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Premiere für "Hummelflug" im Schweriner E-Werk : Der Zeitgeist tanzt

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Mit "Hummelflug - Klassik trifft Moderne" im Schweriner E-Werk lassen der belgische Choreograph Lode Devos und Ballettdirektor Sergej Gordienko den modischen Zeitgeist tänzerisch los.

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erstellt am 12.Apr.2013 | 06:51 Uhr

Schwerin | Der Raum im Halbdunkel ist archaisch, im Halbrund Stühle vor rohen Wänden. Gregorianischer Gesang zu ritueller Bewegung. Beginnt hier eine Messe des Tanzes? Gefeiert wird der Körper in fließender und explosiver Bewegung, Emotion wird anschaulich in Schattierungen und im Ausbruch. Nach einem spielerisch-ironisch hingetupften Haydn-Andante rastet der Tanz aus zur Heavy Metal-Überspannung nach Green Jelly.

Mit "Hummelflug - Klassik trifft Moderne" im Schweriner E-Werk lassen der belgische Choreograph Lode Devos, geschult bei Maurice Béjart, und Ballettdirektor Sergej Gordienko den modischen Zeitgeist tänzerisch los. Getragen von Barocktönen Vivaldis oder befeuert im Rhythmus von Les tambours du Bronx, mischen sich analog der ungehemmten Crossover-Musik sportive und kämpferische Gruppendynamik, heftig Soli, Duette, Trios, Quartette.

Der Grunge von Nirvana geht über in die Kreuzung, mit der Lambarena Bach to Africa geistliche Musik von Johann Sebastian Bach mit Klängen aus Gabun verbindet als Hommage für Albert Schweitzer. Auch trifft Tom Waits auf Aerosmith.

In gleichen Kontrasten mischt sich klassisch genormtes Tanzvokabular mit dem ungebundenen der Moderne, mit flatternden, zuckenden, verwundenen Zeichen. Die ideelle Tanzform, die traditionell in die Höhe strebt, und die freie Verformung, die zum Boden geht, sie kommunizieren miteinander zwischen Flötentönen, Songs und Rock-Lärm. Spaß, Glückssuche, Konflikte, Scheitern sind zu erkennen in choreographischen Miniaturen, die Phantasie herausfordern.

Die Episoden soll der "Hummelflieger" auf Rimski-Korsakows vertrommeltes, nur noch zu ahnendes Bravourstück verketten. Das erweist sich als dramaturgische Kopfgeburt, die erkennt, wer von ihr weiß. Dennoch: Maxim Perju tanzt diese Figur hinreißend clownesk, stolzierend, vibrierend, ein Flummi voller Witz, der aus dem Spotlight das Licht einsacken will. Wie Perju auch in anderen Piecen glänzt.

Es ist eine Messe impulsiver Ensembles, vehement erfüllt von der Compagnie und aus ihr heraus immer wieder profilierte Soli. Mehrfache von Kellymarie Sullivan mit ihrer Expressivität. Ein berührend beredtes Duett auf "Blue Valentines" von Igor Voloshyn und Davina Kramer, die mit dieser Premiere ihre Karriere überraschend beendet; das ist ein Verlust. Ana Belén Villalba und Tom Bergman hochgespannt bei "Send in the Clowns". Poppig Katharina Maria Schmidt in "Fresh".

Die Verbindungen wie die Brüche der Stile pulsieren. Der jugendliche "Hummelflug" ist ein wildes Treffen zwischen Klassik und Rock. Bravi vom Premierenpublikum.

Nächster Termin: 14. April, 18 Uhr, E-Werk. Karten: (0385) 5300123 oder: kasse@theater-schwerin.de

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