Der Streit ums Zeugnis

Sie kämpften um den Erhalt ihrer Schule, erzielten in der Laptopaffäre einen Kompromiss. Jetzt ficht die Gesamtschule Pritzwalk ihr wohl vorerst letztes bürokratisches Gefecht: Es geht um die Bezeichnung der Zeugnisse.

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17. Oktober 2008, 08:24 Uhr

Pritzwalk Pritzwalks Parteien, allen voran die SPD, Landkreis, Staatliches Schulamt, Landtagsabgeordnete und das Bildungsministerium selbst sind beteiligt. Hintergrund ist die Umbenennung der Schule in Oberschule. Diese erfolgte laut Schulstrukturgesetz automatisch zum 1. August 2008, da die bisherige Gesamtschule keine Jahrgangsstufe 11 mehr besitzt und voraussichtlich im nächsten Jahr aufgelöst wird – der dazu notwendige Kreistagsbeschluss steht aber noch aus.

Damit würde der letzte Abiturjahrgang 2009 einen offiziellen Zeugniskopf einer Oberschule erhalten, befürchten Kritiker wie Pritzwalks SPD-Ortsverband. Das wäre irreführend, da Oberschulen kein Abitur anbieten, argumentiert der stellvertretende Vorsitzende Jörg Schilling. Zudem befürchtet er dadurch Nachteile für die Schüler, wenn sie sich bewerben. Der Ortsverband spricht von „Diskriminierung“ und von einem „Imageschaden für die Abiturienten“. Daher fordere er eine Ausnahmegenehmigung, so dass auf den Zeugnissen „Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe“ stehe.

Danuta Schönhardt, im Landkreis zuständig für Schulverwaltung, kennt den Fall. Telefonate, E-Mails und Briefe habe es mit der Schulleitung gegeben sowie persönliche Gespräche mit der Rechtsaufsicht des Staatlichen Schulamtes. Auch das Ministerium sei eingeschaltet worden, ohne eine Ausnahme erzielen zu können, sagt Danuta Schönhardt und verweist auf ein Schreiben des Ministeriums, datiert vom 14. Oktober.

Darin wird die Schulumwandlung bestätigt: „Die Änderung erfolgte durch Gesetz und bedarf keines weiteren Verwaltungshandelns (Beschluss des Schulträgers). Eine Ausnahmeregelung für Gesamtschulen, die darüber hinaus ohnehin ’auslaufen’, besteht nicht.“

Zum Thema Zeugnis heißt es weiter: „Abgesehen von der Bezeichnung der Schule verändern sich die Zeugnisformulare nicht.“ Möglich sei aber, den Namen Oberschule durch den Zusatz „geänderte Gesamtschule“ zu ergänzen. Mit einer weiteren Formulierung könne nochmals der Übergang der an der Gesamtschule unterrichteten Klassen an die Oberschule verdeutlicht werden, so das Ministerium am vergangenen Dienstag.

Nur einen Tag später, habe das Ministerium seine Meinung geändert. Das sei das Ergebnis eines Gesprächs mit der SPD-Landtagsabgeordneten Klara Geywitz. „Die Schüler haben sich aktiv für die Gesamtschule entschieden, wollten dort ihr Abitur machen“, sagt die stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Jetzt einen neuen Namensstempel für eine Schule anzuschaffen, die nie existieren wird, sei „eine bürokratische Übertreibung“. Klara Geywitz setzte sich offenbar erfolgreich für eine Ausnahme ein, so dass die Abizeugnisse mit Gesamtschule überschrieben werden dürfen.
Eine offizielle Bestätigung erhielt unsere Redaktion gestern allerdings nicht. Der Fall sei nicht ganz einfach, so der Ministeriumssprecher. „Aber wir suchen eine Lösung im Interesse der Schüler“, sagte er und zeigte sich optimistisch, diese zu finden.

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