind verstrichen – ohne, dass etwas passierte.

Stattdessen wurde viel geredet und diskutiert. Über den Kaufpreis, über Fledermäuse und über eine alte Kastanie. Allerdings: Sämtliche Hindernisse sind schnell ausgeräumt worden. Über das Grundstück einigten sich Investor und Oberbürgermeister, für die Fledermäuse ist eine Lösung gefunden und auch in Sachen Kastanie stellt sich die Stadt nicht quer.

Wann Baustart ist, darüber will Klechowitz nicht mehr spekulieren. Das Vorhaben werde nicht verschleppt, beteuert er. „Alles Quatsch.“ Die 2,5 Millionen Euro für das Grundstück sind auf ein Notarkonto überwiesen, was auch das Bauamt bestätigt. Ein Indiz dafür, dass sich der Investor nicht drückt. Weitere Flächen in der benachbarten Rungestraße will er dazukaufen.


Wo es hakte


Die Kastanie: Der Baum an der Ecke Johannisstraße war im Juni 2008
großer Streitpunkt. Die Stadt will gegebenenfalls fällen.
Die Finanzierung: Im August 2007 einigten sich OB Methling und Investor
Klechowitz auf einen um 900 000 Euro höheren Kaufpreis von 2,5 Millionen
Euro für das Arreal.
Die Fledermäuse: In den Kellerräumen des einstigen Chemischen
Institutes nisten Fledermäuse. Keine große Überraschung – und doch
wieder eine Verzögerung.
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