Parchimer Arzt hilft : Der Nepal lässt Arzt nicht mehr los

Häufig übernehmen die Angehörigen im Amppipur-Krankenhaus die Pflege ihrer Angehörigen selbst. privat
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Häufig übernehmen die Angehörigen im Amppipur-Krankenhaus die Pflege ihrer Angehörigen selbst. privat

Dr. Rüdiger Wenzel, Chefarzt der Parchimer Asklepios Klinik, hilft seit zehn Jahren jeweils für mehrere Wochen in einer Bergklinik im Nepal. Am 7. November lädt er zu einem Vortrag ins Parchimer Solitär ein.

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01. November 2012, 10:05 Uhr

Die Wände im Chefarztzimmer von Dr. Rüdiger Wenzel in der Parchimer Asklepios Klinik zieren wunderschöne Fotos mit den gigantischen Bergen des Himalaya und Porträts von Menschen, die auf den ersten Blick in einer faszinierenden, aber auch fremden Welt leben. Aufgenommen hat sie der Mediziner in den vergangenen zehn Jahren im Nepal, einem der ärmsten Länder auf "dem Dach dieser Welt". "Immer, wenn es meine Zeit erlaubt, ziehe ich mit dem Fotoapparat los, um das Leben einzufangen. Das ist dann der Ausgleich für die ziemlich anstrengende Arbeit", sagt der Chirurg, der in Parchim als Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Abteilung für Orthopädie und Unfallchirurgie tätig ist.

Seit 2002 nimmt sich Dr. Rüdiger Wenzel einmal im Jahr eine Auszeit, um im Auftrag der internationalen Hilfsorganisation "Nepaled e.V." für mehrere Wochen im Amppipal Community Hospital als Mediziner zu helfen. "Ich nehme dafür eine unbezahlte Freistellung in Anspruch. Und dies ist nur möglich, weil dann meine Kollegen in Parchim meine Arbeit mit übernehmen", betont der 55-Jährige. In diesem Jahr ist er vom 1. bis 29. Juni erneut ins rund 6300 Kilometer entfernte Land gereist.

Das Ende der 60er Jahre erbaute Krankenhaus in etwa 3000 Metern Höhe kennt Dr. Rüdiger Wenzel inzwischen aus dem Effeff. Im Vorjahr hat er während des vierwöchigen Einsatzes zum ersten Mal die medizinische Leitung übernommen. "Hier herrschen völlig andere Bedingungen als bei uns in Parchim. Für mich als Arzt ist es wie der Weg zurück zu den Wurzeln und es erinnert ein wenig an die frühere DDR-Zeit", gibt Dr. Wenzel zu bedenken. Er pendelt während des zwölftündigen Arbeitstages von der Ambulanz, der Sta tion mit 46 Betten und dem Operationssaal hin und her. "Da ist ein Splitter zu entfernen, ein Blinddarm zu operieren oder der offene Knochenbruch und die Schilddrüsenkrankheit zu behandeln. In einem Monat habe ich so 68 Operationen durchgeführt", berichtet der sehr erfahrene Chirurg. Vor Jahren waren die Bedingungen längst nicht so gut wie heute. "Für den armen Nepal gibt es in unserem Bergkrankenhaus inzwischen dank der internationalen Unterstützung eine passable Ausstattung. Davon profitieren die Patienten, die aus einer weiten Umgebung in die Klinik gebracht werden, sehr", freut sich Dr. Rüdiger Wenzel. In seiner sechstägigen Arbeitswoche bleibt kaum Zeit, um sich mit Land und Leuten vertraut zu machen. Umso wichtiger ist der Kontakt mit den Nepalesen. Dr. Wenzel kann sich mit ihnen inzwischen nicht nur auf Englisch, sondern auch auf Nepali, der offiziellen Amtssprache, verständigen. "Die Menschen sind sehr freundlich, geduldig und dankbar. Man bekommt mehr zurück als man gibt", ist sich Dr. Wenzel sicher. Für ihn sei das seit Jahren die Motivation, die begonnene Arbeit fortzuführen. "Für einen Mediziner ist es wichtig, über den Tellerrand zu schauen. Man muss einfach akzeptieren, dass wir in Europa auf einer gol denen Insel leben", gibt er zu bedenken. Umso größer der Abstand zur Heimat sei, umso kleiner erscheinen die eigenen Probleme. Dabei denkt der Mediziner auch an die gravierenden sozialen Probleme der Frauen im Nepal, die vielfach mit schweren Depressionen in die Klinik gebracht werden. In einem Land, in dem es kein staatliches Gesundheitswesen gibt und die soziale Absicherung komplett fehlt, sind die Schwächsten der Gesellschaft auf Hilfe aus dem Ausland angewiesen. "Es gibt Anzeichen für ein Umdenken. Mit einem Stipendium ist es nun auch Kindern aus armen Verhältnissen möglich, Medizin zu studieren. Bisher gibt es im Nepal nur rund 4000 Ärzte für 30 Millionen Einwohner", sagt Dr. Wenzel.

Am Mittwoch, dem 7. November lädt er um 19 Uhr ins Solitär des Landratsamtes in der Putlitzer Straße ein, um über Erfahrungen und Erlebnisse im Nepal zu berichten. Dabei gibt es Informationen aus erster Hand über die Arbeit des Hilfsvereins "Nepalmed". Der Eintritt ist frei und es gibt auch einen Imbiss. "Wir freuen uns über eine Spende für die Organisation. Am Abend bieten wir auch den Nepalmed Kalender 2013 zum Kauf an", sagt Dr. Rüdiger Wenzel.

Freuen dürfen sich die Gäste an diesem Abend auch auf neue Bilder, die Dr. Wenzel, der seit vielen Jahren leidenschaftlicher Fotograf ist und sogar ein entsprechendes Fernstudium absolviert hat, zeigen wird. Eins steht fest: Im nächsten Jahr geht es wieder auf das "Dach der Welt".

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