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Geschwister aus ecuadorianischem Guayaquil erleben Ferien in Malliß : Deutschland in Malliß erleben

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Es sind gut 16 000 Kilometer, die zwischen Malliß und Guayaquil in Ecuador liegen. Diese Wegstrecke bewältigten zwei Mädchen, um in in den eigenen Ferien in Deutschland eine Schule zu besuchen.

svz.de von
erstellt am 04.Mär.2011 | 11:47 Uhr

Es sind wohl gut 16 000 Kilometer, die zwischen Malliß und Guayaquil in Ecuador liegen. Diese Wegstrecke zu bewältigen, allein um in Deutschland eine Schule in den eigenen Ferien zu besuchen, darauf haben wohl die wenigsten Schüler so richtig "Bock". Anders liegt der Fall bei der zwölfjährigen Silvia Andrea und ihrer zehnjährigen Schwester Josefina Mußfeldt-Rizzo aus der südamerikanischen Stadt.

Die Teenager stiegen mit Oma Silvia nach über zwölfstündigem Interkontinentalflug in Frankfurt am Main aus dem Flieger, hoben gleich wieder in Richtung Hamburg ab, um von dort mit der Bahn nach Ludwigslust zu gelangen. Auf dem Bahnsteig wurden sie von Großtante Christine und Großonkel Klaus Wolf aus Neu Göhren empfangen, wo das Trio derzeit sein Urlaubsdomizil hat.

Die beiden Mädchen erleben nun seit Ende der Winterferien bis zum 25. März einen Schulbesuch, der auch für die Lehrer, Mädchen und Jungen der Regional- und Grundschule Malliß bislang einmalig ist. Ein Zusammensein, das durchaus exotisch, jedoch allemal bereichernd sei, meinte Schulleiter Bela Schmidt. Bei der Anbahnung des Unterrichtsbesuchs an der in gemeindlicher Hand geführten Schule, gab es mit Bürgermeisterin Brigitte Gäth und dem Lehrerkollegium nur Befürworter.

Die beiden Ecuadorianerinnen besitzen die doppelte Staatsbürgerschaft. Deutsch sprechen, das gehöre zum guten Ton in der Familie Mußfeldt-Rizzo, weiß Klaus Wolf. Die Wurzeln der südamerikanischen Familie liegen in Deutschland: Opa Peter Mußfeldt stammt aus Berlin, wuchs in Gera auf, flüchtete 1962 aus der Republik und studierte in Düsseldorf Kunst. Noch im gleichen Jahr siedelte er nach Guayaquil um. Der international renommierte Grafiker stellte zwischenzeitlich lateinamerikanische Kunst im "Museum of Modern Art" in New York aus, erhielt die Professuren für Techniken der Grafik an der Escuela Municipal de Bellas Artes und für Gestaltung an der Escuela de Comunicacion Monics Herrera in seiner Heimatstadt. Beruflich gestaltet er erfolgreich im unternehmerisch-internationalen Stil Sportbekleidung und Wandteppiche.

Eine Voraussetzung, damit alle seine Enkelkinder die deutsche Humboldt-Schule in Guayaquil besuchen und die Welt kennen lernen können. In Ecuador zur Schule zu gehen, das kostet Geld und ist ein Privileg. Dessen sind sich auch Silvia Andrea und Josefina bewusst.

Ob in der sechsten Klasse oder in der dritten, die beiden Mädchen mit dem dunklen Teint gehören zur Klassengemeinschaft in Malliß. Während Josefina nach wenigen Tagen bereits fest zur Mädchenclique der Klasse zählte, wird Silvia Andrea in der Gemeinschaft eher wegen ihrer zurückhaltenden Freundlichkeit geschätzt. "Die beiden Gäste müssen sich trotz ihrer besonderen Stellung in den Klassengemeinschaften eifrig am Unterricht beteiligen und ihre Hausaufgaben erledigen", berichtet Schulleiter Schmidt. Ihm war es bei der Vorbereitung dieser Integration wichtig, dass die Schwestern deutsche Schulkultur aus Malliß mitnehmen. Im Gegenzug erfahren die Mallisser Schüler einen Eindruck aus einer anderen Kultur. "Es ist schon ein Unterschied, ob im Geologieunterricht über die Galapagosinseln gesprochen wird, oder ob ein Augenzeuge, der direkt vor dem Archipel lebt und es häufiger besucht, seine Erlebnisse schildert", freut sich Klassenlehrerin Kerstin Markmann über die ausländische Bereicherung.

Was die beiden Südamerikanerinnen so an dem kleinen Stück Deutschland gefällt? Da wäre zum einen das Klima. In Ecuador ist jetzt Regenzeit, was Temperaturen um die 45 Grad Celsius, bei 95 Prozent Luftfeuchtigkeit mit Millionen Moskitos bedeutet. Besonders wichtig für den Deutschlandaufenthalt: Keine "Deutschland sucht den Superstar"-Sendung darf verpasst werden. Sebastian muss siegen, hoffen Josefina und Silvia Andrea.

Auf die ältere der beiden Schwestern wartet noch eine besondere Erfahrung: Sie geht auf Klassenfahrt an die Nordseeküste. Das werden sicherlich ganz besondere Tage und Eindrücke für sie werden. Denn der östliche Pazifik glänzt mit tiefblauen Gewässern, die derzeit eiskalte Nordsee eher mit grauen Fluten. Doch das dürfte eher eine Nebensache auf der Klassenfahrt sein. Wichtiger für Silvia Andrea werden wohl die Freundschaften mit gleichaltrigen Mallissern sein - der Rückflug um die halbe Welt startet dann am 25. März.


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