zur Navigation springen

Enttäuschte Arbeitnehmer : Deutsche Chefs loben zu wenig

vom

Lob, Anerkennung und offene Ohren für Mitarbeiter sind in deutschen Büros und Werkshallen noch immer selten. Vorgesetzte legten zu wenig Wert auf Mitarbeiterbindung und schadeten damit ihren Betrieben, so eine Studie.

svz.de von
erstellt am 20.Mär.2012 | 06:32 Uhr

Berlin | Lob, Anerkennung und offene Ohren für Mitarbeiter sind in deutschen Büros und Werkshallen noch immer selten. Vorgesetzte legten zu wenig Wert auf Mitarbeiterbindung und schadeten damit ihren Betrieben, kritisiert eine neue Gallup-Studie. Das Beratungsunternehmen folgert aus einer Umfrage, dass knapp jeder vierte Angestellte (23 Prozent) schon innerlich gekündigt hat.

"Diese Menschen quälen sich morgens zum Job und fragen schon am Dienstag: Wann ist endlich Wochenende?", sagte Studienautor Marco Nink gestern in Berlin. Diese Mitarbeiter fehlten häufiger, demotivierten andere und verursachten damit einen gesamtvolkswirtschaftlichen Schaden von bis zu 124 Milliarden Euro im Jahr.

Nur etwa jeder Siebte (14 Prozent) ist nach der Studie Feuer und Flamme für seinen Betrieb. Die Mehrheit (63 Prozent) mache im Großen und Ganzen Dienst nach Vorschrift. Das habe sich auch trotz des kräftigen Aufschwungs in Deutschland kaum geändert.

Neun von zehn Angestellten äußerten sich dennoch zufrieden mit ihrer Arbeit. Etwa sechs von zehn gaben an, dass ihre Vergütung angemessen sei. Zufriedenheit und die emotionale Bindung an den Arbeitgeber seien aber zweierlei, sagte Nink. Nur jeder vierte erhalte für gute Arbeit Lob vom Chef, lediglich jeder dritte werde nach seiner Meinung gefragt. "Am Führungsverhalten hat sich in den letzten zehn Jahren wenig geändert."

Schlechte Mitarbeiterführung ist Gift für Unternehmen, besonders wenn der Fachkräftemangel weiter um sich greife, meint Carsten Steinert. Der Osnabrücker Professor für Personalmanagement fordert, dass Chefs besser für ihre Aufgabe ausgebildet werden. "Sie behandeln ihre Mitarbeiter nicht absichtlich schlecht. Der Grund ist häufig Unsicherheit - denn viele Führungskräfte werden ins kalte Wasser geworfen." Unternehmen könnten noch so viel ausgeben, um neue Leute anzuheuern. "Wenn die sich nicht wohlfühlen, sind sie schnell wieder weg."

Doch ein guter Chef allein bringe keine glücklichen und motivierten Mitarbeiter, meint der Deutsche Gewerkschaftsbund. Nach dessen "Gute-Arbeit-Index" ist die Führungsqualität in Deutschland zwar nur mittelmäßig. Einkommen und Aufstiegsmöglichkeiten ließen aber noch mehr zu wünschen übrig. Auch der Druck steige.

Deutschland liegt laut Gallup beim Thema Führungsverhalten der Chefs im internationalen Vergleich im unteren Mittelfeld, am besten standen demnach zuletzt die USA da. Auch Nachbarländer wie Österreich und die Schweiz erzielten bessere Werte.

Gallup Deutschland berät große Unternehmen und schult Führungskräfte. Für die Untersuchung wurden 1323 zufällig ausgewählte Arbeitnehmer ab 18 Jahren von Oktober bis Dezember 2011 telefonisch interviewt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen