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Kreisjagdverband Ludwigslust: Ehrenamt, Hege und Pflege in Gefahr : Deutliches Nein zur Gebietsreform

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Der Kreisjagdverband ist eine Gemeinschaft von 17 Hegeringen, die in schwierigen Zeiten durchaus zu unkonventionellen Mitteln greift, um mit der Kraft des stärksten Kreisverbandes für die Zukunft gewappnet zu sein.

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erstellt am 17.Apr.2011 | 09:59 Uhr

Ludwigslust | Der Kreisjagdverband Ludwigslust ist eine geschlossene Gemeinschaft von 17 Hegeringen, die in schwierigen Zeiten durchaus zu unkonventionellen Mitteln greift, um mit der Kraft des stärksten Kreisverbandes für die Zukunft gewappnet zu sein. So geschehen auf der jüngsten Delegiertenversammlung der 1137 zahlenden Mitglieder in der Ludwigsluster Stadthalle: Präsident Wilfried Röpert erhielt die einstimmige Rückenstärkung, den Gesamtvorstand nach der turnusmäßigen Amtsperiode von vier Jahren ein weiteres Jahr in Amt und Würden zu belassen.

Hintergrund dieser auch amtlich genehmigte Verlängerung ist die immer noch nicht geklärte Situation der Kreisgebietsreform. Die waidmännische Gegemeinschaft sieht es als notwendig, dass die Alterfahrenen in die Zukunft führen sollen. Röpert selbst bezog zur Kreisreform aus Sicht des Kreisjagdverbandes eindeutig Stellung: "Die Kreisreform ist überflüssig, sorgt bei den Jägern in Ludwigslust wie Parchim nur für Unruhe ohne dabei etwas zu bewirken. Das Ehrenamt wie die Hege und Pflege des Natur- und Wildschutzes laufen Gefahr auf der Fläche verloren zu gehen. Wir müssen uns einmischen."

Das muss bei Kreistagspräsidentin Gisela Schwarz und Landrat Rolf Christiansen wie funkelnder Wein im Glas gewirkt haben. Die Kreistagspräsidentin betonte in ihren Grußworten dann auch, dass die Kreisgebietreform "überflüssig wie ein Kropf ist". Sie könne sich auch Großkreise Mecklenburg und Vorpommern ohne eine Landesregierung vorstellen. Diese Art von Verwaltung würde dem Ehrenamt zuträglicher sein. Landrat Christiansen setzt auf das anhängige Urteil des Landesverfassungsgerichts. Jedoch bereitet sich die Verwaltungen auf die Fusion vor, so wie auch auf die Schaffung eines einheitlichen Jagdkatasters weiter viel Aufmerksamkeit gelegt wurde. Auch für das Ehrenamt im Jagdwesen sah der Landrat große Probleme, dieses Engagement dann territorial erschöpfend zu leisten.

Schwarzwild verursacht die häufigsten Schäden

Ein anderes Problem beim auch finanziell gut aufgestellten Kreisjagdverband Ludwigslust sind die Tierbestände bei Rot-, Dam- und Schwarzwild auf dem 232 000 Hektar großen Verbandsterrain. Erlegt wurden im abgelaufenen Jagdjahr 699 Stück Rotwild (6055 im Land), 1628 Stück Damwild (9520), 6561 Stück Schwarzwild (57 737), 7123 Stück Rehwild (63269) - wo von allein 1000 Rehe bei Verkehrsunfällen getötet wurden -, 2277 Füchse wurden erlegt, 55 Waschbären, 583 Marderhunde (landesweit rückläufiger Bestand), 323 Dachse, 923 Enten, 290 Gänse und erfreulicherweise auch 265 Hasen, dessen Bestand sich leicht erholt habe, berichtete der Präsident.

Diese Zahlen ziehen Folgen nach sich, wie der Vorsitzende der Wildschadens-ausgleichskasse für den Landkreis Ludwigslust, Jürgen Behrends, informierte. In diesem Jahr wird die Erstattung wohl die 100 000 Euro-Grenze erreichen. Insbesondere die Schwarz-, Rot- und Damwildbestände wachsen weiter an. 75 Prozent aller Schäden stammen vom Schwarzwild. Behrends forderte zum Eingreifen auf. Nach sechs Jahren Ruhe bei den Beiträgen werden die wohl zum Sommer steigen. Es müsse zu einem stetigen Austausch zwischen Landwirte, Jäger und Pächter kommen, um wirksam die Hege der Bestände zu stützen. Auch der intensive Mais- und Rapsanbau hat die Schäden durch Wild zu Lasten der Kasse in die Höhe schnellen lassen.

Erfreuliches gab es vom Jagdlichen Schießen: Erstmals siegte der Kreisjagdverband Ludwigslust in der Offenen Klasse, mit der Kugelbüchse wurde zum zweiten Mal in Folge ebenfalls der erste Platz belegt, und nochmals der vorderste Rang sprang heraus, als alle Leistungsklassen zu einem Gesamtergebnis zusammengefasst wurden. Erfreulich zudem: Die Schützen der Altersklasse platzierten sich auf einem dritten Platz im Gesamtklassement.

Auch die Gebrauchshunde aus dem Ludwigsluster Verband bestechen; und zwar durch ihre exzellente Ausbildung die daraus resultierende empfindliche Nase. Insgesamt 265 Hunde stehen für die Jagd bereit. Allerdings, so die Aufforderung des Beauftragten, müsse die Beteiligung an Hegeringschießen zunehmen. Jeder Schütze benötige bestimmte Voraussetzungen für den scharfen Schuss im Verlauf einer Jagd.

Es folgten hohe Auszeichnungen: Fritz Döscher aus Hohenwoos wurde mit der Goldenen Verdienstnadel des Landesverbandes ausgezeichnet. Heinz Braun aus Ludwigslust erhielt das Hundeführerabzeichen in Gold, Hermann Kühne und Wolf-Eckhard Schröter (beide Hegering Boizenburg) nahmen die Silberne Verdienstnadel entgegen.

Der Hegering Boizenburg erhielt zudem vom Kreisverbandvorsitzenden zusätzlich eine 500 Euro wertvolle Zuwendung für die Pflege von Niederwild.

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