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"Die Bedeutung entsprach nicht unseren Vorstellungen"

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erstellt am 01.Okt.2010 | 08:00 Uhr

Kiel/Potsdam | Seit fünf Jahren sucht Kiel und findet nichts: Einen Platz oder eine Straße, die im Zusammenhang mit der Deutschen Einheit steht, sucht man in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt vergebens, räumte Stadtsprecher Tim Holborn auf Nachfrage ein. Offenbar ist alles Repräsentative schon besetzt, denn: "Eine wirkliche Möglichkeit einer solchen Benennung nachzukommen hat sich noch nicht eröffnet, denn die Bedeutung und bauliche Ausführung in Frage gekommener Straßen, Wege und Plätze entsprach nicht unseren Vorstellungen." Schon 2005 hatte das Deutsche Kuratorium zur Förderung von Wissenschaft, Bildung und Kultur die Landeshauptstadt gebeten, eine Benennung im Sinne der deutschen Einheit vorzunehmen.

Im niedersächsischen Braunschweig hat man solche Sorgen nicht - dort wurde 2003 sogar der Rathausvorplatz in Platz der Deutschen Einheit umbenannt, berichtet Stadtsprecher Adrian Foitzik. Vergangenes Jahr wurde zudem ein Stück der gefallenen Berliner Mauer dort enthüllt. Und gestern legten die Braunschweiger noch einen drauf: Anlässlich des 20. Jahrestages der Wiedervereinigung wurde eine Gedenkplatte enthüllt, auf der Sätze des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker zu lesen sind: "Unsere Einheit wurde niemandem aufgezwungen, sondern friedlich vereinbart. Sie ist Teil eines gesamteuropäischen geschichtlichen Prozesses, der die Freiheit der Völker und eine neue Friedensordnung unseres Kontinentes zum Ziel hat. Diesem Ziel wollen wir Deutschen dienen. Ihm ist unsere Einheit gewidmet", ist auf der Braunschweiger Platte zu lesen.

In Flensburg ist eine Umbenennung bisher noch nicht einmal diskutiert worden, sagt Rathaus-Sprecher Thomas Hansen. "Es geht auch um die Kosten. Gewerbetreibende wären besonders betroffen, wenn man an deren Schriftverkehr denkt." Doch Hansen fällt dann schnell doch noch etwas ein: "Es gibt in Flensburg einen Willy-Brandt-Platz. Wenn man so will, war der ja auch ein Wegbereiter der Einheit."

In Brandenburg hat sich unterdessen das Innenministerium auf die Suche gemacht und ist fündig geworden: So gibt es einen "Platz der Deutschen Einheit" in der Gemeinde Rangsdorf im Landkreis Teltow-Fläming sowie eine "Straße des 3. Oktober" in Elsterwerda im Landkreis Elbe-Elster. Auf Vorschlag von örtlichen Politikern seien überdies in Cottbus, Potsdam und Lübbenau aktuell Straßenumbenennungen in "Straße der Deutschen Einheit" in der Diskussion, berichtete ein Ministeriumssprecher. Zugleich wies er darauf hin, dass nach noch lebenden Personen in Deutschland eigentlich keine Straßen benannt werden - also auch eine Helmut-Kohl-Straße unüblich sei.

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