Die Auskunft, die keiner will

von
23. August 2010, 09:33 Uhr

Schwerin/Neubranden-burg | Es war für Brigitte Bretzmann mehr als ein kleiner Schock, als die Rechnung über 559,06 Euro ins Haus flatterte. Diesen Betrag sollte die Inhaberin eines Reisebüros in der Lewitz an die Gewerbeauskunft-Zentrale mit Sitz in Düsseldorf für die Registrierung ihres Betriebes bezahlen. "Tatsächlich habe ich vor einiger Zeit von dieser Firma die Aufforderung bekommen, die über mein Reisebüro gespeicherten Daten zu korrigieren und gegebenenfalls fehlende Angaben zu ergänzen. Das habe ich auch gemacht - nicht ahnend, was danach für Kosten auf mich zukommen würden", schildert Brigitte Bretzmann. Erst der Rechnung entnahm sie, dass sie einen Zwei-Jahres-Vertrag abgeschlossen hatte: 39,85 Euro plus Umsatzsteuer würden dafür pro Monat fällig. Und: "Im letzten Satz des Schreibens wird mir auch noch mit einer Zwangsvollstreckung gedroht, falls ich nicht zahlen sollte", beklagt sich die Geschäftsfrau. Bei der IHK in Schwerin, bei der sie diesbezüglich Rat suchte, hätte man ihr bestätigt, dass es schon "eine ganze Menge" ähnlicher Fälle gebe, so Brigitte Bretzmann. "Aber warum hat uns die IHK dann nicht rechtzeitig gewarnt?"

In der Tat warnen bundesweit eine ganze Reihe von Handwerks- sowie Industrie- und Handelskammern vor der Düsseldorfer Gewerbeauskunft-Zentrale. Die IHK Rostock rät in ihrem Internetauftritt nach verschiedenen Beschwerden aus dem Kammerbezirk allen Unternehmern dringend dazu, "Eintragungsanträge für dieses Verzeichnis genau zu prüfen und besonders das Kleingedruckte zu lesen". Keinesfalls sollten sie eine voreilige Unterschrift leisten, sondern erst einmal prüfen, ob die angebotene Leistung den verlangten Preis wert ist.

Denn eine Leistung wird in der Tat erbracht. Auch Frau Bretzmanns Firmen-Kontaktdaten lassen sich - obwohl sie noch nicht bezahlt hat - auf der Internetseite www.gewerbeauskunft-zentrale.de unter der Rubrik "Dienstleistung & Service" abrufen - zusammen mit 43 anderen aus dem 50 Kilometer-Umkreis ihres Wohnortes. Sogar die Jüdische Gemeinde der Landeshauptstadt findet man dort…

"Vom rechtlichen Tatbestand des Betruges kann man wegen der erbrachten Leistung nicht sprechen", betont Stefan Geldser, juristischer Mitarbeiter bei der IHK zu Schwerin. Auch eine Anfechtung des Vertrages wegen arglistiger Täuschung hält er für wenig erfolgversprechend - schließlich sei auf dem ersten Schreiben an Frau Bretzmann, wie auch bei anderen Betroffenen, das Wort Angebot in der Betreffzeile zu lesen gewesen. "Und ein Angebot ist, wie der Name schon sagt, immer ein Angebot, dass man annehmen kann - oder auch nicht", betont IHK-Sprecher Andreas Kraus.

Doch nicht nur deshalb könne die Kammer für ihr Mitglied Brigitte Bretzmann im Einzelfall nichts tun: "Als Körperschaft öffentlichen Rechts ist es uns untersagt, uns für Einzelne einzusetzen", stellt Kraus klar. Allerdings würde die Rechtsabteilung Beschwerden sammeln und dem Deutschen Schutzverband gegen Wirtschaftskriminalität (DSW) zuleiten.

So hält es auch die IHK in Neubrandenburg, wie ein Sprecher bestätigt. Denn auch dort ist die Gewerbeauskunft-Zentrale keine Unbekannte. "Im März gab es die ersten Beschwerden, mittlerweile häufen sie sich", bestätigt Gerald Gräfe. Die Weiterleitung dieser massenhaften Beschwerden an die DSW hätte unlängst zu einem ersten Erfolg geführt - am 30. Juli sei die Gewerbeauskunft-Zentrale von der DSW abgemahnt worden. "Ob das fruchtet, müssen wir allerdings erst abwarten." Die Neubrandenburger IHK rät Betroffenen, eine eventuell schon abgegebene Einverständnis-Erklärung anzufechten. Drohungen mit Inkasso und Mahngebühren sollten ignoriert und die Kammer darüber informiert werden.

Ganz so prononciert drückt man es bei der Schweriner IHK zwar nicht aus. Aber "uns ist kein Fall bekannt, dass die Drohung mit einem Inkasso-Unternehmen wahrgemacht wurde", betont auch deren Sprecher Andreas Kraus.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen