Die 21 Samaranch-Jahre im IOC

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22. April 2010, 09:50 Uhr

Wie kein zweiter IOC-Präsident hat Juan Antonio Samaranch die olympische Welt bewegt. Die wichtigsten Veränderungen des 1966 in das IOC berufenen und 1980 zum Präsidenten gewählten Spaniers: 1981: Abschaffung des Olympia-Paragrafen und damit Öffnung der Olympischen Spiele für den Berufssportler westlicher Prägung als Gleichstellung mit dem Staatsamateur kommunistischer Länder; dies ermöglicht Profis die Teilnahme im Tennis (ab 1988), Basketball (1992), Radsport (1996) und Eishockey (1998). Erste Frauen- Mitgliedschaften im IOC, Schaffung einer Athleten-Kommission. Festschreibung des IOC als führende Kraft des Weltsports. 1981 bis 1983: Schaffung einer neuen Architektur mit Anerkennung der Vereinigung der NOKs (ANOC) und der internationalen Verbände für Sommersport (ASOIF) und Wintersport (AIWF) als olympische, für ihre Olympia-Teilnahme zu bezahlende Partner. Damit Entmachtung der von dem Schweizer Thomas Keller geführten Vereinigung aller Verbände (GAISF); Keller beanspruchte für seinem Verband vom IOC eine gleichberechtigte Partnerschaft. Verträge mit den Vereinten Nationen (UN) und deren Unterorganisationen UNESCO und WHO für globale Partnerschaften. Anerkennung des IOC durch den Schweizer Staat als Internationale Organisation. Dies bedeutet neben Steuervorteilen Festschreibung von Lausanne als olympische Kapitale; später bauliche Erweiterung der Zentrale um ein Olympic House (1986) und ein Olympisches Museum (1993). Schaffung eines Internationalen Sportgerichtshofs (CAS) als letzte Instanz für alle Streitfälle im Weltsport (1983). 1985: Einführung eines globalen Sponsoren-Programms (TOP), das in der Kommerzialisierung des IOC die unter Samaranch enorm ansteigenden Einnahmen aus der Vergabe der Fernsehrechte ergänzt. Durch TOP erhalten (bis zu 12) große Unternehmen weltweit das Recht, exklusiv mit den Olympischen Ringen zu werben. Die Einnahmen steigen über 95 Millionen Dollar (Periode 1985 bis 1988) bis 866 Millionen Dollar (2005 bis 2008) an. Zusammen erlöst das IOC in der Präsidenten-Zeit von Samaranch rund 11 Milliarden Dollar. Knapp die Hälfte geht an die Olympia-Organisatoren, der Rest ab die Verbände, die NOKs und an ein 1982 geschaffenes Entwicklungshilfe-Programm (Olympic Solidarity). Das IOC behält 8 Prozent der Gesamteinnahmen für sich. 1986: Herauslösung der Winterspiele aus dem olympischen Vierjahres-Rhythmus ab 1984 (Lillehammer) mit der Folge, dass Sommerspiele 1996 (Atlanta) erstmals in einem Jahr allein veranstaltet werden. 1988: Der Fall des bei den Spielen in Seoul gedopten kanadischen 100-m-Siegers Ben Johnson als ein Fanal und ein Beleg für die Zunahme des Sportbetrugs durch ein Übermaß an Kommerzialisierung. 1992: Die Sommerspiele in Barcelona neben den Spielen von Sydney 2000 als glanzvollste Olympiade der Samaranch-Ära. In den 21 Jahren stieg die Zahl der Wettbewerbe von 203 auf 302, der Sportarten um sieben auf 28. Die Teilnehmerzahl verdoppelte sich auf nahezu 11 000. 1995: Anhebung des Alterslimits für IOC-Mitglieder um fünf Jahre auf 80, um Samaranch die dritte Wiederwahl zu ermöglichen. 1999: Als Folge des Korruptionsskandals um den Olympia-Bewerber Salt Lake City verlieren 10 IOC-Mitglieder ihr Amt. Das IOC spricht Samaranch mit 86:2-Stimmen das Vertrauen aus und beschließt auf dessen Initiative umfassende Reformen: Besuchsverbot von Olympia-Bewerbern, Einsetzung einer Ethik-Kommission und Schaffung eines Verhaltenskodex„, Herabsetzung des Alterslimits auf 70, Begrenzung von Präsidentschaften auf maximal 12 Jahre, Fraktionierung der maximal 115 Mitglieder: Neben 70 “freie„ Mitglieder jeweils 15 Athleten, NOK-Präsidenten und Führer aus 35 olympischen Verbänden. Gründung der Welt-Anti-Dopingagentur WADA. 2001: Der Belgier Jacques Rogge löst Samaranch ab, der zum Ehrenpräsidenten gewählt wird.

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