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Täglich gehen sieben Hektar für Bauprojekte verloren : Der Acker wird knapp

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Acker statt Bauland: Auf den Bauernhöfen werden die Landwirtschaftsflächen knapp. Täglich würden in MV sieben Hektar Acker und Grünland zugebaut, deutschlandweit 99 Hektar.

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erstellt am 21.Jul.2011 | 11:07 Uhr

Acker statt Bauland: Auf den Bauernhöfen werden die Landwirtschaftsflächen knapp. Täglich würden in Mecklenburg-Vorpommern sieben Hektar Acker und Grünland zugebaut, deutschlandweit 99 Hektar, kritisierte Rainer Tietböhl, Präsident des Landesbauernverbandes in Brüsewitz nahe Schwerin. "Das können wir uns nicht mehr leisten", sagte der Verbandschef. Für einen Hektar Autobahn würden zusätzlich beispielsweise drei Landwirtschaftsflächen als Ausgleich verbraucht.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten seien mit insgesamt 800 000 Hektar bundesweit fast die Ackerfläche des Landes Mecklenburg-Vorpommern verbaut worden, weil Gebäude gebaut, Verkehrswege angelegt oder Ausgleichsflächen für Bauprojekte geschaffen wurden. "Der Landfraß muss gestoppt werden", forderte Tietböhl. Der Bauernverband wolle in den kommenden Monaten mit einer gleichnamigen Aktion gegen den zügellosen Flächenverbrauch vorgehen. Etliche Agrarbetriebe klagten bereits über eine regelrechte Flächenknappheit, sagte Tietböhl. Die Agrarfläche verkleinerte sich dem Statistischen Amt zufolge von 1,505 Millionen Hektar 1992 auf 1,455 Millionen im vergangenen Jahr.

Damit nicht genug: Die Energiewende droht die Bauern um weitere Flächen zu bringen. Neue Leitungen und mehr Ökostrom drohen ihnen weiteren Acker zu rauben. So würden sowohl für die neuen Stromtransporttrassen Flächen benötigt. Aber auch der Anbau von Energiepflanzen beispielsweise für hunderte Biomassekraftwerke im Land verschärft den Flächenwettbewerb. Die Bauern schlagen Alarm und fordern ein Landwirtschaftsflächenschutzgesetz. Damit sollten die willkürlichen Flächenentscheidungen für Investitionen gestoppt und geregelt werden, dass keine Agrarflächen mehr in Bauland umgewandelt werden, forderte Tietböhl. Mit den Parteien seien erste Gespräche geführt worden. Es gebe ein hohes Interesse, beobachtete Tietböhl. Dabei gibt es in MV keinen Mangel an Bauland: Es gebe genügend Flächen mit alten Anlagen, die derzeit nicht genutzt würden, sagte Tietböhl und appellierte auch ans eigene Klientel: Statt Biogasanlagen auf Ackerland zu bauen, sollte auf ungenutzten Hofflächen gebaut werden.

Ernte in MV: höhere Preise gleichen Verluste aus

Zeitverzug auf dem Getreidefeld: Der Witterungsverlauf hat für deutliche Verzögerungen und drastische Verluste auf den Erntefeldern gesorgt. Während in normalen Jahren um diese Zeit bereits Weizen und Raps gedroschen werden, seien in diesem Jahr gerade einmal 70 Prozent der Gerste geerntet worden, sagte Bauernpräsident Rainer Tietböhl – und das mit deutlichen Einbußen. Im Landesdurchschnitt müsse im Vergleich zu normalen Jahren mit bis zu 30 Prozent Verlust bei Geste und 40 Prozent bei Raps gerechnet werden. Durch die ständigen Regenschauer könne nur stundenweise geerntet werden: „Die Bauern müssen das Getreide regelrecht vom Acker stehlen.“ Zusätzliche Kosten beispielsweise für die Trocknung schmälerten das Ergebnis und machten die Ernte deutlich teurer. Zudem erschwere so genannter Zwiewuchs in den Beständen die Mahd. „Am besten wären jetzt drei Wochen Sonne, dann wäre die Ernte abgeschlossen“, erklärte der Verbandschef.
Die Bauern bleiben optimistisch: Um bis zu 20 Prozent höhere Getreidepreise sorgten für Ausgleich. „Wir hoffen jetzt auf die Weizenernte“, sagte Tietböhl. Seine Hoffnung: die Mais-, Zuckerrüben- und Kartoffelbestände. Die würden sehr hohe Erträge versprechen. „Vielleicht kommen die Betriebe noch mit einem blauen Auge davon.“ Einige allerdings nicht: Durch Lieferverpflichtungen aus dem vergangenen Jahr könnten viele Betriebe nicht von den höheren Preisen profitieren. Das betreffe ein Drittel aller Kontrakte des vergangenen Jahres.



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