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Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Polizei und Rechtspflege Güstrow : Der tägliche Kampf um die Dusche

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Aus dem Alltag zweier Polizeistudenten an der Güstrower Verwaltungsfachhochschule: 6.30 Uhr. Der Wecker klingelt. Flo schaut ungläubig zu Andrej hinüber. Wieder ist eine Nacht vorbei...

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erstellt am 06.Mär.2012 | 06:49 Uhr

6.30 Uhr. Der Wecker klingelt. Flo schaut ungläubig zu Andrej hinüber. Wieder ist eine Nacht vorbei - eine Nacht im Wohnheim der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Polizei und Rechtspflege Güstrow. Florian Müller und Andrej Krosse sind Studenten im Fachbereich Polizei, zwei von rund 60, die jährlich in Mecklenburg-Vorpommern eingestellt werden. Sie teilen sich ein 20 Quadratmeter großes Zimmer und damit ihre Angewohnheiten - gute wie schlechte. Florian Müller möchte duschen und kann nicht, ein Kommilitone aus dem benachbarten Zimmer hatte dieselbe Idee und war schneller. Die Zimmer im Wohnheim sind so aufgebaut, dass sich vier Studenten ein Bad teilen, dass sich jeweils zwischen zwei Zimmern befindet. Hier können die angehenden Kommissare täglich ihr Organisationstalent unter Beweis stellen. Dieses ist für einen Polizeibeamten nicht gerade unerheblich, denn sich eine Dusche mit vier Mann zu teilen, kann durchaus eine Herausforderung darstellen.

Mit Gesetzestexten geht es morgens in den Hörsaal

Nachdem Florian Müller es dann doch noch unter die Dusche geschafft hat, folgt das "reichhaltige" Frühstück, das er sich in der Gemeinschaftsküche zubereitet. Andrej Krosse frühstückt bereits. "Zwei Toasts mit Schokocreme, das muss erst einmal reichen", sagt er. Flo schließt sich an. Gestärkt und "bewaffnet" mit Gesetzestexten begeben sich die beiden auf den Weg in den Hörsaal. Die erste Vorlesung am heutigen Tag behandelt das Dienstrecht, welches u. a. die Arbeits- und Urlaubszeiten regelt. Nach 90 Minuten ist die erste von vier Unterrichtseinheiten beendet. "Dann heißt es für uns umdenken und sich auf ein neues Thema einlassen", erklärt Florian Müller. Aber vorher stärken sich beide erst einmal in der Cafeteria der Fachhochschule mit einem Käsebrötchen. "Die sättigende Wirkung der zwei Toasts lässt merklich nach", wirft Andrej Krosse ein.

Thema der nächsten Vorlesung ist das Versammlungsrecht. Anhand von anschaulichen Beispielen lernen die Polizeistudenten, was Versammlungsteilnehmern erlaubt ist und bei welchen (Straf)Taten während einer Versammlung die Ordnungshüter, und damit demnächst auch sie persönlich, einzuschreiten haben. Schon wieder sind 90 Minuten um und mit ihnen die Vorlesung. Und trotz all der Paragrafen sind die beiden Brandenburger Andrej Krosse und Florian Müller noch gut gelaunt.

Sie kannten sich bereits vor Beginn ihres Studiums und haben sich zusammen bei der Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern beworben. "Und wir bereuen diesen Schritt nicht", sagt Andrej Krosse. Sie haben sich den hohen Anforderungen des Einstellungstests, der aus einem Diktat, einem Intelligenztest, einem Sporttest und einem Vorstellungsgespräch besteht, gestellt, diesen erfolgreich bewältigt und sich damit gegen eine Vielzahl von Bewerbern durchgesetzt. Sicherlich auch ein Grund gut gelaunt zu sein.

Mittags sind Energiereserven aufgebraucht

Thema des letzten Vortrages vor dem Mittagessen sind die häufigsten Unfallursachen in Deutschland, speziell in Mecklenburg-Vorpommern, wie beispielsweise das Fahren unter Alkoholeinfluss und nicht angepasste Geschwindigkeit, sprich Rasen. Die Konzentration lässt langsam nach bei Andrej Krosse und Florian Müller. "Die Energiereserven sind aufgebraucht, da kommt das Ende der Vorlesung gerade recht", sagt er. Die Mensa der Fachhochschule wirkt jetzt wie ein Magnet auf die beiden, aber leider nicht nur auf sie. Anstehen ist angesagt und beide haben Zeit, sich für eines von vier angebotenen Gerichten zu entscheiden.

Zehn-Kilometer-Lauf am Nachmittag als Ausgleich

Nach dem Mittag folgt der Ausgleich zum mit Theorie beladenen Vormittag: ein Zehn-Kilometer-Lauf. Der Bus bringt Andrej Krosse und Florian Müller sowie ihre Kollegen nach Koitendorf. Von hier aus laufen die Studenten die Strecke zurück zur Fachhochschule. Aber nicht nur Sport gehört zum Praxisanteil des Polizeistudiums, sondern auch Einsatzbezogenes Training, sprich Selbstverteidigung, oder auch Schießtraining. "Allerdings müssen die Studenten auch außerhalb des Dienstes eine gewisse Zeit in sportliche Aktivitäten investieren, um optimal auf den Polizeidienst vorbereitet zu sein", so Florian Müller. Für die beiden Freunde als ehemalige Schüler der Sportschule in Potsdam ist das eher Lust statt Frust. Sie sind zwei- bis dreimal in der Woche im Kraftraum der Fachhochschule aktiv und laufen regelmäßig. Florian Müller spielt zusätzlich zweimal wöchentlich Volleyball mit Studenten aus allen Studienbereichen der Fachhochschule.

Weiterhin engagiert sich Florian Müller noch im Personalrat der Fachhochschule Güstrow, in dem er für die Belange der Auszubildenden und Jugendlichen eintritt.

Doch leider hat auch der Tag an der Verwaltungsfachhochschule Güstrow nur 24 Stunden und somit heißt es für beide, sich irgendwann gegen 23.30 Uhr zur Ruhe zu begeben, um dem nächsten Tag eine Chance zu geben. Und wer weiß, vielleicht ist Florian Müller dann ja der Erste unter der Dusche.

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