Der Kampf um die Milch: Der Preiskrieg treibt die Bauern zu extremen Mitteln

Er kämpft für faire Preise und will die Bauern im Land für den Liefer-Streik mobilisieren: Landwirt Eckhard Meiners aus Bützow. Seine rund 400 Kühe liefern täglich 11 000 Liter Milch – einiges davon muss er jetzt wegschütten. Foto: Hans-Dieter Hentschel
Er kämpft für faire Preise und will die Bauern im Land für den Liefer-Streik mobilisieren: Landwirt Eckhard Meiners aus Bützow. Seine rund 400 Kühe liefern täglich 11 000 Liter Milch – einiges davon muss er jetzt wegschütten. Foto: Hans-Dieter Hentschel

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27. Mai 2008, 08:07 Uhr

Bützow - „Milch ist das hochwertigste Nahrungsmittel, das man sich überhaupt vorstellen kann“, sagt Eckhard Meiners. Seine 400 Kühe bringen Spitzenleistungen, jede im Durchschnitt bis zu 35 Liter am Tag. Gestern aber drehte der Horster den Hahn zu. Kein Liter Milch verlässt mehr seinen Hof. Ein Protest gegen die Preispolitik der Molkereien und Supermärkte. 11

„Die Milch wird innerbetrieblich verwertet“, sagt Meiners. „Natürlich kann ich nicht alles verfüttern, ich schütte Milch auch weg“, räumt der Landwirt auf Nachfrage ein. Ihm fällt es schwer, darüber zu reden. „Viele werden das nicht verstehen. Ich bin doch selbst Verbraucher. Die harten Brötchen am Abend werden weggeschmissen. Die Marktfrau kippt den Salat am Abend in die Tonne. Wenn aber Milch weggeschüttet wird “

Meiners ist mit Leib und Seele Landwirt, versteht solche Bedenken. „Eine Tagesmenge entspricht 0,3 Prozent der Jahresproduktion“, versucht er die Dimension deutlich zu machen und zu relativieren. Das sei nicht so viel, und dennoch schmerzt es. „Milch ist nun einmal das hochwertigste Lebensmittel.“ Dennoch sieht der 42-Jährige keinen anderen Weg mehr, sich gegen den Preisverfall, gegen die Preispolitik zu wehren.

Mit fünf Jahren sitzt er das erste Mal auf einem Trecker. Mit zwölf packt er auf dem Bauernhof seiner Eltern mit an. Er studiert. Seit 1991 betreibt er in Horst, bei Bützow, seinen eigenen Hof. Seine 400 Kühe bringen Spitzenleistungen, 11 000 Liter Milch täglich. Milch, die bis nach Italien geht. Dort schätzt man das weiße Gold aus Deutschland, weil die Milch weniger fetthaltig ist. Zehn Mitarbeiter stehen bei Meiners auf der Gehaltsliste.

„Wir wollen investieren, in die Landwirtschaft, in unsere Dörfer“, sagt Meiners. Seit Jahren kämpfen die Bauern um faire Preise für ihre Milch. Seit Jahresanfang spitzte sich die Situation zu. „Im Dezember bekamen wir um die 40 Cent für den Liter, heute sind es um die 30.“ Steigende Kosten stehen dem gegenüber. „100 Kilogramm Sojaschrot kosteten vor einem Jahr 20 Euro, jetzt sind es um die 35. Pro Liter Milch verfüttere ich zwei bis drei Kilogramm“, nennt Meiners ein Beispiel. Ein anderes: „Der Düngemittelpreis stieg in zwölf Monaten von 17 auf 29,50 Euro.“ Eine Entwicklung, die viele Höfe in den Ruin führt, sagt der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter, dem auch Meiners angehört.

„Die Molkereien haben uns zu lange eingesäuselt“
„Deshalb muss jetzt etwas passieren. Zu lange haben uns die Molkereien eingesäuselt“, sagt der 42-Jährige. Mit dem Auto ist er an diesem Dienstag zu anderen Landwirten unterwegs. Viele seien zögerlich, beteiligen sich nicht am Lieferstopp. „Ich kann sie doch verstehen. Vielen steht das Wasser bis zum Hals. Und sie hoffen, dass es wieder besser wird.“

Und versöhnliche Töne seien doch jetzt schon wieder von den Molkereien zu hören. „Wie in den vergangenen Jahren auch. Doch wir müssen jetzt endlich wirtschaftlichen Druck machen.“ Er selbst könne die Situation vielleicht noch überstehen. „Doch wenn schon jetzt 70 Prozent der Höfe rote Zahlen schreiben?“ Deshalb ist Meiners am Morgen aufgebrochen, tourt durchs Land, wirbt für gemeinsame Aktionen.

Wichtig sei die Einheit der Bauern, egal welchem Verband sie angehören, und das bundesweit. Das sei heute einfacher, dank Internet. „Wir können dadurch viel besser miteinander kommunizieren. Wir wissen viel besser, was woanders passiert. Deutschland ist so zu einem Dorf geworden. Und in einem Dorf lässt sich vieles besser regeln.“

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