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Bützow/Wokrent : Die Baronin und das Zimmermädchen

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Borgwadt hat das Wokrenter Schloss wieder auferstehen lassen. Krüger gab das Gemälde in Auftrag. In dem Gutshaus hatte seine Mutter von 1941 bis 1945 als Zimmermädchen gearbeitet.

"Liebe Friedel! Durch Mamsell hörte ich, dass sie einigermaßen durch die schweren Zeiten hindurch gekommen sind und dass sie jetzt eine ganz gute Stellung in Jürgenshagen haben. [...] Kasimir Kulessa besuchte mich in Hamburg. In unserem schönen Wokrent scheint es ja traurig auszusehen." Diese Zeilen schreibt Baronin Zaremba am 19. Februar 1946 ihrem einstigen Zimmermädchen Elfriede Krüger. Die Briefe gehören zum Nachlass von Elfriede Krüger, der sich im Besitz ihres Sohnes Wilfried Krüger befindet. Seine Mutter war im Januar verstorben.

Als sich Wilfried Krüger, der in Zepelin wohnt, im Frühjahr entschloss, seine Wohnung zu renovieren, erinnerte er sich an die Briefe im Nachlass seiner Mutter. "Ich hatte nach einem Bild für mein Wohnzimmer gesucht und wusste nur, das ich ein Landschaftsbild mit einem Motiv aus der Heimat haben möchte", erzählt der 59-Jährige, der in Jürgenshagen geboren wurde. Da habe er sich daran erinnert, dass seine Mutter von 1941 bis 1945 im Wokrenter Schloss gearbeitet hatte.

Die Briefe, die an Elfriede Krüger gerichtet waren, erwecken den Eindruck, dass es ein sehr freundschaftliches Verhältnis zwischen ihr und der Baronin gegeben haben muss. So schreibt Baronin Zaremba 1947 an ihr ehemaliges Zimmermädchen: "Sie müssen aber wissen, dass ich sehr oft an Sie gedacht, und dass wir sehr oft von Ihnen gesprochen haben mit Bungenbergs, Mamsell und Fräulein Wriedt." Wilfried Krüger ist sich sicher, dass die im Brief genannten, zuvor auch in Wokrent gelebt haben müssen. Allerdings scheitern die Bemühungen der Baronin, Elfriede Krüger zu sich zu holen. Krüger bleibt in Wokrent. "Sie hat sich um ihre Mutter gekümmert, die ihren Mann sowie einen Sohn im Zweiten Weltkrieg verloren hatte", erklärt Wilfried Krüger.

Während die Krügers direkt vor Ort verfolgen konnten, wie es mit den Schloss weitergeht, erfuhr die Baronin nur von anderen, wie sich Wokrent entwickelte. So bedauert die Baronin in ihren Briefen immer wieder, dass das einst so schöne Wokrent "sehr traurig" aussehen soll. "Dies erzählte der Jäger Westfahl aus Hohen Luckow. Was ist es für ein Jammer", schreibt Baronin Zaremba in jenem Brief des Jahres 1947.

Neben den Briefen fand Wilfried Krüger auch eine alte Postkarte, ein Schwarz-weiß-Foto des Schlosses. Das wäre es doch, dachte sich Krüger hinsichtlich des Bildes für sein Wohnzimmer. Und er hatte schon eine Idee, wer ihm das anfertigen könnte - der Bützower Stadtmaler Günter Borgwardt. "Ich kenne ihn schon seit Jahren. Ein von ihm gemaltes Bild hängt heute noch in meinem Elternhaus."

Damit das Schloss in neuem Glanz auf einer Leinwand erstrahlen kann, benötigte Borgwardt aber Vorlagen. Denn das Schloss gibt es leider nicht mehr.

Dabei handelte es sich um ein noch junges Schloss im stillen Örtchen Wokrent. "Es wurde erst um 1880 gebaut", erzählte bereits vor Jahren der Jürgenshäger Michael Constien. Eigentümer war die Familie von Meerheimb. Die hatte fünf Schlösser in der Region. "Das Wokrenter soll das liebste und schönste gewesen sein", so Constien.

Wilfried Krüger hat als Kind dort noch selbst gespielt. Das Gutshaus war nach der Enteignung 1945 u.a. Wohnhaus, Kindergarten und Konsum. In den vergangenen 20 Jahren haben verschiedene Investoren ihr Glück am Gutshaus versucht. Dann, 2006 wurde es abgerissen. Vor zwei Jahren plante ein Investor einen Neubau. Der soll sich in großen Teilen an der "typisch mecklenburgischen Schloss-Architektur orientieren", hieß es in dem Konzept. Der Eigentümer hielt sich im Hintergrund. Geplant seien im Innern 25 Wohneinheiten für altersgerechtes Wohnen. Auch die historische Parkanlage mit Teich sollte wiederherstellt werden.

Seit dem ist in Wokrent aber nichts passiert. So blieb Wilfried Krüger nur, auf alte Fotos und Zeitungsberichte zurückzugreifen, anhand derer Günter Borgwardt das Bildprojekt umsetzen konnte. Nun hat es der Stadtmaler vollbracht und an Wilfried Krüger übergeben.

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erstellt am 18.Jun.2011 | 02:12 Uhr

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