Der Problemboxer - Ausgerechnet vorm ersten WM-Kampf erneut Ermittlungen gegen Brähmer

Er soll in einer Schweriner Bar einen Gast geschlagen haben. Foto:
Er soll in einer Schweriner Bar einen Gast geschlagen haben. Foto:

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02. September 2008, 08:27 Uhr

Schwerin - Ratlosigkeit im Hamburger Boxstall Universum. Selbst Trainer Michael Timm wusste nichts von den neuerlichen staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen seinen Schützling Jürgen Brähmer. „Mit mir hat er darüber bisher nicht gesprochen“, sagte der 45-jährige Erfolgstrainer gestern im Gespräch mit unserer Zeitung. Brähmer sei sportlich in Topform und bereite sich auf einen großen Kampf vor.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den 29-jährigen Brähmer, weil er wieder einmal außerhalb des Rings zugeschlagen haben soll. Nach Informationen unserer Redaktion aus Ermittlerkreisen sei er am frühen Morgen des 31.

Mai mit einem 46-jährigen Gast in der „Booze Bar“, einer Szenekneipe in der Schweriner Innenstadt, in Streit geraten. Der Gast rief die Polizei. Bevor die Beamten jedoch eintrafen, soll Brähmer an der Tür den Mann mit einem Faustschlag am Kopf getroffen und sich dann entfernt haben.

„Wir ermitteln gegen Jürgen Brähmer wegen Körperverletzung“, sagte Oberstaatsanwalt Hans-Christian Pick. Brähmer selbst wollte sich gegenüber unserer Redaktion nicht äußern.
Auch der Pressestelle des Boxstalls Universum waren die Ermittlungen bis gestern nicht bekannt.

Ausgerechnet heute will Universum in Dresden den heiß ersehnten ersten WM-Kampf von Brähmer gegen Hugo Hernan Garay (Argentinien) ankündigen. Am 18. Oktober soll der Schweriner in der Elbestadt gegen den WBA-Weltmeister in den Ring steigen. Für Brähmer wäre es der Kampf seines Lebens.

Welchen Einfluss die Vorwürfe und Ermittlungen auf den Fight und die Karriere des Sportlers haben, konnte gestern noch keiner im Boxstall sagen. Auch die Staatsanwaltschaft hält sich mit Aussagen zurück. „Noch ermitteln wir die Hintergründe“, so Pick.

Universum-Sprecher Christof Hawerkamp erinnerte daran, dass auch im vergangenen Jahr in einem Verfahren wegen Körperverletzung gegen Brähmer ermittelt wurde, der Prozess aber schließlich mit einem Freispruch endete. Damals ging es darum, dass der gelernte Schweißer einen Mann mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen haben sollte, der sich an Brähmers Auto zu schaffen gemacht hatte.

Zuvor gab es allerdings mehrere Verurteilungen des gebürtigen Stralsunders. Im Jahr 1998 wurde er wegen gemeinschaftlichen Raubes und schwerer Körperverletzung zu einer 42-monatigen Jugendstrafe verurteilt.

2002 kamen eine Verurteilung wegen Körperverletzung und weitere 30 Monate Haft hinzu. In Hamburg hatte das Boxtalent ohne Führerschein einen Unfall gebaut und den ihn verfolgenden Unfallgegner niedergeschlagen. Wie im Ring: kurz und kompromisslos.

Im September 2005 wurde Brähmer auf Bewährung entlassen. Doch die Bewährungsfrist würde erst Mitte dieses Monats auslaufen. Eine Verurteilung wegen der Auseinandersetzung im Mai in der „Booze Bar“ hätte deshalb verheerende Folgen für Jürgen Brähmer und könnte sein Karriereende bedeuten.

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