„Die Ärzte haben versagt“ - Mutter des an Windpocken erkrankten Igor P. erhebt schwere Vorwürfe

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06. Juli 2008, 06:16 Uhr

Schwerin - Lyudmyla P. geht durch die Hölle. Seit einer Woche liegt ihr Sohn auf der Intensivstation der Helios-Kliniken. Diagnose: Windpocken. Was kleine Kinder mit ein bisschen Fieber und juckenden Pusteln wegstecken, hat sich bei dem 21-jährigen Igor P. zu einer lebensbedrohlichen Erkrankung mit zahlreichen Komplikationen ausgewachsen. Lyudmyla P. erstattete jetzt Anzeige gegen zwei Notärzte wegen unterlassener Hilfeleistung und Körperverletzung.

Noch ganz außer sich vor Sorge und Zorn erschien am Sonntag der Lebensgefährte von Lyudmilla P. in unserer Redaktion. Die Öffentlichkeit solle die Wahrheit darüber erfahren, „dass mein Sohn Igor keine Hilfe von Ärzten erhalten hat.“

Tag und Nacht wache sie mittlerweile am Bett ihres kranken Sohnes, erzählt der Lebensgefährte und bringt zum Beweis ein Fotos von der Intensivstation mit. Igors Gesicht ist unter einer dicken weißen Creme-Schicht verborgen, zahlreiche Schläuche führen aus seinem Körper heraus. Der junge Mann wird künstlich beatmet, er liegt im Wachkoma. Der Vorwurf der Mutter an die Ärzte: Sie hätten die Dramatik des Falles nicht rechtzeitig erkannt, ihre Sorgen nicht ernst genommen und sie stattdessen eingeschüchtert.

In einem Brief an die IKK Schwerin, der unserer Redaktion vorliegt, beschreibt Lyudmyla P. die Stationen des Leidens: Mit starken Bauschmerzen und Unwohlsein ging Igor am 25. Juni zum Hausarzt. Bereits dort habe er erwähnt, dass sein 13-jähriger Bruder vor drei Wochen an Windpocken erkrankt sei. „Dieses wurde ignoriert“, schreibt Lyudmyla P. „Er bekam ohne weitere Untersuchung Tabletten verordnet und ging wieder nach Hause.“

Zwei Tage später wurden die Schmerzen heftiger. „Er hatte bereits 40 Grad Fieber und bekam sehr wenig Luft.“ Aus Angst um das Leben ihres Sohnes rief sie um 14.24 Uhr den Notarzt, der zehn Minuten später vor Ort tatsächlich Windpocken diagnostizierte. „Kein Fall für den Notarzt und auch kein Fall für eine Einlieferung ins Krankenhaus“ hörte Luydmyla P.

Trotzdem rief sie um 21.46 Uhr den Notarzt erneut – derselbe Mediziner begenete ihr wieder, der eine stationäre Aufnahme noch immer nicht für nötig hielt. „Er ließ mich und meinen Sohn wieder ohne Hilfe stehen und fuhr davon“, schreibt die Mutter. Dann verständigte die Familie den Bereitschaftsdienst.

Diagnose: Varizellen Infektion, Behandlung: Ibu 400 und viel trinken. Der Assistent teilte Frau P. außerdem mit, dass sie bei erneutem Verständigen eines Notarztes die Kosten selbst tragen müsse. „Seit diesem Zeitpunkt war ich so eingeschüchtert, dass ich mich nicht mehr traute, irgendwen um Hilfe zu bitten.“ Am nächsten Morgen gegen 11 Uhr krümmte sich ihr Sohn vor Schmerzen und spuckte Blut.

Zum mittlerweile vierten Mal rief Frau P. den Notarzt „auch wenn ich mit einer Zahlung privat rechnen musste“. Der jetzt diensthabende Mediziner nahm Igor endlich mit.

„Ich werde alles unternehmen, die verantwortlichen Personen zu verklagen“, schreibt Luydmyla P. Die Ärzte hätten viel früher wissen müssen, was zu tun sei. „Sie haben versagt.“

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