Der erste Tag im Blumenmeer

Berichterstattung bis nach New York. Das Medieninteresse an der Buga ist groß, sogar aus New York und Nordkorea waren Korrespondenten angereist. Zahlreiche Kamerateams und Fotografen dokumentierten die Eröffnung. Gertrud Westphal aus Schwerin: „Ich dachte, die Fotografen sind immer unterwegs. Dass die alle die ganze Zeit über ihre vorgegebene Zone nicht verlassen durften, hat mich schon erstaunt.“
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Berichterstattung bis nach New York. Das Medieninteresse an der Buga ist groß, sogar aus New York und Nordkorea waren Korrespondenten angereist. Zahlreiche Kamerateams und Fotografen dokumentierten die Eröffnung. Gertrud Westphal aus Schwerin: „Ich dachte, die Fotografen sind immer unterwegs. Dass die alle die ganze Zeit über ihre vorgegebene Zone nicht verlassen durften, hat mich schon erstaunt.“

Das Wetter war wie bestellt: Bei strahlendem Sonnenschein strömten gestern mehr als 20 000 Besucher zur Bundesgartenschau nach Schwerin. Bundespräsident Horst Köhler eröffnete die insgesamt 30. Buga - und zeigt sich beeindruckt von der "einzigartigen Verbindung" von Pflanzenschau, Wasser und historischen Gebäuden.

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24. April 2009, 02:03 Uhr

Schwerin | "Eigentlich mag ich Garten ja nicht so besonders", sagt die elfjährige Nele, ergänzt aber sofort: "Aber der hier von der Buga ist toll. Mir gefällt vor allem die Schwimmende Wiese mit den vielen bunten Glasscherben auf den Wegen, und die große Brücke ist auch super", fasst sie zufrieden ihren dreistündigen Bummel zusammen. Ihre Mutter Anja Petsch ist noch stärker beeindruckt: "Es ist einfach super, was hier alles zu sehen ist. Es wurde mit so viel Ideenreichtum und Blick für Nachhaltigkeit gebaut, dass man den Organisatoren nur gratulieren kann." Ihr Vater, Fritz Ritter, der ebenfalls aus Lübesse mit zum Tag der offenen Gartenschau gekommen ist, ergänzt: "Ich war schon eine ganze Weile nicht mehr im Schlossgarten und muss anerkennend sagen: Was alles mit der Buga vor allem hier am Burgsee entstanden ist, das hat die Stadt unheimlich voran gebracht. Wirklich sehenswert", versichert der Rentner. Und im Schein der Nachmittagssonne entspannen sich die drei noch ein Weilchen auf der Schwimmenden Wiese.

Nach und nach entdecken auch die zehntausenden anderen Besucher die individuelle Schönheit der sieben Gärten. Den Garten des 21. Jahrhunderts mit seiner modernen Architektur. Der Schlossgarten, der die Gartenbaukunst mehrerer Jahrhunderte vereint. Der Burggarten mit der Orangerie als Glanzstück. Der Küchengarten, in dem Gemüse und Kräuter angepflanzt sind. Der Garten am Marstall mit Frühblühern auf 40 000 Quadratmetern. Der Naturgarten mit seinem "grünen Klassenzimmer" für die Kinder. Und der Ufergarten mit der Gastronomie und der Pontonbrücke zum Marstall. Einige Besucher verweilen am Wasser-Picknick-Platz, erkunden die Schatzinsel oder halten einen Moment inne an der Kirche am Ufer. Immer im Blick: das Schweriner Schloss als Herzstück der kleinsten, aber auch zentralsten Bundesgarteschau der vergangenen Jahre.

"Pflanzenschau, Schloss, Wasser, Land und Leute - mir gefällt auf dieser Buga einfach alles", sagt auch ein sichtlich beeindruckter Bundespräsident nach einem kurzen Rundgang über das 55 Hektar große Gelände - das Protokoll hat ihm nicht so viel Zeit gelassen, wie er gern gehabt hätte. Bevor sich die Kameras erneut auf ihn richten, tupft ihm seine Frau Eva Luise schnell noch über das Gesicht. "Ich hatte noch Gold auf der Nase", sagt Horst Köhler und lacht. Das stammt noch von dem Glitzerregen bei der Gala auf der Freilichtbühne, wo der Bundespräsident die Gartenschau offiziell eröffnet hat.

Drei Stunden zuvor: Die Freilichtbühne füllt sich mit mehr als 2000 Menschen, alle wohlbehütet mit dem Buga-Strohhut, der am Eingang verteilt wurde. Der NDR überträgt live. Blumenkinder halten Einzug, die Schweriner Tenöre stimmen die Buga-Hymne an. Mit lilafarbener Kostümjacke und buntem Rock betritt Schwerins Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow die Bühne, heißt die Gäste in "Deutschlands kleinster, aber schönster Landeshauptstadt" willkommen. Ministerpräsident Erwin Sellering hebt die Nachhaltigkeit der Buga hervor: "Was hier geschaffen wurde, wird noch lange Bestand haben." Wer Schwerin besuche, werde gewiss zum Dauergast werden, hofft der Landesvater.

Heinz Herker, Präsident des Zentralverbands Gartenbau, bezeichnet die Bundesgartenschauen als ein Stück "Lebensqualität" und zitiert ein indisches Sprichwort: "Die Dummen rennen, die Klugen warten, die Weisen gehen in den Garten." Die Bugas als Gärten für Jedermann seien ein wertvolles Gut, meint Herker.

Auch das musikalische Programm der Gala soll einen breiten Geschmack abdecken: Deutschlands Supertalent Michael Hirte, die Popstarsband Monrose, Schlagerstar Roland Kaiser, das Ballett des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin, Grand-Prix-Gewinnerin Nicole und die fünf Tenöre der Classic Pop-Gruppe Adoro stimmen die Besucher auf die Bundesgartenschau ein.

"Verdammt, und dann stehst du im Regen" - das Lied von Sänger Wolfgang Ziegler hat glücklicherweise nichts mit der Wirklichkeit zu tun. Das Wetter hätte an diesem Tag nicht besser sein können, sagt Horst Köhler, als er die Bühne betritt. Die Pflanzenschau sei eine Möglichkeit, Abstand von der Alltagshektik zu gewinnen und zurück zur Natur zu finden. Auch das sei vielleicht eine Lehre der gegenwärtigen Wirtschaftskrise, betont der Bundespräsident.

In aller Ruhe begutachten jedenfalls Birgit Witte und ihr Mann die Farbenpracht der Buga. Die Touristen aus dem Saarland machen derzeit Urlaub in Bad Doberan und sind zur Eröffnung nach Schwerin gefahren. "Ich finde die Gartenschau sehr beeindruckend", sagt Birgit Witte. "Und ich werde zu Hause jedem empfehlen, Mecklenburg-Vorpommern und die Buga zu besuchen."

Das sagen nicht nur die weit angereisten Besucher. Auch Anja Petsch aus Lübesse und ihr Vater versichern: "Wir wollen unbedingt wiederkommen, und zwar möglichst bald." Und selbst die kleine Nele kündigt bereits an: "Garten ist doch nicht langweilig. Das werde ich auch meinen Klassenkameraden sagen, denn wir wollen noch gemeinsam auf die Buga."

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