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Ehemalige Schweriner Piano-Fabrik : Der Klang von Perzina

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Der Name Perzina ist in Schwerin jedem Kind bekannt, im gleichnamigen Haus hat die Stadtbibliothek ihren Sitz, der Perzinasaal ist Lesesaal und beliebter Konzert- und Veranstaltungsort.

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erstellt am 01.Jan.2011 | 03:18 Uhr

Einst hatte in dem Gebäudekomplex in der Wismarschen Straße 144 die Piano-Fabrik der Gebrüder Perzina ihren Produktionsstandort. 1871 vom Zittauer Klavierbauer Julius Perzina und seinem Bruder Albert als Hof-Pianoforte-Fabrik Schwerin gegründet, wurden dort insgesamt mehr als 30 000 Klaviere und Flügel hergestellt. Die Marke war weit über Mecklenburg hinaus bekannt und gefragt. Doch die große Weltwirtschaftskrise überstand das Unternehmen nicht. Die Fabrik ging ein.

Nicht jedoch das technische Wissen um die Herstellung guter Instrumente. Der Rostocker Pianist und Musikalienhändler Andreas Langermann stieß auf einer Messe auf ein Klavier der Marke Perzina - und der Name kam dem Mecklenburger bekannt vor. "Ich machte mich auf die Suche, nahm Kontakt mit einer 83-jährigen Frau Perzina in Süddeutschland auf, der Ehefrau des letzten Enkels des Firmengründers, und fand heraus, dass die heutigen Perzina-Pianos noch immer nach den alten Bauplänen hergestellt werden", erzählt Langermann. Produziert würden die Instrumente allerdings weder in Schwerin noch andernorts in Deutschland, sondern in China. Indes: Neben den Bau plänen kommen auch die entscheidenden Bauteile aus Deutschland bzw. Europa: die Mechanik, die Saiten und selbst die Resonanzböden, die in Österreich gefertigt werden. In Fernost erfolge nur der Zusammenbau.

Langermann entwickelte die Geschäftsidee, an die alte Schweriner Klavierbautradition anzuknüpfen und in der Landeshauptstadt eine Piano-Galerie zu eröffnen, die vor allem Klaviere und Flügel der alten Traditionsmarke führt und zugleich Informationszentrum und Präsentationsort von Dokumenten zur wechselhaften Geschichte der Schweriner Perzina-Werke werden soll, denn in der Fabrik wurden beispielsweise während des Ersten Weltkrieges keine Musikinstrumente, sondern Flugzeugteile für die Schweriner Fokker-Werke hergestellt.

Als Standort wählte Langermann die ehemalige Bundesbankfiliale in der Goethestraße 70 neben dem Fridericianum am Lobedanzgang, die neben 350 Quadratmetern Verkaufsfläche noch weitere Räumlichkeiten für korrespondierende Nutzungen bietet. "Ich möchte, dass hier Leben einzieht und plane, ein kleines Café und Ausstellungsräume einzurichten und will Schülerbands preiswert Proberäume anbieten sowie kleine Konzerte veranstalten", erläutert Langermann. Doch bis dahin wird noch etwas Zeit vergehen, denn zunächst konzentriert sich der Geschäftsmann auf die Herrichtung seiner Verkaufsgalerie, wo neben Perzina-Flügeln und -Klavieren auch Instrumente anderer namhafter Hersteller zu finden sind.

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