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Stadtwirtschaftliche Dienstleistungen Schwerin : Deponiegas wird zu Strom

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Aus dem bis Mitte der 1990er-Jahre bei Stralendorf deponierten Hausmüll der Schweriner wird nun Strom. Die Stadtwirtschaftlichen Dienst leistungen Schwerin investieren dafür rund 260 000 Euro.

svz.de von
erstellt am 25.Jan.2011 | 10:06 Uhr

In ein Sammelsystem für das Deponiegas und ein Blockheizkraftwerk - und erzeugen so Elektroenergie, die den Verbrauch von rund 500 Haushalten abdeckt. "Eine thermische Verwertung des Deponiegases wäre unrentabel, deshalb haben wir uns für die Verstromung entschieden", erläutert Hans-Dieter Matlachowski, SDS-Bereichsleiter Abfallwirtschaft.

Erde bedeckt Berg von rund 1,7 Millionen Tonnen Hausmüll

Das städtische Unternehmen musste aber auf jeden Fall etwas mit dem Deponiegas machen. Denn die Umweltauflagen des Landes sind klar: Dieses Treibhausgas darf nicht in die Atmosphäre gelangen, berichtet SDS-Werkleiterin Ilka Wilczek. Die bereits aufgetragenen, verschiedenen Erdschichten verhindern das zwar auch, doch darunter entsteht Gas. Schließlich wurden auf dem 14 Hektar großen Deponiegelände rund 1,7 Millionen Tonnen Müll eingelagert. "Hausmüll - keine Schadstoffe", betont Matlachowski. "Aber natürlich sind viele organische Stoffe darin enthalten. Und die verrotten nach und nach."

Mitte der 1990er-Jahre wurde die Deponie Stralendorf geschlossen, 2004 begann die Rekultivierung des Areals. "Wir haben uns damals für eine Abdichtung mit Erdschichten entschieden, das ist unkomplizierter als die Verwendung von Folien. Bis zu 2,50 Meter dick sind die verschiedenen Erdschichten in der Summe. "Sie verhindern, dass Wasser von oben in den Deponiekörper einsickern kann", berichtet der Abfall-Fachmann. Das Regenwasser wird aufgefangen und gesammelt. Bevor es in die Natur fließt, erfolgt eine Kontrolle. Und auch das Grundwasser rund um die Deponie wird regelmäßig überprüft, neun Kontrollbrunnen wurden dafür gebohrt. "Der Deponiekörper ist dicht", betont Ilka Wilczek.

Doch das entstehende Deponiegas muss raus, bevor es irgendwann zu einem Problem werden könnte. Bereits vor vier Jahren ließ die SDS erste Probebohrungen vornehmen. Das Ergebnis: Fast die Hälfte des Stralendorfer Deponie gases ist methanhaltig und damit verwertbar. Inzwischen ist ein 1600 Meter langes Leitungssystem entstanden, das 15 Schächte verbindet. So kann das Deponiegas abgesaugt werden. Ein Container dient als Sammelstelle. "Dieser ist gut an der Esse zu erkennen, hier wird ständig Gas abgefackelt", berichtet Ilka Wilczek. "Auch das dient der Kontrolle." In einem zweiten Container gleich daneben befindet sich das Blockheizkraftwerk, in dem das Gas verbrannt und im Generator zu Strom wird. Noch auf dem Deponiegelände steht zudem das Trafohäuschen, die Elektroenergie fließt direkt ins Netz.

Erlöse fließen in die weitere Rekultivierung des Areals

Anhand der Messergebnisse geht Hans-Dieter Matlachowski davon aus, dass derzeit 200 Kubikmeter Deponiegas pro Stunde entstehen. "Das ist viel. So können wir auf eine Strommenge von 2,4 Millionen Kilowattstunden pro Jahr kommen. Das entspricht dem Verbrauch von 500 Haushalten." Doch das sind alles nur Anfangswerte. Denn irgendwann ist die Verrottung aller organischen Bestandteile im Müll beendet. Die Menge des Deponiegases werde kontinuierlich sinken. In 15 Jahren lohne sich eine Nutzung nicht mehr, schätzt Matlachowski anhand gesammelter Werte auf anderen Deponien.

Doch jetzt läuft die Stromerzeugung erst an. Die Erlöse daraus werden übrigens für die weitere Rekultivierung verwendet. Denn noch bis 2016 werden weitere Erdschichten auf den Deponiekörper aufgetragen. Zudem wird auf dem Hügel erst Rasen ausgesät, später kommen flach wurzelnde Sträucher hinzu. "Die Rekultivierung einer Deponie ist ein langwieriges Verfahren", berichtet Ilka Wilczek. Verantwortlich dafür ist die Stadt Schwerin mit ihren Fachbetrieben, denn Stralendorf war schon zu DDR-Zeiten die Deponie der Stadt. "Wir arbeiten aber eng und sehr gut mit Amt und Gemeinde Stralendorf zusammen", betont die SDS- Werkleiterin.

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