Der Gold-Urlaub

Ein Sportliebhaber sei er ganz und gar nicht, sagt Volkmar Döring von sich selbst. Glauben mag man das dem 64-Jährigen aber nur schwer: Seit sechs Jahren lädt der Wahl-Binzer deutsche Olympiasieger als Dankeschön für ihre Leistungen zum Urlaub nach Rügen ein. Was während der Olympischen Winterspiele in Salt Lake City 2002 als spontane Idee geboren wurde, geht in diesem Jahr in die dritte Runde. Spitzensportler wie Fanny Fischer und Britta Heidemann sind der Einladung der privaten Initiative bereits gefolgt.

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15. Oktober 2008, 06:10 Uhr

Binz - Vor zwei Monaten jubelte Fanny Fischer noch über den Sieg im Vierer-Kajak in Peking. Jetzt genießt sie die wohlverdiente Ruhepause beim Schmökern im Strandkorb. Zusammen mit ihrem Freund verbringt das Gold-Mädchen aus Potsdam derzeit einen knapp einwöchigen Urlaub, zu dem Hoteliers und Tourismusbetreiber die Sieger der Olympischen Sommerspiele 2008 nach Rügen eingeladen haben. „Die Idee fand ich total klasse“, sagt die 22-Jährige, die sich das Seehotel Binz Therme aus der Liste der angebotenen Gastquartiere ausgesucht hat. „Hier kann man so wunderbar entspannen!“ Auf Rügen sei sie regelrecht verwöhnt worden, schwärmt die sympathische Athletin und schlürft einen Cocktail, mit dem Barchefin Ines Draht kürzlich in Köln einen deutschen Barkeeper-Wettbewerb gewonnen hatte.

Relaxen im Wellness-Bad, schick ssen gehen, eine rasante Fahrt auf der Bergener Sommerrodelbahn und eine Schiffstour zum Kreidefelsen gehörten zu den Highlights des Kurzurlaubs. Schon am Montag werden die Pumps wieder gegen die Sportschuhe getauscht, wenn auf der Havel das erste Training nach den Spielen beginnt. „Vorher aber will ich noch schnell Oma in Rostock besuchen. Sie will unbedingt mal die Goldmedaille sehen!“ Nach Angaben von Initiator Volkmar Döring haben inzwischen zwölf Goldmedaillensieger zugesagt, nach Rügen zu kommen. Erst vergangene Woche logierte Degenfecht-Queen Britta Heidemann mit Freund und Eltern im „Ceres am Meer“. Die Einladung von der Insel Rügen sei per Mail gekommen, sagt sie. „Erst hatte ich sie weggeklickt“, gesteht die 25-jährige Kölnerin, die hinter dem Angebot der Insel-Hoteliers zu einem kostenfreien Kurzurlaub anfangs nur schnöde Werbung vermutet hatte. „Erst beim zweiten Lesen dachte ich, ´na, das ist ja mal ein Ding´!“ Noch am gleichen Tag habe sie gebucht.

Drei Tage lang pilgerte die Sportlerin mit ihren Eltern und Freund Torsten über die Insel. „Ich war das erste Mal auf Rügen und bin total begeistert.“ Sie habe sich einen langen Traum erfüllt und endlich mal den berühmten Kreidefelsen besichtigt, den sie bislang nur von den Bildern von Caspar David Friedrich kannte. Erkannt hat auf der Insel die in China viel gefeierte Studentin, die zuletzt bei „Wetten dass...“ im ZDF auftrat, wohl niemand. „Aber das war auch ganz okay. Da konnte man endlich mal ganz in Familie entspannen!“ Es blieb sogar Zeit, mit der Diplomarbeit zu beginnen. Thema: Das chinesische Umweltrecht und die Chancen deutscher Investoren im Windkraftsektor“. Doch die morgendlichen Strandläufe und ein Schiffsausflug gehörten wohl zu den schönsten Erlebnissen. „Wir kommen bestimmt bald wieder zum Familienurlaub hierher zurück“, sagt Mutter Astrid.

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