Pendler über häufige Verspätungen verärgert : "Die Bahn stiehlt Lebenszeit"

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Der Tag fängt gut an: Anthony Hogg aus Boizenburg steigt um 6.52 Uhr in den Regionalzug nach Hamburg. Der hat mal keine Verspätung, wenigstens in Boizenburg noch nicht. Anders sieht es eine Stunde später aus...

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12. November 2010, 07:53 Uhr

Boizenburg | Der Tag fängt gut an am Donnerstagmorgen. Anthony Hogg aus Boizenburg steigt um 6.52 Uhr in den Regionalzug nach Hamburg. Der hat heute mal keine Verspätung, wenigstens in Boizenburg noch nicht. Anders sieht es eine Stunde später aus, da werden für den Zug um 7.43 Uhr fünf Minuten Verspätung angesagt. Als die Pendler dann einsteigen und der Zug sich in Bewegung setzt, hält er kurz nach dem Bahnhof noch einmal an, es rauscht ein ICE vorbei, der hat immer Vorfahrt. "Wenn es gut läuft, dann hat man einmal in der Woche eine erhebliche Verspätung auf dieser Strecke. Aber in den vergangenen drei, vier Wochen ist es wieder ganz extrem, da häufen sich die Verspätungen. An einem Freitag ist der Zug um 7.43 Uhr ganz ausgefallen. In der vergangen Wochen waren es zweimal eine ganze Stunde. Wir stehen uns hier die Beine in den Bauch, die Informationen kommen kleckerweise oder überhaupt nicht, es ist zum Verzweifeln. Wenn man dann abends nach Hause will, dann geht das Ganze weiter. Erst werden zehn Minuten Verspätung angekündigt, dann nochmal zehn Minuten und nochmal zehn Minuten und 300 Pendler müssen zu einem anderen Bahnsteig pilgern."

Aus dem Boizenburger spricht der Frust. Und wenn man sich morgens auf den Bahnsteig stellt und die Pendler befragt, bricht es förmlich aus ihnen heraus. Wir Pendler fühlen uns als Fahrgäste zweiter Klasse, heißt es, die Bahn setze auf Prestigebeförderung durch den ICE. Immer wieder herauszuhören ist der Frust über die Informationspolitik. Mal gibt es eine Ansage, mal keine, man fühlt man sich verschaukelt durch die scheibchenweise verabreichte Information und sieht eine Absicht dahinter. Die Wechselzeiten in Hamburg sind mit sieben Minuten viel zu kurz und die Strecke ist extrem frequentiert. Es fahren am Tag 21 ICEs von Hamburg nach Berlin und wieder zurück. Wer einen Termin hat, der nimmt das Auto. Die Bahn, einst Synonym, für Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit ist zu unzuverlässig. Burkhard Ahlert, Pressesprecher der Regionalbahnen Nordost, gibt zu, es gab in jüngster Zeit wieder vermehrt Probleme. Ihre Ursache sieht er in der sehr starken Nutzung der Strecke, Triebfahrzeuge seien ausgefallen und im Herbst komme leider das Problem der Schmierfilmbildung durch Blätter ins Spiel, da könne der Zugführer nicht so schnell fahren. An der Informationspolitik ließe sich wohl etwas verbessern. Detlef Lindemann, Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern, der im Auftrag des Landes den Nahverkehr bei der Bahn "bestellt", sieht das Nadelöhr im Hauptbahnhof in Hamburg. Hier müsste man eigentlich Hamburg 21 bauen, vorher würde sich grundlegend nichts ändern. Er empfiehlt, besondere Ärgernisse mit Ort und Datum zu notieren und an ihn zu leiten (SVZ kann behilflich sein).

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