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Jörg Rudolph findet als Modellbauer neue berufliche Perspektive : Der Münster-Architekt

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Der Nachbau des Doberaner Münsters gestaltet sich langwieriger, als es sich Jörg Rudolph vorgestellt hat. Seit über einem Jahr baut er mit Helfern an dem mannshohen Modell, das einmal im Miniland Göldenitz stehen soll.

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erstellt am 28.Jul.2011 | 06:07 Uhr

Göldenitz | Der Nachbau des Doberaner Münsters gestaltet sich langwieriger, als es sich Jörg Rudolph vorgestellt hat. Seit über einem Jahr baut der gelernte Dachdecker mit Helfern an dem mannshohen Modell, das einmal seinen Platz in der Freiluftausstellung im Miniland Göldenitz bei Rostock finden soll.

Als Modellbauer hat Rudolph eine neue berufliche Perspektive gefunden, nachdem er lange Zeit arbeitslos war. Als Ein-Euro-Jobber begann er in der Modellwerkstatt des Arbeitsförderungs- und Fortbildungswerk AFW. Hier hat er jetzt einen festen Job und leitet selbst Modellbauer an. "Allein an dem Münster haben in den vergangenen Monaten gut 50 Mitarbeiter mitgebaut", sagt der 50-Jährige. Die meisten blieben nur fünf Monate in der Maßnahme, wie es bei Ein-Euro-Jobbern üblich sei. Dass die Mitarbeiter oft keine Erfahrung mit Modellbau haben, stört Rudolph nicht. "Wir möchten ja auch, dass man sieht, dass alles Handarbeit ist - und die hat halt Ecken und Kanten", sagt der Projektleiter.

Modellbau ist Puzzlearbeit

Das Modell des Münsters in Bad Doberan ist alles andere als klein: Es ist 3,60 Meter lang, 2,00 Meter breit und mit Turm 2,80 Meter hoch. Der Bau ist eine Puzzlearbeit, für die möglichst originalgetreue Baumaterialien verwendet werden. "Wir haben winzige Steine aus Spaltklinker, das Dach ist mit echtem Kupfer gedeckt, und wir verwenden echte Fassadenfarben", sagt Rudolph. Noch fehlen Tausende der kleinen Backsteine, auch der Turm ist - wegen der geringen Raumhöhe in der Rostocker Werkstatt - noch nicht aufgesetzt.

Seit 1998 betreibt das AFW die Modellbauwerkstatt. Seitdem entstanden unter den Händen von etwa 1000 Frauen und Männer 64 imposante Modelle von Bauten aus Mecklenburg-Vorpommern, die im Miniland in Göldenitz zu sehen sind: Leuchttürme, Schlösser und Gutshäuser, Windmühlen und markante Wohnhäuser - alles maßstabgerecht und originalgetreu.

Von der Geduld und der professionellen Handarbeit der "Bauherren" ist auch Maike Krause immer wieder begeistert. Sie ist als AFW-Abteilungsleiterin für die Freiluftausstellung zuständig. "Es ist einfach toll, was Leute hier schaffen, denen eigentlich keiner mehr was zugetraut hat", sagt Krause. Dass der Modellbau für viele Langzeitarbeitslose wieder Ansporn und Motivation ist, sich aus eigener Kraft aus der Hilfebedürftigkeit zu befreien, kann auch Rudolph bestätigen. Etwas zu schaffen, das dann auch der breiten Öffentlichkeit präsentiert wird, lasse einen wieder an die eigene Leistungsfähigkeit glauben. Viele Modellbauer kämen später wieder in das Miniland und zeigten Freunden und der Familie stolz ihre Arbeiten, sagt Krause. Ein paar Monate werden der "Münsterarchitekt" Rudolph und seine Mitarbeiter noch mit dem 700 Kilogramm schweren Doberaner Nachbau beschäftigt sein. Das Fundament des Münsters ist im Park bereits fertig. "Das Projekt liegt uns sehr am Herzen, weil es das Modell ist, bei dem die meisten Besucher fragen, wann es kommt", sagt Krause. Neben der Puzzlearbeit des Einfügens der Backsteine fehlt noch ein ganz wichtiges Detail: die Bemalung der großen Münsterfenster. "Es wäre ganz toll, wenn sich jemand findet, der sich damit auskennt", sagt Krause. Das nächste Projekt steht bereits in der Werkstatt: das Schweriner Schloss. Es sei unglaublich aufwendig, die Konstruktionspläne seien aber mittlerweile fertig, sagt Krause. Dieser Nachbau wird einmal 10 mal 20 Meter groß sein, einer der größten im Miniland und wieder nur durch die Hilfe motivierter Langzeitarbeitsloser möglich.

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