„Desaströse Personalsituation“Rostocker Polizei-Gewerkschafter schreiben Brief an Polizeichef

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29. Juli 2008, 08:49 Uhr

Rostock - Personalnot bei der Polizei: Beamte in Rostocker Polizeirevieren müssen bis zu 25 Einsätze pro Schicht fahren, weit mehr als in andere Revieren, die Arbeitszeitverordnung zählt nicht, Wochenendschichten treffen an mehreren Wochenenden hintereinander immer wieder die gleichen Kollegen. In einem offenen Brief der Gewerkschaft der Polizei beschwert sich deren Kreisgruppenvorsitzender, Peter Voß, jetzt bei Chef der Polizeidirektion Rostock, Thomas Laum, über die prekäre Situation.

Erste Beamte hätten wegen permanenter Überlastung bereits Entlassungsgesuche aus der Einsatzeinheit der Polizeidirektion eingereicht, weil sie sich „nicht mehr in der Lage sehen, der zusätzlichen Beanspruchung gerecht zu werden“, so Voß. „Der jahrelange Personalabbau ist deutlich spürbar“, schreibt der Gewerkschafter.

Die Rostocker Polizeidirektion ist mit 1197 Beamten und Angestellten die größte der fünf Polizeidirektionen im Land und umfasst die Kreise Bad Doberan, Güstrow und die Stadt Rostock. Gino Leonhard, innenpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Landtag, der die Beamten im Frühsommer besuchte, spricht von einer „mehr als desaströsen“ Personalsituation der Polizei im Land.

„Dieser Hilferuf muss durch den Innenminister Lorenz Caffier ernst genommen werden.“ Die FDP will das Thema in den Innenausschuss des Landtages bringen. Dazu sollen der Leiter der Polizeidirektion in Rostock als auch die Vertreter der entsprechenden Gewerkschaften gehört werden.

Rostocks Polizeichef Thomas Laum gesteht ein: „Mir ist bewusst, dass viele der Beamten in der zurückliegenden Zeit in erheblichem Maße durch die Bewältigung des täglichen Dienstes und besonderer Einsatzlagen gefordert wurden.“ Durch wiederholte Einsätze an den Wochenenden habe es Einschränkungen im Privatlebens für viele gegeben.

Laum spricht von „Belastungsgrenzen“. Im Herbst wolle man die Personaldecke überarbeiten. Allerdings schränkt der Polizeichef zugleich ein, dass mit beginnender Fußballsaison mit Spielen in in unterschiedlichen neue Belastung bringen werden, die sich sicherlich von anderen Bereichen des Landes unterschieden.

Die Gewerkschaft unterkühlt: „Wir werden in der Summe nicht mehr Polizeivollzugsbeamte haben.“ Fußballspiele in unterschiedlichen Ligen bedeuten, dass „jede Woche während der Spielsaison ein Heim- und parallel ein Auswärtsspiel stattfindet, und werden zur Verschärfung der Aufgaben- und Einsatzbelastung führen“. Originäre Polizeiaufgaben könnten nicht mehr wahrgenommen werden.

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