Deutsche Polizisten bei Anschlag in Afghanistan verletzt

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06. Juli 2008, 04:49 Uhr

Berlin/Kabul - Bei einem Anschlag im Kommandobereich der Bundeswehr im Norden Afghanistans sind zwei deutsche Polizisten verletzt worden. Die Beamten hätten bei der Explosion in der Provinz Kundus leichte Verletzungen erlitten, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums am Sonntag in Berlin. In Zentral-Afghanistan töteten US-geführte Koalitionstruppen nach offiziellen Angaben unterdessen den Chef einer Entführerbande, die vor knapp einem Jahr zwei deutsche Bauingenieure verschleppt hatte.

Unklar war nach Angaben des Bundesinnenministeriums, ob die Polizisten tatsächlich Ziel des Anschlags waren und ob es sich um einen Selbstmordanschlag oder eine Sprengfalle gehandelt habe. In dem gepanzerte Fahrzeug saßen drei deutsche Polizeiausbilder und ein afghanischer Übersetzer. Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, forderte nach dem Anschlag bestmöglichen Schutz für deutsche Polizisten in Afghanistan. „Wenn man nicht für ein Höchstmaß an Sicherheit sorgt, dann wird es natürlich schwierig werden, Kollegen freiwillig dort hinzubekommen“, sagte er der „Mitteldeutschen Zeitung“ (Montag). Rund 60 deutsche Polizisten sind derzeit als Ausbilder in Afghanistan tätig.

Zuvor hatte der stellvertretende Polizeichef der Provinz Kundus, Abdul Rahman Aaqtash, mitgeteilt, ein Wiederaufbauteam der Bundeswehr sei von einem Selbstmordattentäter angegriffen worden. Unter den Soldaten habe es keine Opfer gegeben. Allerdings seien drei Schulkinder verletzt worden. Die Bundeswehr bestritt, dass Soldaten Ziel eines Angriffs waren. „Deutsche Soldaten sind als Ziel und Opfer des Anschlags nicht beteiligt“, sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos in Potsdam.

Der mutmaßliche Drahtzieher der Entführung der Ingenieure, Mullah Nizamuddin, sei bei einem Gefecht mit US-Truppen in Provinz Wardak ums Leben gekommen, teilte am Samstag ein Sprecher des afghanischen Innenministeriums mit. Im Juli vergangenen Jahres waren in Wardak die Bauingenieure Rudolf Blechschmidt und Rüdiger D. verschleppt worden. Wenig später wurde die Leiche des 44-jährigen D. gefunden, den die Entführer nach einem Kreislaufkollaps erschossen hatten. Der 62- jährige Blechschmidt kam nach 85 Tagen Geiselhaft frei.

In der östlichen Provinz Nangarhar kamen am Sonntag nach Angaben örtlicher Behörden mehr als 20 Zivilisten bei einem US-Luftangriff ums Leben, darunter zahlreiche Frauen und Kinder. Der Chef des Distrikts Haska Mena beschuldigte die US-Truppen, eine Hochzeitsfeier bombardiert zu haben. Zuvor hatte der afghanische Präsident Hamid Karsai die Untersuchung eines weiteren US-Luftangriffs in der östlichen Provinz Nuristan angekündigt, bei dem am Freitag 16 Zivilisten ums Leben gekommen sein sollen. Die US-Truppen erklärten, beide Angriffe seien gegen Taliban-Kämpfer gerichtet gewesen.

Zivile Opfer bei Operationen ausländischer Truppen in Afghanistan sorgen in der Bevölkerung für zunehmenden Unmut. Die Regierung in Kabul und die Vereinten Nationen haben die Internationale Schutztruppe ISAF und die US-geführte Koalition mehrfach aufgefordert, vorsichtiger zu agieren.

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